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21. Juni 2012

Die Energiewende fest im Blick

Gut unterwegs: Die Stadtwerke Müllheim-Staufen haben im vergangenen Jahr den Umsatz verdreifacht.

  1. Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Fischer und Johann Ruppert aus Staufen sind das Vorstandsteam Bürger-Energie-Genossenschaft. Foto: Münch

  2. Stadtwerke-Geschäftsführer Jochen Fischer und Johann Ruppert aus Staufen sind das Vorstandsteam Bürger-Energie-Genossenschaft. Foto: Münch

MÜLLHEIM/STAUFEN. Die Stadtwerke Müllheim-Staufen sind dem Gröbsten entwachsen. Sie schreiben schwarze Zahlen, haben 2011 den Umsatz verdreifacht, die Finanzen konsolidiert und können die nächste Herausforderung in Angriff nehmen.

Diese besteht nicht mehr und nicht weniger darin, mit dezentraler, ökologischer Energieversorgung in der Region die Energiewende zu bewirken. Geschäftsführer Jochen Fischer sieht exakt darin die Aufgabe der Stadtwerke für die nächsten Jahre. Dazu zählt aus seiner Sicht auch, "die vordringliche Aufgabe" Energie einzusparen. Für seine Ziele hat das Unternehmen einen starken Partner an der Seite: die Bürger-Energie-Genossenschaft Südbaden, kurz Begs. Mit vereinten Kräften wird daran gearbeitet, dass die Städte Müllheim und Staufen energieautark werden.

Bei Umsatzerlösen von 25,7 Millionen Euro und einem operativen Ergebnis von 1,04 Millionen Euro erwirtschafteten die Stadtwerke einen Gewinn nach Steuern von 208 000 Euro. Dieses Geld stünde den Gesellschaftern zu, bleibt aber im Unternehmen, denn der nächste große Kraftakt steht bevor: der Netzerwerb für Strom und Gas in Müllheim und Staufen für einen zweistelligen Millionenbetrag. Geschäftsführer Fischer spricht von konstruktiven Verhandlungen mit den bisherigen Konzessionsnehmern Badenova (Gas) und Energiedienst (Strom). Er sei guter Hoffnung, dass diese noch im laufenden Jahr zum Abschluss kommen. Im Fall von Badenova werden die Verhandlungen aber auch vor dem Landgericht Mannheim geführt, denn Grundsätzliches ist angesprochen: Eigentums- und Bewertungsfragen.

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Die Stadtwerke haben am 18. Juni ihr drittes Jahr vollendet. Alle ursprünglichen Vorstellungen konnten nicht verwirklicht werden. So sind die drei Gesellschafter – die Städte Müllheim und Staufen sowie der Stadtwerkeverbund Kommunalpartner – bisher unter sich geblieben. Diese erwarteten, so Jochen Fischer, mittelfristig eine Eigenkapitalverzinsung von zehn Prozent. Derzeit bewegt sie sich beim Unternehmensergebnis bei 6,6 Prozent. Die Werke haben bei null angefangen. Sie haben als Erstes die Wasserversorgung von Müllheim und Staufen übernommen und liefern jährlich 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser an ihre Kunden. Sie mussten Strukturen aufbauen und Abläufe optimieren.

Um einen hohen Qualitätsanspruch zu garantieren, will das Unternehmen weiter daran arbeiten, die Service- und Dienstleistungsangebote auszubauen. Aber es will auch weiter wachsen. Im laufenden Jahr ist ein Zielumsatz von rund 35 Millionen Euro angepeilt, das entspricht einer Umsatzsteigerung von 36 Prozent und einer bereits erreichten Lieferungsleistung von 400 Millionen Kilowattstunden Strom und Gas des Labels Alemannenenergie. Der Kundengewinnung zuhause, so Fischer, komme eine besondere Bedeutung bei. Denn von den 18 000 Energiebeziehern ist nur ein Drittel aus den beiden Städten, die anderen kommen aus der Umgebung, dem Breisgau, aus Freiburg oder von weiter her. Ein eigens geschaffener Bürgertarif für die Müllheimer und Staufener soll das ändern. Er stelle für die Region aktuell das beste Preis-Leistungsverhältnis dar, meint Fischer. Denn die Stadtwerke wollen die Bürger überzeugen, von sich und der Genossenschaft, und sie in den Prozess der regionalen, umweltverträglichen Energiegewinnung einbeziehen. Dazu wollen Unternehmen und Begs in Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft, Biomasse und in Kraft-Wärme-Kopplung investieren. Neben den laufenden Anlagen sind weitere in Planung. Stadtwerke wie Genossenschaft haben keine Berührungsängste und setzen auch auf Kooperationen. So laufen bereits Gespräche mit den Leuten vom Bürgerwindrad Blauen.

Autor: Gabriele Babeck-Reinsch