Maronen

Die Esskastanie ist Baum des Jahres 2018

Sarah Beha und dpa

Von Sarah Beha & dpa

Fr, 27. Oktober 2017

Panorama

Sie ist nicht nur wertvoll, sondern trotzt auch dem Klimawandel und bietet Tieren Schutz.

BERLIN/FREIBURG. Sie ist vor allem wegen ihrer kugelig-braunen Früchte beliebt: Die Esskastanie ist Baum des Jahres 2018. Nach der Fichte wird damit eine Baumart ins Bewusstsein gerückt, die in Deutschlands Wäldern nicht überall ins Auge sticht,

wie die Stiftung Baum des Jahres am Donnerstag in Berlin mitteilte. Esskastanien wachsen vor allem in Weinbaugebieten wie der Pfalz, aber auch in Teilen Südbadens und bundesweit in vielen Parks und Gärten.

"Die Esskastanie hat eine recht junge Geschichte in unseren Breiten", sagte Deutschlands Baumkönigin Anne Köhler bei der traditionellen Pflanzung des Jahresbaums in Berlin. Sie gelte zwar nicht als heimische Baumart, gehöre aber zumindest in Südwestdeutschland längst in die Kulturlandschaft.

Die Esskastanie ist seit 1989 der dreißigste Jahresbaum, der von der Stiftung Baum des Jahres festgelegt wird. Die Stiftung möchte nach eigenen Angaben Menschen an Bäume heranführen und "Sensibilität für dieses lebendige Naturgut schaffen." Die Esskastanie sei eine anpassungsfähige und wärmeresistente Baumart, so die Stiftung, weswegen sie auch mit Blick auf den Klimawandel von Forstbotanikern genauer erforscht werde.

Esskastanien können rund 30 Meter hoch und mehrere Hundert Jahre alt werden. Die großen Höhlen alter Bäume sind auch bei Waldbewohnern beliebt – für die Wildkatze sind sie zum Beispiel bevorzugte Wurfplätze. Die reiche Blüte bietet im späten Frühjahr einer Vielzahl von Insekten Nahrung.

Die Römer brachten die Esskastanie über die Alpen in germanische Gefilde – vor allem an Rhein, Nahe, Mosel und Saar. Anders als die bekanntere Rosskastanie, die zu den Seifenbaumgewächsen gehört, ist die Baumart eng mit Buchen und Eichen verwandt.

Esskastanien und ihr Holz waren früher wichtig für den Weinbau, zum Beispiel für Weinfässer. Noch bedeutsamer aber wurden die Früchte, die zu den Nüssen zählen, als Vorratsreserve. Besonders Maronen – das sind die Früchte speziell veredelter Bäume – waren mit ihrem hohen Gehalt an Stärke oft ein lebensrettendes Lebensmittel in kalten Hungerwintern.

Im südbadischen Raum treffe man vor allem in den Seitentälern der Ortenau auf die Esskastanie, sagt Axel Schwendemann. Der selbsternannte "Maroni-Mann" verkauft heiße Maronen auf dem Freiburger Münsterplatz und kennt sich aus mit der Frucht. "Die Frucht der Esskastanie erkennt man an den braunen Hüllen, die sehr stachlig sind. Wie braune kleine Igel", erklärt er. Zum Verzehr seien die Esskastanien, die man den ganzen Oktober über an und unter den Bäumen finden kann, allerdings nicht unbedingt geeignet: "Sie sind klein und lassen sich nur sehr schlecht von der Schale lösen." Er kauft die veredelten Esskastanien, die Maronen, momentan bei Händlern aus Italien und Portugal.

"Maronen sind in Freiburg sehr beliebt", stellt der Verkäufer fest. Im südbadischen Raum mache sich der Einfluss aus Italien, Frankreich und der Schweiz bemerkbar. Dort kommen Esskastanien geröstet, geschmort oder als Püree auf den Tisch, auch in Form von Marmelade, Eis, Pudding, Kuchenfüllungen oder Pasteten. Auf dem Münstermarkt verkauft Schwendemann sie geröstet. Er schwört auf die guten Eigenschaften der Frucht, die sogar gegen Erkältungen vorbeuge.