Bagger am Werk

Die frühere Jugendherberge Schönau wird abgerissen

Dirk Sattelberger

Von Dirk Sattelberger

Fr, 18. Januar 2019 um 08:00 Uhr

Schönau

Bagger reißen derzeit die frühere Jugendherberge Schönau wird ab. Die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) lassen dort eine Heizzentrale und Parkplätze bauen.

Die frühere Jugendherberge in Schönau ist endgültig Geschichte: Bagger reißen derzeit das Haus neben dem Freibad im Ortsteil Schönenbuchen ab. So soll Platz geschaffen werden für eine neue Heizzentrale der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) und zirka 60 Parkplätze.

In das Gebäude an der Friedrichstraße 58 (B 317) war jahrelang nichts mehr investiert worden. Sein Abriss wurde von den Eigentümern, der EWS, bereits im Jahr 2016 angekündigt. Die Elektrizitätswerke sind mit ihren rund 150 Mitarbeitern bekanntlich auf Expansionskurs und brauchen dringend Platz.

Das unansehnlich gewordene Gebäude hat eine fast 100 Jahre alte Geschichte und erzählt gleichzeitig etwas von den Anfängen der Jugendherbergen in Deutschland. Sie entstanden ab 1912 in ganz Deutschland mit dem Ziel, der Jugend das Reisen zu ermöglichen. Gleichzeitig sollten die Kontakte auch auf europäischer Ebene der Völkerverständigung und dem Frieden dienen.

Die Nazis planten einen großen Neubau

Die Idee fiel auch in Schönau auf fruchtbaren Boden. Der Holz- und Kohlehändler Artur Faller (Jahrgang 1887) stellte in den 20er Jahren seinen Hof als Jugendherberge zur Verfügung. Der Pilot und Offizier leitete diese einfache Herberge mit seiner Frau Maria (geborene Bingener) und gilt auch als Förderer des Freibads direkt nebenan. Der Abenteurer ging dann 1932 nach Frankfurt am Main, um die damals modernste Jugendherberge Europas zu leiten. So ist es im Archiv nachzulesen.

1935 wurde die Schönauer Jugendherberge geschlossen, weil die erwünschte Erneuerung ausblieb; es mangelte an Gruppenräumen und Waschgelegenheiten. Die Nationalsozialisten planten derweil einen großen Neubau mit 120 Betten. Ihr Argument: Schönau sei durch das Schlageter-Denkmal ein "Wallfahrtsort" und wichtiger Standort für Jugendbegegnungen. Verwirklicht wurden die Baupläne aber nie.

In der 80er Jahren war endgültig Schluss

Das Badische Jugendherbergswerk übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg das Haus von Artur Faller, modernisierte es und betrieb dort erneut eine Jugendherberge. In den 1980-er Jahre war dann aber Schluss. Später erwarben die Elektrizitätswerke Schönau, die ihren Sitz direkt gegenüber haben, das Gebäude und nutzten es provisorisch für ihre Büros.

Der Pionier Artur Faller starb im Jahr 1965 mit 78 Jahren. Die Idee des interkulturellen Austauschs ist freilich geblieben: Das Deutsche Jugendherbergswerk ist heute Träger von insgesamt 470 Jugendherbergen in ganz Deutschland. Eine davon hat ihren Sitz in Todtnauberg (gegründet 1934), eine andere in Menzenschwand. Alleine in Todtnauberg gab es vergangenes Jahr 14 300 Übernachtungen – laut Jugendherbergsverband in Stuttgart sogar mit steigender Tendenz.