Kommentar

Die Gefahr ist groß, dass die Stimmung vergiftet wird

Thomas Fricker

Von Thomas Fricker

Sa, 03. Dezember 2016 um 18:44 Uhr

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Der Mord an Maria L. ist aufgeklärt – die akribische Arbeit der Polizei wurde belohnt. Dies ist die gute Nachricht. Doch die Gefahr ist groß, dass nun hetzerische Klischees die Stimmung vergiften.

Der Mord an Maria L. ist aufgeklärt. Sieben Wochen nach der Tat hat die Polizei den mutmaßlichen Täter gefasst und wohl auch zweifelsfrei überführt - das ist eine rundum gute Nachricht.

Am Ende hat offenbar akribische Ermittlungsarbeit den Ausschlag gegeben. Der Erfolg hing buchstäblich an einem dünnen Faden. Beamte entdeckten nach wochenlanger Sortierarbeit in mehreren Säcken voller Heckengestrüpp, das am Tatort gesichert worden war, ein außergewöhnlich gefärbtes Haar. Es wurde zur entscheidenden Spur - aber nur, weil die Polizei gründlich und sorgfältig zu Werke ging. Dies ist die zweite gute Nachricht.

Beide zusammen werden nun hoffentlich wieder das Sicherheitsgefühl in Freiburg verbessern. Es hatte - mehr als verständlich - nach der Vergewaltigung und Tötung der jungen Studentin arg gelitten. Dass wenige Tage zuvor schon ein Mann mitten in Freiburg gewaltsam ums Leben gekommen war und dann wenige Wochen später in Endingen am Kaiserstuhl eine zweite junge Frau vergewaltigt und getötet wurde, machte die Lage noch schlimmer. Sollte frau noch allein Joggen gehen? Sollten Eltern ihre Kinder noch allein auf die Straße lassen? Es verbreitete sich Angst, Unsicherheit - und zugleich manchmal hilfloser Groll: auf Fahnder, die angeblich nichts taugten und viel zu lange keinen Schuldigen präsentierten.

Der ist nun gefunden – aber dass es sich dabei offenbar um einen Jugendlichen handelt, der vor einem Jahr aus Afghanistan nach Deutschland geflohen war, ist keine gute Nachricht. Das Risiko ist groß, dass sich nun all diejenigen bestätigt sehen, die Asylsuchende grundsätzlich für eine Gefahr für die einheimische Bevölkerung halten. "Ausländer töten deutsche Frauen" - dieses hetzerische Klischee kann die Stimmung weit über Freiburg hinaus vergiften. Dabei gilt bei allem Abscheu über die Tat: Betrachtet und bewertet werden muss jeder Einzelfall. Pauschale Verdächtigungen und Vorverurteilungen sind fehl am Platz. Die angemessene Aufarbeitung des Falles in Ruhe nach Recht und Gesetz sind wir schon dem Opfer Maria L. schuldig.