Die Gier nach ewiger Jugend

Elisabeth Weniger

Von Elisabeth Weniger

Fr, 29. Juni 2018

Weil am Rhein

Musical AG der Realschule bringt "Tanz der Vampire" selbstironisch und reflektiert auf die Bühne.

WEIL AM RHEIN (elwe). Die Musical-AG der Realschule Dreiländereck entführte die Besucher mit ihrer gekürzten Fassung des deutschsprachigen Musicals "Tanz der Vampire" am Mittwoch- und Donnerstagabend in den tiefen transsilvanischen Wald. Unter der Leitung von Katrin Zaruba und Cornelia Artmeyer hatten 19 Schüler das Musical einstudiert.

In dem Musical geht es um Professor Abronsius (Leona Zahiti, 16) und seinen Studenten Alfred (Michelle Kikstein, 15) aus Königsberg, die in Transsilvanien auf einer Forschungsmission sind, um zu beweisen, dass Vampire tatsächlich existieren. In einem Gasthaus finden sie Hinweise auf Vampire, dort verliebt sich Alfred auch in die schöne Wirtstochter Sarah (Elina Khomenku, 12). Diese wird jedoch vom Vampir, dem Graf von Krolock (Katja Sütterlin, 15), verführt und folgt ihm auf sein Schloss, um dort mit ihm am Ball teilzunehmen. Bei dem Versuch sie zu retten, wird ihr Vater auch zum Vampir. Der Professor und Alfred erkennen dies und wollen ihn mit einem Holzpfahl umbringen. Um dem endgültigen Tod zu entgehen, führt der Wirt den Professor und Alfred zum Schloss des Grafen. Im Schloss findet Alfred Sarah, diese will den Ball jedoch nicht verpassen. In der Ballnacht sammeln sich die geladenen Gäste, die alle Vampire sind und der Graf beißt Sarah.

Alfred und der Professor finden Sarah jedoch und können noch vor den Vampiren fliehen. Das Musical endet damit, dass Sarah Alfred beißt. Als krönenden Abschluss sangen alle Schüler der Musical-AG "Forever Young" von Alphaville und thematisierten dadurch die ewige Jugend der Vampire, zu denen nun auch Sarah und Alfred gehören.

Im Musikraum der Realschule präsentierte die Musical AG auf einer Bühne das Musical. Dazu waren nur wenige Requisiten nötig, vielmehr überzeugte die AG durch einfache Kostüme und ausgereifte Schauspielkunst. Die Bühnenbilder, die das Schloss des Vampirgrafen darstellten, wurden mit Schülern der achten Klasse gestaltet.

Nach kurzen Unsicherheiten zu Beginn der Aufführung fanden alle Schüler gut in ihre Rollen und arbeiteten auch bei den Wechseln der Szenen und Bühnenbilder schnell und geübt. Einen besonderen Reiz hatten die Vampirzähne der Schauspieler, die durch Personal der Zahnärztin Oksana Sadzik an die Schüler angepasst wurden. Die AG setzt sich aus 19 Schülern aller Altersgruppen zusammen. Die Hauptdarsteller beeindruckten durch ihre schauspielerischen Fähigkeiten, mit denen sie jeder Person einen eigenen Charakter verliehen, vor allem aber durch Soli und Duette, die sie gekonnt und sicher vor dem Publikum sangen.

Doch auch der Chor, der sich aus den restlichen Teilnehmern der AG zusammensetze, überzeugte. Neben einem großen Stimmvolumen bot er gute Choreografien, die die Stimmung des Musicals den Besuchern gekonnt vermittelte.

Obwohl das Thema des Musicals in erster Linie ein ernstes ist, nahmen sich die Schüler selbst nicht zu ernst und ernteten durch lustige Gesten oder Sprüche wie "Ein Kreuz kann mir nichts antun. Ich bin ein ungläubiger Vampir. Ich hatte Ethik in der Schule" einige Lacher. Dass die Schüler aber auch das ernste Spiel beherrschen, zeigte sich vor allem, als Katja Sütterlin als Graf von Krolock "Die unstillbare Gier" aus dem Musical sang, ein Lied, das sich mit den ehemaligen Geliebten des Grafen beschäftigt und das thematisiert, dass der Graf als Vampir nicht glücklich werden kann.

Die Mühe der Schüler und der Lehrerinnen Katrin Zaruba und Cornelia Artmeyer, die seit Herbst an dem Musical arbeiteten, machte sich mehr als bezahlt, was das Publikum auch mit viel Applaus deutlich zeigte. Trotz der gekürzten Fassung war das Musical einfach zu verstehen und fühlte sich nicht gehetzt an. Ein besonderer Reiz der Inszenierung lag darin, das Lieder aus dem Originalmusical mit anderen Songs kombiniert wurden. So tanzen beispielsweise der Graf und Sarah bei der Vorbereitung auf den Ball zu "Hips don’t lie" von Shakira. Das Musical war dadurch locker und hielt auch für Besucher, die mit dem Original vertraut waren, Überraschungen bereit.