Die Mauer muss weg!

Gert Brichta

Von Gert Brichta

Sa, 18. August 2018

Eisenbach (Hochschw.)

Nach 14 Jahren sind die hässlichen letzten Reste des Hauses Doll an der Ortsdurchfahrt beseitigt.

EISENBACH. Eisenbach bestaunt den Fall der Mauer. 14 Jahre lang beherrschte sie das Ortsbild. Jetzt endlich, beim Ausbau der Ortsdurchfahrt, ist sie verschwunden. Ein Rückblick.

Das alte Schulhaus oder besser bekannt als das Haus Doll im Mitteltal wurde 2004 abgerissen. Vorarbeit gewissermaßen auf den Ausbau der Ortsdurchfahrt. Dass es so lange dauern würde, hatte damals niemand geahnt. Nur noch die Grundmauern erinnerten wie ein Zahn der Zeit an die Geschichte und Nutzung des Gebäudes, sogar Blumen hatten sich in den Resten eingerichtet. Die Engstelle zwischen dem Anwesen Arzner/Hensler und dem Haus Doll warten nun auf die Verbreiterung der Straßenführung. Hier soll auch die künftige Bushaltestelle entstehen.

An das alte Schulhaus kann sich niemand mehr erinnern. Bis zum Neubau des Rathauses zu Beginn des 20. Jahrhunderts war hier die Schule untergebracht und sogar die Gewerbeschule in Neustadt hatte eine Nebenstelle.

Das Eisenbacher Mitteltal war zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts das Dorfzentrum. Rathaus und Schulhaus bildeten die Mitte. Bürgermeister und Ratschreiber saßen hier, das Erdgeschoss beherbergte die beiden Klassenzimmer und unter dem Dach, da wo heute die Gemeinderatssitzungen stattfinden, hielten früher der Musikverein Eisenbach und die Zieha-Gilde ihre wöchentlichen Proben. Eine Lehrerwohnung sowie eine Wohnung für den Hausmeister waren ebenso im Rathaus untergebracht.

Im Gebäude gegenüber, in der Matte, war ein Einzelhandelsgeschäft, hier gab es in den 50 und 60er Jahren noch Sauerkraut und Gurken aus dem Fass sowie Gutsili (Bonbons) aus dem Glas – bis zur Wolle reichte das Sortiment. Die Matte war der Treffpunkt für die Menschen im Mitteltal. Nur ein paar Schritte weiter hatte der Sattler Pfaff sein Raumausstattungsgeschäft. Und genau gegenüber wohnte "’s Doll Emilie", jene Frau, deren Haus nun endgültig beseitigt ist.

Der Fall der Mauer sorgt für Aufsehen, aber auch für Ironie: Eigentlich sollte man ein Fest machen, dass sie schon nach 14 Jahren beseitigt wurde, ist zu hören.