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07. Januar 2011
Die Narrenfreiheit des Götti-Dekans
Berg kommt reichlich spät, aber mit großem missionarischem Eifer zum Empfang der Murger Zunft / "Gedankenloser Austausch".
MURG. Der "gedankenlose Austausch", als den Präsident Armin Eschbach den Neujahrsempfang der Murger Narrenzunft gestern in brutalstmöglicher Absicht bezeichnete, hat es bewiesen: Wenn die Geistlichkeit es will, stehen selbst die Fasnachtsuhren still. Formidable 45 Minuten nach 11.11 Uhr enterte Peter Berg, Dekan und Narrengötti in Personalunion, an diesem Dreikönigstag das Narrennest zu Murg. Um selbstbewusst gleich noch weitere Eroberungen anzukündigen: "Nächstes Jahr sind die Laufenburger dran, dann werden die missioniert."
Es war unverkennbar: Der Hochkaräter aus Bad Säckingen, der als laufende Nummer 20 die Galerie der Narrengöttis und -gotten nachhaltig anreichert, darf Narrenfreiheit für sich reklamieren – nicht nur am 6. Januar, an Epiphanias, dem Fest der Erscheinung des Herrn, wie Eschbach heiligenkalenderfest bemerkte. Der "leibhaftige Dekan", so der Murger Ehrenpräsident Hans-Joachim Dietrich ehrfürchtig, scherte sich keinen Deut um seine berufsbedingte Verspätigung (wg. eines konkurrierenden Gottesdienstes im Fridolinsmünster), hielt lieber nach Speis’ und Trank Ausschau und strich das trompeterstädtische Sendungsbewusstsein heraus: "Ich werde Euch ein bisschen Kultur beibringen." Dass Berg beklagte, die Säckinger Narren hätten ihm "einen Auftritt bisher verweigert" und Eschbach seinerseits von Berg "den einen oder anderen humorvollen Beitrag" zur Murger Fasnacht erwartet, lässt auf den einen oder anderen besonders bunten Abend schließen. Exgötti Gerold Biehler erhofft sich, wie er in einem Gedicht verriet, von Berg gar, dass er die Zünftler, die "im Narrenescht beinah de Verstand versuufe", statt sich bei der Beizenfasnacht sehen zu lassen, "in die Schranken weisen" werde. Im Wissen um den wertvollen geistlichen Beistand aus der Kurstadt ließ sich Eschbach denn auch nicht lumpen, seinem Bad Säckinger Amtskollegen Joachim Butz ein quietschfideles Geschenk mitzugeben – einen Vogelkäfig samt "Mimi" getauftem Inhalt für die Voliere im Schlosspark.Werbung
Ansonsten gab’s hinwieder kleinere Aufmerksamkeiten von den Gästen, unter ihnen die Narro-Altfischerzunft 1386 und der Elferrat 1911 von Laufenburg. Dürr vertreten war die Vereinigung Hochrheinischer Narrenzünfte (VHN), für die "Häns" Dietrich als deren Zeremonienmeister den "Entschuldigungs-Guschtel" geben durfte. "Traditionell" (Eschbach) gefehlt hat auch Bürgermeister Adrian Schmidle, der in Absenz auch seiner Statthalter sich von seinem Vorgänger Michael Schöke vertreten fühlen durfte.
Rosa Wiesler erhielt für elfjährige Passivmitgliedschaft in der Murger Zunft die Ehrennadel in Bronze überreicht.
Autor: Winfried Dietsche


