Die Radwege dürfen nicht zugeparkt werden

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 30. August 2018

Lahr

Die Stadt Lahr gibt Tipps, wie Radfahrer und Autofahrer im Straßenverkehr gegenseitig Rücksicht nehmen und dadurch gefährliche Situationen vermeiden können.

LAHR (BZ). Unter dem Titel "Miteinander statt gegeneinander" möchte die Stadt Lahr mit einer Reihe von Beiträgen zum Thema Verhalten im Straßenverkehr zu mehr gegenseitiger Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer aufrufen. In den ersten beiden Teilen geht es darum, was Autofahrer besser machen können.

Wenn es zwischen Auto und Rad auf Baden-Württembergs Straßen kracht, sind laut der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen (AGFK) in 63 Prozent der Fälle die Autofahrer verantwortlich. "Vielen Autofahrern ist nicht wirklich bewusst, dass Radfahrer gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer mit besonderem Schutzbedürfnis sind", erklärt Carina Stuber von der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung der Stadt Lahr in der Pressemitteilung. Martin Stehr vom Stadtplanungsamt ergänzt: "Dazu gehört eben auch, die Flächen freizuhalten, die im Straßenverkehr den Radfahrern vorbehalten sind, also beispielsweise Radwege und Schutzstreifen." So erkennt man die Radverkehrsflächen:
» Radfahrstreifen sind mit einer durchgezogenen Markierung gekennzeichnet. Diese Linie darf nicht überfahren und auch nicht beparkt werden.
Schutzstreifen sind mit einer unterbrochenen Leitlinie markiert und dürfen nur im Bedarfsfall überfahren werden, sofern der Radfahrer nicht gefährdet wird. Anders als beim Radfahrstreifen ist auf einem Schutzstreifen das Be- und Entladen sowie das dreiminütige Halten erlaubt.

Auf beiden Streifen ist das Parken verboten. Wer länger steht, hat mit einem Knöllchen zu rechnen. "Und das hat einen guten Grund", erklärt Martin Stehr: "Flüssiges und sicheres Fahren auf Radwegen ist nur ohne Hindernisse möglich. Es ist nicht nur ärgerlich, wenn Radwege zugeparkt werden, sondern auch gefährlich." Die beiden Mitarbeiter der Stadt wissen, dass Radfahrer dann in den fließenden Verkehr einfädeln oder auf den Gehweg ausweichen müssen und dabei kann es schnell zu einem – durchaus vermeidbaren – Unfall kommen.

Ebenso vermeidbar sind blockierte Aufstellflächen an Kreuzungen, heißt es weiter. Der Radfahrer gerät aus dem Blickfeld der Fahrzeugführer und so schnell in Vergessenheit. An einigen Ampelkreuzungen in Lahr, wie beispielsweise am Doler Platz oder am Friedrich-Ebert-Platz, wurden deshalb separate Flächen markiert. Radfahrer können sich dort vor den anderen Fahrzeugen aufstellen und befinden sich so im Blickfeld der Autofahrer.

Eine weitere klassische Gefahrensituation, die häufiger zu beobachten sei, ist das Überholen der Radfahrer mit zu geringem Abstand, sagen Stuber und Stehr. "Dadurch wird nicht nur der Stresslevel der Radfahrer erhöht, man nimmt ihnen gleichzeitig die Möglichkeit und den Platz, Schlaglöchern oder Hindernissen auf ihrem Weg auszuweichen."

Platz benötigten Radfahrer aber auch, um vor Kreuzungen an bereits stehenden Fahrzeugen rechts vorbeizufahren. "Das ist übrigens nicht nur dann erlaubt, wenn ein Schutz- oder Radfahrstreifen am rechten Fahrbahnrand markiert ist", erklärt Carina Stuber. Insbesondere im Kreuzungsbereich Gärtner Straße und Bismarckstraße (B 415) werde der Schutzstreifen häufig von wartenden Fahrzeugen blockiert, was teilweise dazu führe, dass Radfahrer auf den benachbarten Gehweg ausweichen. Deshalb der Apppell: Schutzstreifen sind freizuhalten!
Verbesserungsbedarf in Sachen Rücksichtnahme gibt es neben dem Freihalten der Rad- und Schutzstreifen vor allem auch in Kreisverkehren, beim Abbiegen und beim Parken, schreibt die Stadtverwaltung weiter. Hauptsächlich der Kreisverkehr in der Lotzbeckstraße sei mit Unfällen durch Konflikte zwischen Autofahrern und Radfahrern belastet.

Von 2014 bis 2016 gab es sechs Unfälle mit Radfahrern

Von 2014 bis 2016 wurden laut der Pressemitteilung sechs Unfälle verzeichnet, vier davon durch Beteiligung von Radfahrern. Die Gründe seien vermeidbar: Autofahrer überholen Radfahrer im Kreisverkehr oder übersehen sie beim Einfahren komplett. Im Bereich der Lotzbeckstraße wurden 2017 Radpiktogramme auf die Fahrbahn aufgebracht, um Autofahrer entsprechend zu sensibilisieren.

"Leider übersehen Autofahrer die schwächeren Verkehrsteilnehmer nicht nur bei Kreisverkehren, sondern haben oft auch beim Ein- und Ausparken oder beim Abbiegen nur die fahrenden Autos im Blick", erklärt Martin Stehr, "sie achten nicht auf den Radverkehr und es kommt zum Zusammenstoß." Ein klassisches Beispiel sei der Radweg entlang der Tiergartenstraße, der unter anderem von Kunden des angrenzenden Verbrauchermarktes beachtet werden müsse.

Wer seine Fahrt unfallfrei beendet hat, sollte noch eine kleine, aber nicht unerhebliche Sache beachten: den Schulterblick. "Kein Radfahrer kann schnell genug einer aufgehenden Fahrzeugtür ausweichen und noch auf den fließenden Verkehr reagieren", sagt Carina Stuber. Beispielsweise in der Tiergartenstraße oder in der Tramplerstraße seien beinahe täglich gefährliche Situationen durch den fehlenden Schulterblick zu beobachten.