Italien, Chile, Südafrika, Kambodscha

Wie reisende BZ-Redakteure zufällig auf ihre Freunde, Friseure oder Kollegen stießen

der BZ-Redaktion

Von der BZ-Redaktion

Do, 13. September 2018

Freiburg

Urlaubszeit ist Reisezeit: Und wer reist, hat bekanntlich was zu erzählen. Zum Beispiel von ungeplanten Begegnungen mit Menschen, die er kennt. BZ-Redakteure erzählen davon und glauben, dass auch die Leserinnen und Leser ähnliches berichten können.

Urlaubszeit ist Reisezeit: Und wer reist, hat bekanntlich was zu erzählen. Zum Beispiel von ungeplanten Begegnungen mit Menschen, die er kennt. BZ-Redakteure erzählen davon und glauben, dass auch die Leserinnen und Leser ähnliches berichten können.

» Beim Wandern in einem
Nationalpark in Chile traf
Christian Engel auf eine Freundin

Die Geschichte ist schon ein paar Jahre alt – aber ich denke bis heute gerne daran zurück. Damals gab es noch Zivildienst und ich war einer der letzten, die solch einen Dienst absolvieren durften, bevor er abgeschafft wurde. Jedenfalls flog ich für ein Jahr nach Südamerika, wo ich in einer lutherischen Gemeinde und Grundschule in Punta Arenas, ganz im Süden von Chile, mithalf. Den ersten Monat des Auslandsjahres hatte ich allerdings mit weiteren 40 Freiwilligen zuerst einmal in Buenos Aires verbracht: Spanisch lernen, Seminare besuchen, feiern und Freundschaften knüpfen. Zwei Freiwillige besuchten mich nach einem halben in Chile. Zusammen mit meiner Mutter fuhren wir in den berühmten Nationalpark "Torres del Paine". An einem Tag wanderten wir hinauf zum Wahrzeichen des Parks, zu den "Cuernos del Paine", Bergzacken, die markant in den Himmel ragen. Als wir gerade den Abstieg begannen, rief jemand meinen Namen. An der Kreuzung stand Kara, eine Freiwillige, die ich in Buenos Aires kennengelernt hatte. Wären wir nur eine Minute früher hinabgestiegen, hätten wir uns nicht getroffen. So aber bleibt dieser Zufall für immer unvergesslich.

» Beim Schlendern durch
ein toskanisches Städtchen
traf Uwe Mauch den Sprecher
des Oberbürgermeisters.
Im Urlaub laufe ich ständig Menschen über den Weg, die ich kenne. Zuletzt einem Kollegen und Kickkumpel im Flugzeug nach Porto. Vor dem Rückflug plauderte ich in der Warteschlange mit meiner Nachbarin und einem Journalistenkollegen. Einmal kam mir auf einer Wanderung in der Cinque Terre ein Mitschüler des Abi-Jahrgangs entgegen. Vor den Boboli-Gärten in Florenz begrüßte uns eine Familie aus Zarten, wo ich wohne. Die nachhaltigste Begegnung fand in den Pfingstferien 2009 statt. Die Familie – die Kids waren neun und elf Jahre alt – bummelte in der Mittagshitze durch Campiglia Marittima, ein schnuckliges mittelalterliche Toskanastädtchen auf einem Hügel südlich von Livorno. Auf dem Weg zur Piazza kamen auf einmal Walter Preker und seine Frau Josefine um die Ecke. Der langjährige Pressechef im Freiburger Rathaus und Sprecher des damaligen Oberbürgermeisters Dieter Salomon war genau so baff wie ich. Wir suchten das nächste Café auf, tranken Cappuccino und Cola und tauschten Urlaubstipps aus. Bei einer Gelegenheit fotografierte Walter Preker meine Tochter. Dem begeisterten Hobbyfotografen gelang ein klasse Porträt, das er mir als Abzug schenkte. Das Bild hängt seitdem an unserem Treppenaufgang. Im Juni 2016 ging Walter Preker in Ruhestand, nicht einmal ein Jahr danach starb er völlig überraschend. Sein Porträt von Kira erinnert mich an ihn jeden Tag.

In Kambodscha hat Fabian
Vögtle am gleichen Tag wie
Stadträtin und OB-Kandidatin
Monika Stein Tempel besucht
Der Tempel von Angkor Wat gehört zum Weltkulturerbe und ist einer der Touristenmagnete in Südostasien. Neben dem vor 150 Jahren wieder entdeckten Sakralbau aus dem Mittelalter gibt es drumherum noch Dutzende von Tempelanlagen. In Ta Prohm, deren mysteriöse Ruinen auch schon als Kulisse für den Film "Lara Croft: Tom Raider" mit Angelina Jolie dienten, erholt sich Monika Stein vom OB-Wahlkampf. Und wen sieht die Lehrerin und Kommunalpolitikerin dort an einem der schiefen Türme vorbeispazieren? Ausgerechnet einen Lokalreporter aus der Heimat! Doch da ich gerade im Gespräch über die Geschichte des Ortes vertieft bin, nehme ich selbst Stein gar nicht wahr. Am gleichen Ort, zur gleichen Zeit, 10 000 Kilometer entfernt von Freiburg. Erst Wochen später sehe ich auf Facebook ihre Fotos und frage bei einem Pressetermin, wie ihr denn Kambodscha so gefallen hat? Ihre Antwort: Die Tempel sind toll und ich habe Sie dort gesehen. Ach was!?

» Sebastian Wolfrum hat
den Friseur von Zuhause
am Strand getroffen

"Ja, Servus Sebastian", ist so ziemlich das Letzte, das ich am Strand von Kapstadt hören wollte. Ich fläzte gemütlich im weißen Sand, mehr als 9000 Kilometer entfernt von meiner Heimatstadt München – als keine fünf Meter neben mir jemand sein Handtuch ausbreitete. Es war Frank, der Friseur aus unserem Haus. Man muss dazu sagen, dass wir uns zwar kannten, aber nicht unbedingt Kumpels waren.

Ich fand ihn ehrlich gesagt immer etwas komisch. Er mich wahrscheinlich auch. Aber es war zu spät, so zu tun, als hätten wir uns nicht gesehen. Es folgte der obligatorische Small Talk in Badehose. Irgendwie unheimlich wurde es dann auf dem Rückflug. Da saß ich neben einem Jazzmusiker. Es stellte sich heraus, dass der Saxofonist seiner Band im selben Haus lebt wie ich. Wie ich das herausfand? Der Musiker beschrieb mir die Straße sehr genau. Das Haus sei jenes "mit dem Friseurladen unten drin". Die Welt ist ein Dorf – und in der Mitte werden Haare geschnitten.

Im Urlaub will Sophia Hesser
am liebsten unerkannt bleiben, das
klappte auf Elba nicht so richtig.
Im Urlaub will ich eigentlich niemanden von Zuhause sehen. Ich will Neues sehen, neue Leute kennenlernen. Ja, ich will auch mal ungeduscht in Schlabberklamotten am Campingplatz-Café einen Espresso trinken. Und ganz ehrlich – ich glaube, so will mich auch niemand sehen. Dennoch sollte man sich nie allzu sicher fühlen im Urlaub.

Auch wenn die Heimat weit weg ist: Es kann immer jemand in der Nähe sein, den man kennt oder der zumindest jemanden kennt, den man kennt. Was ich im Urlaub auch nicht will: Gruppen, die plötzlich den Strand überfallen, bewaffnet mit Kühlboxen, Handtüchern und Sonnenschirmen, schlimmer: Strandmuscheln, die dann dem eigenen Handtuch gefährlich nahe kommen... Als ich – in jugendlichem Alter – vor Jahren mit meinen Eltern und meinem Bruder auf Elba in Italien Urlaub machte, kam eine eben solche Gruppe gefährlich nahe. "Nee, oder? Iiiihr hier?!" – schrie einer von ihnen plötzlich. Es war eine Familie aus unserem schwäbischen Heimatdorf. Zum Glück kann man modetechnisch am Strand nicht allzu viel falsch machen.