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28. Oktober 2011 18:01 Uhr

Blätter und Lärm

Die Zeit der Laubbläser: Geht das nicht auch leiser?

Sie gehören zum Herbst wie bunte Blätter: Laubbläser – und der laute Protest dagegen. Ganz ohne geht’s nicht, sagt die Stadt Freiburg, und Hersteller loben ihre neuen Geräte. Die seien fast schon leise.

  1. Herbstproblem: Lärm oder Laub? Foto: Thomas Kunz

In diesem Jahr war die Freiburger CDU die erste an der Anti-Laublärm-Front, in einer kämpferischen Anfrage an den Oberbürgermeister unter dem Motto "Her mit dem Besen – Weg mit den Laubbläsern" fordert sie eine Reduzierung der "enormen Lärm- und Geruchsbelästigung" durch die motorbetriebenen Blasrohre.

Spätestens nach dem ersten Frost fällt Laub von den Bäumen – viel Laub: Auf öffentlichen Wiesen, für die das städtischen Garten- und Tiefbauamt zuständig ist, sammeln die Mitarbeiter jährlich 250 bis 300 Tonnen ein. Noch mehr zu kehren hat die Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF): Sie sammelte im letzten Jahr auf Straßen und Wegen 550 Tonnen Blätter.

"Diese Unmengen alleine mit Rechen und damit von Hand wegzubekommen, ist leider nicht möglich", sagt Stadtsprecherin Martina Schickle. Das Gartenamt setzt 28 klassische Laubbläser ein, dazu kommen elf fahrbare Geräte ähnlich einer Schubkarre, die das Laub auf größeren Rasenflächen zusammenblasen. Die Mitarbeiter seien angewiesen, "die Maschinen nur dort einzusetzen, wo es auch Sinn macht". Dafür wurde eigens ein Plan ausgearbeitet.

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Erleichterung rund ums Auto

"Wir verwenden die Laubbläser dort, wo wir nicht mit Kehrmaschinen fahren können", sagt Michael Broglin, Geschäftsführer der ASF. Das sind vor allem die mit Rheinkieseln gepflasterten Gehwege in der Innenstadt: Deren Fugen würden durch Kehrmaschinen zerstört. Dort sind die Laubbläser das ganze Jahr über im Einsatz, um Straßenschmutz zu entfernen. Zur Großoffensive aber blasen auch die Geräte der ASF erst im Herbst: Insgesamt 13 sind im Einsatz, drei besonders leise Exemplare vor allem in der Innenstadt.

Vor allem rund um parkende Autos seien die tragbaren Viertaktermotoren eine große Erleichterung, um das Laub zu Haufen zusammenzupusten, sagt Broglin: "Mit dem Besen würden wir da nie fertig." Die Blätterberge werden anschließend von Kehrmaschinen aufgesaugt. Gerade bei Regen muss das Laub entfernt werden, weil die Gehwege sonst schnell glatt werden. Das Lärmproblem sei der Stadtreinigung bewusst, sagt Broglin: "Wir sind ständig auf der Suche nach besseren Geräten, die neuen sind schon wesentlich leiser" – vor allem verglichen mit alten Zweitaktern. Außerdem seien die ASF-Laubbläser so eingestellt, dass sie kontinuierlich mit gleicher Leistung laufen – und nicht noch manuell hochgejagt werden können.

Kampf gegen Laub und Lärm

Vorsichtig merkt der ASF-Chef auch an, dass private Firmen oder Grundbesitzer oft ältere Geräte benutzen. Laubbläser unterliegen der "Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung": In Wohngebieten darf werktags von 9 bis 13 und 15 bis 17 Uhr laubgeblasen werden. Sollte ein Gerät das EU-Umweltzeichen tragen, wäre sogar ein pausenloser Einsatz zwischen 7 und 20 Uhr möglich. Die Hersteller der Lärmquellen verweisen auf den technischen Fortschritt: Die "Geräuschentwicklung" der modernen Geräte sei "hörbar reduziert", heißt es bei Honda. Und Petra Möck, Pressesprecherin von Stihl, empfiehlt ein neues "geräuschoptimiertes Blasgerät" ihrer Firma, dessen Lärm im Vergleich zum Vorgänger um 59 Prozent reduziert sei. Auch kleine Geräte mit Elektromotoren hat Stihl dieses Jahr auf den Markt gebracht.

Darauf hofft auch ASF-Chef Broglin im Kampf gegen Laub und Lärm: "Wir haben schon Versuche mit akkubetriebenen Geräten gemacht", sagt er. Das Problem: Die Akkus sind nicht nur teuer – sie halten im vollen Einsatz auch nur 15 Minuten durch. "Etwas länger", findet Broglin, "sollten meine Leute schon arbeiten."

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Autor: Thomas Goebel