OB-Wahl 2018

Der Fotograf des Wahlsiegers

Gina Kutkat

Von Gina Kutkat

Do, 17. Mai 2018

Menschen (fudder)

Fionn Große war Teil des Wahlkampfteams von Martin Horn.

FREIBURG. Es gibt starke Bilder von Martin Horn im OB-Wahlkampf, die in der heißen Phase täglich bei Facebook und Instagram gepostet wurden. Sie hatten alle denselben Zweck: Den neuen Freiburger Oberbürgermeister nahbar, natürlich und authentisch zu zeigen. Dafür hat der Freiburger Fotograf Fionn Große gesorgt.

Wenn er ein Foto schießt, merken die Fotografierten meist nichts. Die Sohlen seiner Turnschuhe sind leise, seine Kamera macht keine Geräusche. "Ich bin immer dabei, aber zurückhaltend", sagt Fionn Große. Nicht auffallen ist für den Freiburger Fotografen wichtig. Mit dieser Strategie hat der 28-Jährige den Wahlkampf von Martin Horn fotografiert – und vielleicht zu dessen Wahlsieg beigetragen.

Wie ein Schatten begleitete Große Martin Horn, den die Freiburgerinnen und Freiburger am 6. Mai zum neuen Oberbürgermeister wählten. Bei Podiumsdiskussionen genauso wie bei der Wahlparty im Friedrichsbau. Von jeder Aktion gibt es ein Foto auf Facebook oder ein Video bei Instagram – in Hochglanzoptik. Es gab eine Social-Media-Strategie, die von einem kleinen Team umgesetzt wurde – das Budget lag bei unter 1000 Euro. Fionn Große war für das Posten zuständig, die Strategie hat die Freiburger Social-Media-Beraterin Katja Heinrich beigesteuert. Es handelt sich um durchkomponierte Bilder, die einen bestimmten Zweck erfüllen: Martin Horn so vorteilhaft und bürgernah wie möglich zu zeigen.

"Ohne Social Media hätten wir den Wahlkampf nicht gewonnen", sagt Fionn Große. Zwei Wochen nach dem Wahlsieg von Horn ist er stolz auf das Geleistete. In der heißen Phase war er jeden Tag mit dem Wahlkampfteam unterwegs – und das, wie er sagt, komplett ehrenamtlich. 80 Prozent des Pensums von Martin Horn habe er mitgemacht. Sein Antrieb sei sein Idealismus: Große, Mitglied der SPD, möchte an der Gesellschaft etwas verändern. Dafür stellt er sein Handwerk zur Verfügung.

Social-Media-Beiträge planen, E-Mails beantworten, Termine vorbereiten: Ein typischer Wahlkampftag dauerte für Fionn Große und das Team von halb neun Uhr morgens bis 1 Uhr nachts.

Bis zu 1500 Fotos pro Tag

Pro Tag musste er 700 bis 1500 Bilder durchsehen und bearbeiten. Dazu kamen Videos und Instagram-Live-Formate. Diese sollen den Zuschauern den Eindruck vermitteln, dem Kandidaten nah zu sein. Besonders Instagramstories haben einen Live-Charakter. Auch andere Politiker nutzen die sozialen Medien und zeigen dort Bilder mit einer bestimmten Optik, die das Gefühl von Authentizität erzeugen sollen. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz oder der österreichische Kanzler Sebastian Kurz zum Beispiel. Martin Horn hat auf seinem Instagram-Profil bisher 88 Beiträge veröffentlicht, etwa 1600 Nutzer folgen ihm. Die Bilder zeigen Horn, der für den SC jubelt, im Wald joggt, mit seiner Familie den Stühlinger Flohmarkt besucht. Ein gestelltes Bild, das auch bei Facebook zu finden ist – es erreichte etwa 12 000 Menschen. "Wenn man heute einen Wahlkampf gewinnen will, muss man Social Media 100 Prozent ernst nehmen." Fionn Große ist sicher: Hätte Dieter Salomon Instagram und Facebook nicht vernachlässigt, wäre es für Martin Horn knapp geworden.

"Nichts auf diesem Bild ist Zufall", sagt er über ein Bild, das Martin Horn und Günter Rausch – den OB-Kandidaten von 2010 – auf der Kundgebung zum 1. Mai zeigt. Dass die blaue Brücke zu erkennen ist, die Protagonisten im Vordergrund stehen und die Türme der Herz-Jesu-Kirche herausragen, ist beabsichtigt. Auch, dass Horn zuhört und Rausch redet. "Die Bilder sollen nicht den Eindruck erwecken, dass Martin Horn von extern kommt und die Welt erklärt." Der Fotograf legt Wert darauf, dass seine Bilder Geschichten erzählen. Nur Notwendiges soll zu sehen sein: "Ich versuche, Bilder aufzuräumen."

Seit 2006 arbeitet Große als Reportagefotograf, er ist Autodidakt. Er studiert außerdem Betriebswirtschaftslehre an der Uni Freiburg. Weil er in einem Homepagekurs Bilder brauchte, fing er an, zu fotografieren. Die erste Kamera kaufte er bei Aldi für 40 Euro, die zweite gab’s für 160. Mit ihr hat er die ersten Hochzeiten fotografiert. Heute kosten seine Kameras mehrere tausend Euro. Im Wahlkampf hat er sich auf eine einzige beschränkt. Die Bildbearbeitung ist bei ihm essentiell. "Außer bei Farbe, Helligkeit und Ausschnitt mache ich aber nichts."

Dass auf dem Foto, das Martin Horn nach dem ersten Wahlgang bei seiner Ankunft im E-Werk zeigt, ein Fuß abgeschnitten ist, ärgert ihn. "Ich kann das Bild nicht so genießen." Große kam gerade aus der Innenstadt, als er sah, dass die Unterstützer Spalier standen. "Ich bin sofort losgestürmt, um ein Foto zu kriegen." Weil der Moment wichtig war, verzichtete er auf seinen Anspruch und postete das Foto. Den Nutzern war der technische Fehler egal: Der Beitrag erhielt mehr als 600 Likes.

Die Kamera hat Große stets griffbereit, zu seiner Wahlkampfausrüstung gehören neben der Digitalkamera drei Objektive sowie Smartphone, Powerbank, Ersatzakkus und Mikro. "Damit ich jederzeit voll einsatzfähig bin." Trotzdem hat er den aufregendsten Moment der Wahl verpasst: Als ein Mann Martin Horn auf der Wahlparty im Friedrichsbau ins Gesicht schlägt und die Nase bricht. "Da war ich gerade ein alkoholfreies Bier holen. Das war schlimm."

Mehr Bilder unter: fudr.fr/fionngrosse