Digitaler Wandel im Lesesaal

Dorothee Soboll

Von Dorothee Soboll

Sa, 22. Oktober 2016

Lörrach

Die Lörracher Stadtbibliothek beteiligt sich an der Aktionswoche "Netzwerk Bibliothek" / Die elektronischen Angebote werden immer beliebter.

LÖRRACH. In Bibliotheken stehen Bücher. Viele Bücher. Aber die Inhalte stehen längst nicht mehr nur auf dem Papier. E-Reader haben Konjunktur, auch Zeitschriften, Zeitungen und Spiele gibt es digital. Um den veränderten Nutzungsgewohnheiten Rechnung zu tragen, hat der Deutsche Bibliothekenverband die Kampagne "Netzwerk Bibliothe

k" ins Leben gerufen. Teil davon ist eine bundesweite Aktionswoche vom 24. bis 29. Oktober, an der sich die Lörracher Stadtbibliothek beteiligt.

Die Aktionswoche
Bibliotheken neu denken – das will der Verband mit seit 2014 seiner dreijährigen Kampagne. "Medien können den Bürger mündig machen. Das geht aber nur, wenn die Menschen damit umgehen können", sagt Sabine Dietrich. Sie leitet die Stadtbibliothek in Lörrach und hat sich verschiedene Veranstaltungen für die Aktionswoche ausgedacht. Am Mittwoch, 26. Oktober, stellt André Wilkens sein Buch "Analog ist das neue Bio" vor. Er will erklären, wie die Innovationen das Leben verändern. Einen Tag später gibt Tilo Levante von Freifunk Dreiländereck ein Überblick zum Thema "Brennpunkt Datenschutz" und verrät Tipps, wie Nutzer die eigene Privatsphäre im Internet bewahren könen. "Uns ist es wichtig, für dieses Thema zu sensibilisieren", so Dietrich.

Der Umgang der Stadtbibliothek
Wie die Mitarbeiter der Bibliothek zu der Diskussion um Datenschutz stehen, zeigt ein Blick auf die Internet-Arbeitsplätze. "Wir bieten künftig nicht mehr Google als Standardsuchmaschine an, sondern Startpage", erklärt Dietrich. Bekannter als die neue Startseite ist den Nutzern die Onleihe Dreiländereck. Schon seit drei Jahren gibt es das Angebot, das beständig wächst – und nicht nur bei jungen Menschen gut ankommt. "Gerade die über 50-Jährigen nutzen die Onleihe gut", sagt Dietrich. "Bei uns sitzt immer eine Dame mit ihrem E-Reader. Das ist ein schönes Bild, wie sie umringt von gedruckten Büchern im Sessel sitzt und liest." Trotzdem mache das digitale Angebot 3,5 Prozent der gesamten Ausleihzahlen aus. Nicht alle Bücher, die es gedruckt gibt, sind auch digital verfügbar. "Das liegt an Lizenzen, die die Verlage vergeben", erklärt Dietrich. Sie sieht an dieser Stelle die Verbände in der Pflicht und kann sich auch vorstellen, dass Schulen in Bibliotheken investieren. Ab November will die Stadtbibliothek eine neue Art der Klassenführung ausprobieren. Mit einer digitalen Schnitzeljagd sollen die Schüler die Bibliothek kennenlernen. Dazu will Dietrich die App "Actionbound" einsetzen. "Wir sind sehr gespannt, wie das Format bei den Kindern und Jugendlichen ankommt." Auch über das Mobiliar denkt die Leiterin der Stadtbibliothek nach. "Momentan haben wir feste Tische, dabei wäre mobiles Mobiliar zeitgemäßer", sagt sie. Die Menschen würden heutzutage eher Laptops nutzen als fest installierte Computer. Das seien Veränderungen, auf die man sich einstellen müsse.