Dinner for One

Lindenbrunnenhof in Forchheim baut bis zu 36 Kartoffelsorten an

Christian Hodeige

Von Christian Hodeige

Mo, 29. Oktober 2012 um 13:04 Uhr

Dinner for one

Von Annabelle bis Papa Negra: Otmar und Christa Binder vom Lindenbrunnenhof festigen den Ruf Forchheims als Südbadens Hochburg für Kartoffeln. Sie kultivieren bis zu 36 Sorten.

Am nördlichen Ausläufer des Kaiserstuhls liegend, hat sich Forchheim längst den Ruf der Kartoffelhochburg Südbadens erwirtschaftet. Das liegt nicht nur an den innovativ-umtriebigen Landwirten, sondern am Boden. Der Schwemmlandboden vom Rhein vermischte sich hier mit Vulkanverwitterungsgestein vom Kaiserstuhl und mit Ablagerungen des Saharastaubs. So entstanden leichte Lößböden bis mittelschwere Löß-Lehmböden mit einer ausgezeichneten Wasserführung. Bei langen Regenzeiten entsteht keine Staunässe und bei Trockenheit wird Feuchtigkeit gut gespeichert – ideale Voraussetzungen für Kartoffelanbau mit frühen bis späten Ernten im Jahr.

Auf dem Lindenbrunnenhof in Forchheim, der bis Ende 2013 als Bioland-Betrieb zertifiziert sein wird, bauen Christa und Otmar Binder bis zu 36 verschiedene Kartoffeln an, davon bezeichnen sie 15 Sorten als Exoten. "Einen Forchheimer Landwirt ohne Kartoffeln gibt es nicht", freut sich Otmar Binder. "Die Vielfalt kam mit der Nachfrage. Wir vermarkten unsere Produkte ja direkt auf unserem Stand auf dem Stühlinger Wochenmarkt in Freiburg, jeden Mittwoch und Samstag, dem Hinterzartener Bauernmarkt am Freitag und direkt an die Gastronomie." Neben den Kartoffeln ist über die Jahre auch ein reichhaltiges Obst- und Gemüseangebot entstanden, das schon immer nach ökologischen Richtlinien angebaut wurde. "Wir haben immer gerne experimentiert, neues Saatgut ausprobiert, wir haben auch oft Saatgut von Reisen mitgebracht und wir sind heute glücklich, dass der Stellenwert der Kartoffel, als gesundes, fit machendes Gemüse, wieder so gewachsen ist", sagt Christa Binder. Bis heute verkaufen rund 20 Vollerwerbslandwirte aus Forchheim ihre Kartoffeln im Umkreis von 100 Kilometern.

AUF DEM FELD

Für die Binders sind gentechnikfreies Saatgut, der Verzicht auf Saatgutbeizung, die rein organische Düngung, die natürliche Schädlingsbekämpfung, eine mechanische Unkrautbeseitigung und der Einsatz von "effektiven Mikroorganismen" zur Bodenverbesserung die Voraussetzungen für eine ökologisch verantwortungsbewusste Landwirtschaft. Effektive Mikroorganismen sind Bakterien, die durch Fermentation etwa von Zuckerrohrmelasse und Wasser entstehen und auf dem Acker ausgebracht werden. Damit wird der Boden regeneriert, man bringt ihn immer wieder ins Gleichgewicht. "Dafür muss man ein Händchen haben, dass kann man nicht richtig messen", schmunzelt Binder, der auch immer wieder alte Sorten neu entdeckt und viel Neues anbaut. Für manches braucht es mehrere Anläufe, bis die Resultate den Erwartungen entsprechen.

KARTOFFELSORTEN

Man unterscheidet zwischen festkochenden, vorwiegend festkochenden und mehligen Sorten sowie zwischen frühen, Sommer- und Herbst- oder Lagersorten. Mit den Frühkartoffeln wie der "Berber", die gekocht und mit Schale in Butter geschwenkt und zu Spargel serviert werden, oder der "Ingrid", die sich sehr gut als Pellkartoffel eignet, startet die Saison. Im Sommer folgen die beliebte "Annabelle", die zwischenzeitlich verschwundene "Sieglinde" für den badischen Kartoffelsalat sowie "Augusta" oder "Christa" für Kartoffelsuppe. Im Herbst gibt es "Linda" und "Ditta" für Kartoffelsalat und "Belana" für Gratin sowie "Freya" oder "Agria" für Kartoffelbrei und -puffer, -suppe oder -soufflé. Dann müssen noch Spezialitäten wie "Bamberger Hörnle", "La Ratte", "Laura" oder die schnell wachsende bolivianische "Papa Creolia" erwähnt werden, ebenso die blaue bis schwarze "Blaue Elise", die Trüffelkartoffel "Vitelotte" oder die kanarische "Papa Negra". Kartoffelsalat, -knödel oder Ofenkartoffeln aus blauen, gelben und roten Kartoffeln sind ein optischer wie geschmacklicher Hochgenuss.

REZEPT FÜR KARTOFFELPRALINEN

Für ihre Kartoffelpraline nimmt Christa Binder 200 Gramm gekochte mehlige Kartoffeln, die durch ein Sieb gedrückt werden, und 180 Gramm Schokolade, in 20 Gramm Palmin geschmolzen. Das wird gut durchgemischt. Karamellisierte Haselnüsse oder Walnüsse in eine Pralinenform gegeben und die Masse darauf spritzen, verzieren und erkalten lassen.

WAS ES SONST NOCH GIBT

Auf den Märkten und im Hofladen – freitags von 10 bis 12 Uhr und 17 bis 19 Uhr und dienstags von 10 bis 12 Uhr – verkaufen Binders auch Obst und Gemüse wie verschiedenfarbige Karotten, bis zu zwölf verschiedene Rübensorten, Spinat, mehr als zwanzig Tomatensorten, Artischocken, Auberginen, Christophinen, dreifarbigen Mangold, Kräuter, über zwölf Sorten Blattsalate, Bohnen und natürlich verschiedene Kohlsorten. Daneben sind über zehn Apfelsorten im Angebot und verschiedene Birnen sowie Erd- und Johannisbeeren, aber auch Kiwi und Gojibeeren. Steinobst wie Aprikosen, Nektarinen, Pfirsich, Pflaumen, Zwetschgen und Reineclauden runden das Angebot ab, das natürlich nur saisonal verfügbar ist.

Die Binders sind mit Leib und Seele in ihrem landwirtschaftlichen Beruf, der für sie zur Berufung geworden ist. So viel Produktwissen ist in den letzten Jahren verlorengegangen, es macht Spaß zu erleben, wie es vielerorts wieder zurück kommt. Guten Appetit!
»Lindenbrunnenhof, Christa und Otmar Binder,
Lindenbrunnenweg 19, 79362 Forchheim,
Tel. 07642/3651, http://www.lindenbrunnenhof.de