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27. August 2009

Absturz bleibt lange verborgen

Bei einem Schulungsflug über dem Donaueschinger Flugplatz vollzog ein Hubschrauber bereits im Februar eine Bruchlandung

  1. Teurer Vogel mit gebrochenen Flügeln und das Gebiet der unsanften Landung im Februar, die bis heute der Öffentlichkeit verborgen blieb: Donaueschingens Flugplatz mit dem havarierten Robinson R 22 Beta Foto: Plessing/BFU

  2. Foto: Plessing/BFU

DONAUESCHINGEN (los). In Oberschwaben, im württembergischen Ellwangen und in Bremgarten – eine Serie von Flugzeugabstürzen schärfte am Wochenende das öffentliche Bewusstsein für die Gefahren des fliegenden Verkehrs. Doch auch der Donaueschinger Flugplatz war am 7. Februar Schauplatz eines Hubschrauberabsturzes, bei dem ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstand und von dem die breite Öffentlichkeit bis heute nichts erfuhr.

Mit knapp 30 000 Flugbewegungen pro Jahr wird Donaueschingens Flugplatztower viel stärker umschwärmt, als es vielen Bürgern der Region bewusst ist. Geschäftsflieger aus ganz Südbaden nutzen den Provinzflugplatz, dessen Geschäftsführer Michael Schlereth gerade besonders ambitioniert mit der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens beschäftigt ist. Aber auch Freizeitflieger tummeln sich dort. Und seit 15 Jahren residiert am Flugplatz die Flugschule HTC. Unter der Regie des 48-jährigen Inhabers Kai Naujokat und seines Geschäftsführers Roland Funke absolvieren jährlich zwischen 30 und 50 Schüler in dem Helicopter-Trainings-Center ihre Ausbildung, steigen mit vier Maschinen zu rund 800 Übungsflügen auf.

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Eine dieser Lektionen endete an einem Wintersamstag dieses Jahres mit einer fatalen Havarie. Ein 35-jähriger Fluglehrer-Anwärter aus der Schweiz saß mit dem HTC-Chef in der gläsernen Kuppel eines zweisitzigen Hubschraubers vom Typ Robinson R 22. Die Aufgabe: Der Schüler sollte Praxis mit der Notfallsituation des ausfallenden Triebwerks gewinnen. In rund 300 Metern Höhe wird dafür die sogenannte Autorotation eingeleitet, ein kontrolliertes Sink- und Landemanöver, bei dem die Rotoren ohne den Motor drehen und den 600 Kilogramm schweren Hubschrauber relativ sanft zu Boden schweben lassen.

Doch so kam es nicht bei diesem Manöver um 11.32 Uhr am 7. Februar. Wegen eines Bedienungsfehlers, den auch der Fluglehrer nicht mehr rechtzeitig korrigieren konnte, sackte der Heli jäh auf die mit Neuschnee bedeckte Wiese südlich der Rollbahn, ein eingezäuntes Flugplatzgelände. In Nose-up-Lage rutschte die Maschine 40 Meter weit und kam dann auf der linken Seite liegend zum Stillstand.

Totalschaden von rund 300 000 Euro an dem vollkasko-versichterten Schulungshelikopter entstand. Ein wenige Stunden später aus Braunschweig eintreffender Sachverständiger der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung bilanzierte "zur Sichel verbogene" Rotorblätter, zahlreiche Brüche an Rahmen und Gestänge und allerhand andere Blessuren.

Doch weder der Flugschüler, noch sein erfahrener Lehrer hatten sich Verletzungen zugezogen, kletterten aus dem Wrack – und teilten eine Erfahrung, die auch in Fliegerkreisen nicht alltäglich ist. Der Schweizer Schulabsolvent hat seine Fluglizenz später bekommen. Auf HTC-Chef Naujokat wartete eine Menge bürokratische Aufräumarbeit.

Weshalb die Havarie vor der Baaremer Öffentlichkeit verborgen blieb, obwohl Luftfahrunfälle doch gewöhnlich markante Wellen schlagen und in der Region ohnehin eine natürliche Sensibilität für den Flugbetrieb herrscht, erklärte der Geschäftsführer der Flugplatz-GmbH und Tower-Chef Michael Schlereth. Da keine Menschen zu Schaden gekommen seien und der Unfall auch keine technischen Ursachen hatte, die hätten offiziell publiziert werden müssen, sei der Unfall nur intern bearbeitet worden. Erst viel später war der Vorgang öffentlich einsehbar auf der Homepage der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung, die regelmäßig die Untersuchungsberichte ins Internet stellt.

Deutlich machten Schlereth und der Geschäftsführer der HTC-GmbH, Roland Funke, am Mittwoch auch, dass von den Trainingsflügen, bei denen Notfallsituationen wie der Einsatz der Autorotation geübt werde, keinerlei Gefahr für die Öffentlichkeit ausgehe. Ausschließlich auf dem eingezäunten Flugplatzgelände würden diese vorgenommen. Bei der Bruchlandung am 7. Februar handele es sich auch um den bislang einzigen Unfall seit Gründung der Flugschule vor eineinhalb Jahrzehnten.

Autor: bz