Welt der Glasmacher wiederbelebt

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Von skk

Do, 04. Januar 2018

Donaueschingen

Hubert Mauz schreibt Stück für die Jostäler Freilichtspiele / Der Heimatforscher ist vom Glasmacherfieber gepackt.

WOLTERDINGEN/TITISEE-NEUSTADT (mh). In die geheimnisvolle Welt der Glasmacher entführt das neue Freilichttheaterstück der Jostäler Freilichtspiele "Der Glasvogt Melchior", das im Juli und August bei der Öhlermühle in Titisee-Neustadt/Schildwende aufgeführt wird. Das Buch dazu hat der Wolterdinger Hobby-Heimatforscher Hubert Mauz geschrieben.

Der Bauingenieur im Ruhestand ist in der Region auch durch seine Mundart-Gedichte und Heimatgeschichten bekannt. Als er beim Bau seines Hauses in Wolterdingen auf unzählige Glasstücke und Scherben stieß, wurde er buchstäblich vom Glasmacherfieber gepackt. Denn bei den Glasscherben und Bruchstücken handelte es sich um Ausschussware der ehemaligen Glashütte bei Wolterdingen. Er wollte mehr über die heimischen Glasmacher wissen und begab sich auf Spurensuche. Eine führte ihn auf den Steinberg bei der Fernhöhe. Im Zauberwald des Buntsandsteinhügels entdeckte er den wichtigsten Rohstoff für die Glasmacherei, die "Gaggele", so nennt man die kleinen weißen Quarzkiesel.

Vom 1141 Meter hohen Steinberg auf der Fernhöhe hat man zwar eine wunderschöne Aussicht, aber die wenigsten kennen den geheimnisvollen Berg in der Nähe des Windrades an der B 500. Dies war nicht immer so, denn für die Glasmacher der Glashütte St. Märgen-Glashütte war der Berg eine wahre Schatzkammer. Und diese war mit leuchtend-weißen Quarzsteinen gefüllt. Die dort vorkommenden Quarzkiesel sind von besonderer Reinheit und zudem ohne große Mühe zu finden, weiß der Wolterdinger Heimat- und Mundartdichter Hubert Mauz.

Die Geschichte der Freilichtspiele über den legendären Glasvogt spielt rund um den Weiler Glashütte bei St. Märgen. Von dort zogen Frauen und Kinder mit ihren Tragebutten zum Steinberg und sammelten Quarzkies ein. Die Quarzsteine konnte man anfangs aus dem Ferndobelbach herauslesen. Denn diese wurden seit Jahrtausenden von der Steinberg-Kuppe ins Tal geschwemmt. Erst nachdem der Bach abgeerntet war, wurden Saumpfade angelegt, um die Quarze vom Steinberg zur Glashütte zu transportieren.

Hubert Mauz ist überzeugt, dass der Steinberg einst 20 bis 30 Meter höher war, denn dort gab es nicht nur Quarze, sondern auch Buntsandstein. Dieser wurde unter anderem zum Kirchenbau in St. Peter, Waldau sowie fürs Neustädter Münster verwendet. In dem besagten Buntsandstein stecken die Gaggele, die man am Steinberg, der als geologische Rarität gilt, auch heute noch findet. Eingebettet in Sandsteinblöcken oder einfach auf dem Wege liegend, sind die Quarze Zeugen des Urmeeres, das den Schwarzwald vor Millionen von Jahren bedeckte. Der Heimatforscher weiß vieles vom Leben der Glasmacher, die für das Kloster St. Peter bereits um 1400 in der oberen Wildgutach, im Knobelwald, in der Hinterstraß und dem späteren Zinken Glashütte ihrem Handwerk nachgingen.

Von 1683 bis 1727 sind erneut Glaser in das Gebiet gekommen, dies war jedoch nicht gerne gesehen. Es gab ein ungeschriebenes Gesetz, wonach man am gleichen Standort nicht ein zweites Mal eine Glashütte betreiben sollte, selbst wenn der Wald nach 100 bis 150 Jahren wieder nachgewachsen war.

Nach 25 Jahren ist der Wald abgerodet

Und Holz brauchten die Glasbläser in großen Mengen, das meiste davon zum Pottaschesieden. Die Pottasche wurde benötigt, um den Schmelzpunkt des Quarzgesteins zu senken. Beim ziemlich reinen Quarzkies vom Steinberg dürfte der Pottaschebedarf deutlich geringer gewesen sein, da nur eine geringe Menge an Buntsandstein mitgeschmolzen werden musste. Eine Glashütte wurde meist nur 25 Jahre betrieben, dann war der Wald ringsum abgeholzt.

Das damalige vorderösterreichische Gebiet Knobelwald/Ferndobel hatte durch die steilen Hänge eine größere Grundfläche und dies war auch ein Grund dafür, dass die Hütte bei St. Märgen 43 Jahre lang betrieben werden konnte. Dann erfolgte der Umzug der Glasmacher nach Wolterdingen und damit endet auch das Theaterstück um den Glasmeister und seine Sippe. Die Glashüttengesellschaften waren enge Familienverbände und angesehene und geachtete Kunstgewerbler.

Allerdings waren sie wegen ihrer alchemistischen Kunst der Kirche unheimlich. Glas galt als teuflisch, daher gibt es auch keine Glaskelche in der Liturgie. Um den Steinberg ranken sich auch verschiedene Sagen. Besonders der Geldstein war den Schatzsuchern nicht geheuer. Die Sage sagt: "Wer sich den Schatz holt, wird vom Blitz erschlagen." Der Schatz soll also weiterhin im Berg ruhen. Die größten Schätze sind für Mauz jedoch die Gaggele, die im Winter vom Frost aus dem Sandstein gesprengt werden und als Jahrmillionen alte Relikte an das einstige Urmeer erinnern.

Hubert Mauz hat mit dem "Glasvogt Melchior" sein erstes Theaterstück geschrieben. Das Stück wird am 20./ 21., 22. Juli sowie 4., 5., 11. und 12. August bei der Öhlermühle in der Schildwende im Jostal aufgeführt. Damit sich die Schauspieler mit ihren Rollen identifizieren können, unternehmen sie gelegentliche Zeitreisen mit dem Autor. Im Herbst besuchte die Gruppe bereits den geheimnisvollen Steinberg an der Fernhöhe, der Fund- und Gewinnungsort für den Glasrohstoff Quarzkiesel. Um auch ein Gefühl für die damalige Glaskunst in der Glashütte im Ferndobel zu bekommen, wurde zur weiteren Inspiration die Dorotheen-Glashütte in Wolfach besucht, die heute noch betrieben wird. In Vorbereitung ist zudem der Besuch eines naturgetreuen Kohlplatzes, denn ohne die Köhler und Pottaschebrenner- und Sieder war die Glasmacherei nicht möglich.