Ein Jahreskonzert, das Appetit auf mehr macht

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Mi, 29. November 2017

Ebringen

Musikverein Ebringen bindet Publikum aktiv mit ein.

EBRINGEN. Sein Versprechen, einen abwechslungsreichen Abend zu bieten, löste der Musikverein Ebringen in vollem Umfang ein. "Urzeiten – Urgeschichte" hieß das Motto seines Jahreskonzerts in der Schönberghalle, bei dem Dirigent Roman Viehöver zusammen mit seinem motivierten Ensemble alle Register zog.

Und auch der Nachwuchs konnte sich hören lassen. Das mitgliederstarke Jugendorchester Schallstadt-Wolfenweiler/Ebringen zeigte sich von seiner besten Seite und begeisterte, angeleitet von Dirk Hauser, mit einer bunten Melodienfolge aus Rock, Pop, Swing und mit einem Abba-Medley den Saal.

In seiner Begrüßungsrede betonte der für die Abteilung Musik des MV Ebringen zuständige Martin Beutenmüller, wie wichtig die Jugend für den Verein insgesamt ist, und machte darauf aufmerksam, dass der Bezirksjugendtag 2018 in Ebringen stattfinden wird. Außerdem appellierte er an die Zuhörer, sich als Mitglieder in der Vereins- und Jugendarbeit zu engagieren, unter anderem, um den von der Gemeinde erhofften Zuschuss für die Vereinsarbeit zu erhalten.

Als Thema des Abends hatten sich die Ebringer für eine Zeit entschieden, in der sich die Welt zu dem entwickelte, was sie heute ist: die Ur- und Frühgeschichte. Und dabei ging es, nach einem schwungvollen Konzertmarsch namens "Entrada eroica", durchaus auch um die nähere Umgebung, etwa in der Komposition des Österreichers Otto M. Schwarz, der mit seiner symphonischen Dichtung "Terra vulcanica" die Geburtsstunde seiner Heimat, der heutigen Steiermark, beschreibt.

Um dieses dramatische Geschehen einprägsam in Szene zu setzen, hatte man sich dafür entschieden, den MV um zwölf Mitspieler zu einem Projektorchester zu erweitern, weshalb sich nicht weniger als 53 Musiker zu einem voluminösen Klangkörper vereinten. Sympathischerweise waren sie allesamt mit ihren Instrumenten im Programmflyer aufgeführt, so dass sich der Zuhörer ein genaues Bild von den einzelnen Registern machen konnte. Die Vergrößerung des Ensembles kam auch allen weiteren Stücken zugute.

Dirigent Roman Viehöver ging mit sichtlichem Vergnügen ans Werk, um all das umzusetzen, was man in vielen Proben erarbeitet hatte. Mit "Schmelzende Riesen" wurde sogar ein aktuelles Thema aufgegriffen: die Erderwärmung und ihr Einfluss auf die Hochgebirgsgletscher. Die Moderation wusste zu berichten, wie die Entstehung dieses Werks auf den "5. Österreichischen Jugend-Blasorchester-Wettbewerb" im Oktober 2011 zurückging und als Auftragsarbeit an den Komponisten Armin Kofler vergeben worden war. Er beschäftigte sich darin mit dem Rückzug der alpinen Gletscher infolge des Klimawandels. In drei Teilen wird zunächst der ursprüngliche Zustand der majestätischen Berge beschrieben, gefolgt von einer unbeschwerten Schlittenhundefahrt, um dann jäh in einer Art Klagelied die Entwicklung zum Schlechteren hörbar zu machen.

Sehr weit zurück, nämlich in die Urgeschichte, als der einst in der südlichen Hemisphäre existierende Großkontinent auseinanderbrach und allmählich zu den Erdteilen Afrika und Südamerika wurde, ging "At the break of Gondwana". Benjamin Yeo aus Singapur hat dieses Geschehen in Töne umgesetzt und dabei nicht an Wechseln in Lautstärke und Rhythmus gespart. Sogar menschliche Stimmen werden da laut, eine Herausforderung, welcher der MV souverän gerecht wurde.

Ein munterer Konzertmarsch des Japaners Hayato Hirose zu Ehren der Feuerwehr seiner Heimatgemeinde eröffnete die zweite Runde nach Pause und Losverkauf, bevor das Publikum zum Mitwirken aufgefordert wurde: Unter dem Motto "TV Kultabend" galt es, die Sendungen zu den vom MV originalgetreu angespielten Titelmelodien zu erraten, und das gleich neunmal.

Die Gäste stellten sich mit größtem Vergnügen dieser Aufgabe; vor lauter Spannung wurde diesmal sogar der Applaus vergessen. Umso stürmischer fiel der dann aus als Belohnung für das Medley aus den größten Hits der legendären Band "Queen" und ihres unvergesslichen Protagonisten Freddie Mercury. Von da war es nicht mehr weit zu den Glanznummern der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, die wohl bei den meisten Konzertbesuchern viele Erinnerungen weckten.

Dirigent Roman Viehöver, im Hauptberuf Bassposaunist am Freiburger Theater, war von dessen Orchesterwart Georg Kiefer, der beim MV die Tuba spielt, gefragt worden, ob er sich nicht um die Dirigentenstelle in Ebringen bewerben wolle. Nun lieferte er – nach einem Doppelkonzert mit der Stadtmusik Staufen im vergangenen Jahr – sein erstes eigenes Jahreskonzert ab, das Appetit auf mehr macht.

Ehrungen: 40 Jahre: Georg Kiefer, Annette Schweizer und Kerstin Zimmermann; 50 Jahre: Gerold Franz und Wolfgang Zähringer.