Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

22. Januar 2010

Skulpturen aus Papier

Eine Ausstellung im Winzerhof Ebringen zeigt Werke des Bildhauers Wilhelm Morat

  1. Wilhelm Morat zeigt seine Werke aus selbst geschöpftem Papier im Ebringer Winzerhof. Foto: Silvia Faller

EBRINGEN. Wieder einmal hat Hans Benesch Interessantes und Sehenswertes nach Ebringen gebracht. Jetzt eröffnete die Winzergenossenschaft Ebringen, die sich neuerdings Winzerhof nennt, die 61. Kunstausstellung in ihren Verkaufsräumen. Die Kreativen, die ihre Werke an diesem Ort zeigen, kommen überwiegend aus der Region. Initiator und Kurator ist Hans Benesch aus Ebringen, der selbst frei schaffend ist und in seinem Haus an der Schönbergstraße dem Badischen Kunstforum Raum gegeben hat.

Im Winzerhof aber sind nun sechs Wochen lang Skulpturen des Bildhauers Wilhelm Morat aus Titisee-Neustadt zu sehen oder besser gesagt zu bestaunen. Denn der 55-Jährige zeigt etwas ganz Besonderes. Seine Skulpturen sind aus Papier, sind aber alles andere als filigran, wie man es bei dieser Kurzbeschreibung vermuten würde.

Morat stellt das Papier selbst her, aus Pflanzenfasern. Er schöpft aus dem Faserbrei Bögen im immer gleichen Format, wie er im Gespräch mit Hans Benesch erläutert, verlegt Metalldrähte darin und speist Farbpigmente ein, so dass mit jedem Stück ein neues, einzigartiges Objekt entsteht. Die Skulpturen sind allesamt als "Torso" bezeichnet und in der Werkbeschreibung weiterhin noch durch ihre Farbe oder Größe ausgewiesen.

Werbung


Und tatsächlich wirken sie als Torsi, als Bruchstücke eines Ganzen also, das sich allerdings in der Phantasie des Betrachters entwickeln muss. Einige hängen frei schwebend an der Decke, andere sind an der Wand fixiert und wieder andere kommen auf einem Sockel oder in einer Vitrine zur Geltung. Einige erinnern in ihrer Form an zusammengerollte Blätter, deren Flächen von Natur aus durch Rippen gegliedert sind, in denen die Leitungsbahnen verlaufen. Andere erinnern an Muscheln.

Beim Trocknen eine 360- Grad-Drehung
Das Prunkstück der Ausstellung ist eine Skulptur, deren Papierbogen beim Trocknen eine 360-Grad-Drehung vollzogen hat und wie das Gehäuse einer überdimensionierten Wasserschnecke wirkt. Der Trocknungsprozess ist denn auch der eigentliche Entstehungsprozess, wobei die eingelegten Drähte je nach ihrer Stärke, ihrer Anzahl und ihres Materials Gegenkräfte von unterschiedlicher Intensität zum anfangs noch feuchten und deshalb weichen Papierrohstoff entfalten und auf diese Weise eine immer wieder anderen Form ergeben. Im Falle dessen, dass sie aus Eisen bestehen, geben sie bei der Oxidation rostbraune Farbe ab. Die Oxidation von Kupferdrähten hingegen bewirkt die Farbe grün. Wenn der Künstler diesen Effekt vermeiden will, wählt er Edelstahl.

Zu sehen sind im Winzerhof weiterhin einige gerahmte Collagen. Die in Ebringen gezeigten Werke stammen aus den vergangenen fünf Jahren. Wilhelm Morat hat seine Techniken selbst entwickelt. Ausgebildet als Kunst- und Deutschlehrer arbeitet er seit 1981 als freischaffender Künstler. Seit 26 Jahren stellt er aus, 2001 hat er den Ersten Preis Kunst am Bau mit einer Skulptur in der Freiburger Friedenskirche erlangt. Rund 20 Frauen und Männer besuchten die Vernissage in Ebringen, weiteres Interesse ist der Ausstellung zu wünschen.

Die Ausstellung in den Verkaufsräumen des Winzerhof Ebringen im Sommerbergweg ist bis zum 23. März zu sehen, und zwar zu den normalen Geschäftszeiten der Genossenschaft, montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12.30 Uhr.

Autor: Silvia Faller