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21. Juli 2010

Umfahrung würde Ortsdurchfahrt entlasten

Regierungspräsidium Freiburg stellt Ergebnisse der Verkehrsbefragung am Batzenberg vor / Unterschiedliche Bewertungen in den betroffenen Gemeinden.

  1. Sorgte für Staus und Unmut: die Befragung zur Verkehrssituation am Batzenberg im vergangenen Oktober. Jetzt hat das Regierungspräsidium die Ergebnisse vorgestellt. Foto: BZ-Archiv/Andrea Gallien

BATZENBERG. Jetzt ist es da, das Ergebnis der Verkehrsbefragung am Batzenberg vom vergangenen Oktober. Es zeigt, dass die Ortsdurchfahrt Schallstadt durch den Bau der Umfahrungen Schallstadt und Norsingen um 80 Prozent entlastet würde. Ohne die beiden Umfahrungen werde der Verkehr in der Winzergemeinde im Jahr 2025 auf täglich 17 900 Fahrzeuge ansteigen, heißt es im Gutachten.

Im Herbst 2009 gab es eine vom Regierungspräsidium Freiburg angeordnete und durch das Ingenieurbüro Modus Consult Ulm GmbH ausgeführte Verkehrsbefragung auf der B3, der L125, der K4997 und K4980 im Bereich Schallstadt, Norsingen und Pfaffenweiler. An fünf Befragungsstellen wollten Schüler des Kreisgymnasiums Bad Krozingen den Wohnort der Verkehrsteilnehmern wissen, woher sie kommen, wohin ihr Weg führt und ob sie privat oder beruflich unterwegs sind. Für große Verkehrsbehinderungen hatte die Befragung gesorgt (die BZ berichtete).

Ihr Ergebnis wurde am Montag den Bürgermeistern von Ebringen, Ehrenkirchen, Pfaffenweiler, Schallstadt und Bad Krozingen von Regierungspräsident Julian Würtenberger im Beisein der beiden Landtagsabgeordneten Gundolf Fleischer und Bernhard Schätzle vorgestellt. Aktuell sieht die Verkehrssituation am Batzenberg so aus: Täglich rollen 15 400 Autos durch Schallstadt und 9600 durch Norsingen. Auf der L 125 durchs Schneckental sind in 24 Stunden 17 300 Autos unterwegs. Hinzu kommen zwischen 300 (L 125) und 600 Lastwagen.

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Ausgehend von diesen Zahlen hat das Ingenieurbüro die durchschnittliche tägliche Verkehrsmenge für das Jahr 2025 hochgerechnet und auf dieser Grundlage zwei Planfälle simuliert: die Verkehrsbelastung nach dem Bau der Ortsumfahrung Schallstadt mit und ohne die Ortsumfahrung Norsingen. Würden beide Umfahrung gebaut, betrage die Entlastung in der Schallstadter Ortsdurchfahrt 80 Prozent. Die Ortsumfahrung Schallstadt verringere den Verkehr innerorts auf täglich 2900 Fahrzeuge, mit der Ortsumfahrung Norsingen sind es 3000. Norsingen selbst wäre dann mit 1000 Fahrzeugen belastet. Ohne die beiden Umfahrungen rechnet das Gutachten im Jahr 2025 täglich mit 17 900 Fahrzeugen – inklusive 700 Lastwagen – in Schallstadt, in Norsingen wären es 11 200. Auf den Umfahrungen seien täglich zwischen 19 400 (Schallstadt) und 14 000 Fahrzeugen (Norsingen) unterwegs. Auf der L125 würde sich der Verkehr beim Bau der beiden Ortsumfahrung jeweils spürbar verringern. Allerdings könnte, so das Regierungspräsidium, die Ortsumfahrung Norsingen frühestens im Anschluss an die Ortsumfahrung Schallstadt gebaut werden.

Das entsprechende Planfeststellungsverfahren dafür wurde bereits vor fünf Jahren eingeleitet und wird seit zwei Jahren nicht weitergeführt. Gründe dafür sind unter anderem eine zu teure Planung: Von ursprünglich 8 Millionen Euro musste der Entwurf auf Anweisung des Bundesverkehrsministeriums auf rund 4,3 Millionen Euro abgespeckt werden. In diese Umplanung werden die Ergebnisse des jetzt vorgestellten Gutachtens einfließen. Nach Fertigstellung und Freigabe des neuen Planentwurfs durch die zuständigen Verkehrsministerien in Land und Bund kann das Planfeststellungsverfahren auf der Basis der geänderten Planung fortgesetzt werden.

Wann das allerdings sein wird, kann Joachim Müller-Bremberger, Pressesprecher der Freiburger Behörde, nicht sagen. "Wir gehen davon aus, dass der Planentwurf nicht vor nächstem Jahr mit den Ministerien abgestimmt und freigegeben wird", sagt er. Der Regierungspräsident hat zugesagt, zuvor die Bürgermeister und Abgeordneten über die Planänderungen zu informieren.

"Die Zahlen sind eindeutig und sprechen für das Konzept der gerechten Verkehrsverteilung am Batzenberg mit der Ortsumfahrung Schallstadt", sagt Pfaffenweilers Bürgermeister Dieter Hahn. Daneben waren für ihn zwei Aussagen, die beim Treffen im Regierungspräsidium gefallen seien, entscheidend: "Das Planfeststellungsverfahren wird weitergeführt und die Finanzen für die Umfahrung sind gesichert." Pfaffenweiler sei weiter an einem zeitnahen Bau der Umfahrung Schallstadt interessiert: "Wir werden nicht locker lassen. Allerdings legen wir uns nicht auf den Monat fest. Das Regierungspräsidium soll das Verfahren nun in Ruhe betreiben."

Zügig will Ebringens Bürgermeister Rainer Mosbach das Planfeststellungsverfahren zur Ortsumfahrung Schallstadt umgesetzt wissen. Ebringen leide unter den massiven Behinderungen am "Knoten- und Gefahrenpunkt" K 4953 und L 125 . "Die Belastungen ist groß, weil sich die Fahrzeuge morgens und abends zu Stoßzeiten stauen", sagt Mosbach. Die positive Überraschung des Gesprächs war für ihn, dass in der Umplanung wieder über einen Kreisel als Anbindung für Ebringen nachgedacht werde.

Wenig verblüfft ist man im Rathaus Ehrenkirchen über die Ergebnisse. "Es war klar, welche Zahlen da rauskommen", sagt Bürgermeister Thomas Breig. Für ihn sind sie die Bestätigung des Gutachtens aus dem Jahr 2001. Deutlich sei für ihn in dem Gespräch geworden, dass das Regierungspräsidium mit dem Planfeststellungsverfahren für die Umfahrung Schallstadt weitermachen will. Wichtig ist für Breig aber vor allem, was mit Norsingen und seiner Umfahrung passiert. "Doch es gibt derzeit keine konkrete Aussage, wann eine solche Umfahrung realisiert werden könnte", sagt Breig, "auch wenn alle sie für wichtig halten."

Schallstadts Bürgermeister Jörg Czybulka will den Zahlen im Moment nicht allzu viel Bedeutung beimessen: "Wir müssen den Erläuterungsbericht zum Gutachten abwarten. Dann geht es ans Eingemachte." Inwieweit das Gutachten plausibel sei, darüber will sich Czybulka kein Urteil erlauben. "Wir wünschen uns auf jeden Fall ein neutrales Gutachten. Das von der Firma Consult, die schon oft für die Behörden gearbeitet hat, vorgelegte Gutachten wird von der Bevölkerung vielleicht nicht als solches angesehen", sagt er weiter. Für die Gemeinde steht fest, dass "die geplante Ortsrandstraße weiteren Verkehr anzieht und Schallstadt noch mehr mit Lärm beschallt wird." Was die Verkehrsbelastung in der Ortsdurchfahrt durch die Planung abnehme, lege sie auf der "Ortsrandstraße, nur um wenige Meter versetzt", wieder zu.

Info: Die Ergebnisse werden auch Thema der Gemeinderatssitzung Pfaffenweiler sein, die heute, 19 Uhr, im Rathaus stattfindet.

Autor: Tanja Bury