Alte Gebäude zum Erzählen gebracht

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Sa, 31. März 2018

Efringen-Kirchen

Mit den Tafeln an acht historischen Häusern in Kleinkems hat der Förderkreis Museum sein gemeindeweites Projekt abgeschlossen.

EFRINGEN-KIRCHEN-KLEINKEMS. Die Schilder, die auf historische Gebäude in Kleinkems hinweisen, sind fertig. Der Förderkreis Museum in der Alten Schule schließt damit die noch bestehende Lücke in seinem Beschilderungsprojekt historischer Gebäude in allen Ortsteilen der Gemeinde Efringen-Kirchen. Künftig sollen die Hinweistafeln auf die Geschichte von acht Kleinkemser Gebäuden hinweisen.

Die Hauptvorarbeiten zu der Beschilderung im letzten, noch fehlenden Ortsteil Kleinkems leistete der 2016 verstorbene Kleinkemser Günter Schöning. Helga Meier und Armin Zimmer hatten sich nun extra einen Tag ausgesucht, an dem sie möglichst viele Hauseigentümer anzutreffen hofften – und dann war kaum jemand da. "Schließlich müssen wir bei den Privathäusern nachfragen, ob die Eigentümer mit dem Anbringen einer Hinweistafel einverstanden sind", erklärt Helga Meier. Acht ganz neue Schilder lagen neben Werkzeug in ihrem Kofferraum.

Die Bewohner des Pfarrhauses waren nicht da, beim "Alten Rathaus" sollten die beiden Förderkreismitglieder später noch einmal vorbeikommen., ebenso beim Gasthaus "Zur Blume". Und bei der Kirche muss man den Pfarrer fragen, wo das Schild angebracht werden soll. Glück hatten Helga Meier und Armin Zimmer an der ehemaligen Schulstube. Die Besitzerin war zu Hause und freute sich, dass ihr Haus eine Hinweistafel erhält. Die acht Hinweistafeln werden künftig Wanderer und Radfahrer, aber auch Einwohner auf die Geschichte bestimmter Gebäude aufmerksam machen. Man kann diese auch alle auf einmal in einem Rundgang kennenlernen. Die Broschüre des Förderkreises hilft dabei.

Eigentlich hat Kleinkems viele sehr alte Häuser, teilweise sind die Gebäude ansprechend saniert. "Das Problem ist aber, dass es leider nur zu wenigen Gebäuden eine gesicherte Datenlage gibt", bedauerte die Vorsitzende des Museumsförderkreises Helga Meier. Und man könne natürlich nur dort Schilder anbringen, wo es eine dokumentierte Geschichte gibt.

Wie beim "Pfarrhaus" etwa, es wurde 1592 von Albert Brugcker unter dem Grundherrn Fürstabt Caspar II von St. Blasien erbaut. Hier wohnte auch einer der Erzähler von Geschichten des Markgräflerlandes, Pfarrer Hermann Albrecht. Gut dokumentiert ist auch die Geschichte des "ersten Schulhauses", davor steht das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Es wurde von 1845 bis 1848 erbaut – bis 1962 wurde es als Schulhaus, danach als Kindergarten genutzt. Heute wird es bewohnt.

Auch das "neue Schulhaus", das der im Ort unvergessene Altortsvorsteher und Architekt Günter Schöning geplant hat, ist schon "historisch" und zudem von gestalterischer Qualität. Es wurde 1993 in die Liste der Kulturdenkmäler aufgenommen. 1868 wurde das "Wachthaus" für die Nachtwächter erbaut, es steht an der Alten Weinstraße dicht am Rathauskreisel. Das Wachthaus diente als erstes Rathaus. Am Sockel erinnert eine Hochwassermarke an ein Rheinhochwasser im Jahre 1876.

Die "Kirche St. Georg" ist erstmals 1086 erwähnt, und die von damals stammende, romanische Grundform ist bis heute erhalten. Der markante Kirchturm wurde 1897/98 angebaut. Das außergewöhnlichen Fachwerk des Turms und das Zeltdach sind indes recht neu, beides wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Turm aufgesetzt. Der "Meierhof" am Scherbenrain ist ebenfalls uralt. Bereits 1300 war er für das Kloster Sankt Blasien belegt. Er war Fronhof, Dinghof und Freihof. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde der zerfallene Hof in der heutigen Form wieder aufgebaut – als Fronhof diente er bis 1805.

Das "Gasthaus zu Blume" erhielt seine Schildgerechtigkeit 1827. Das heißt, der Eigentümer konnte ein Wirtshausschild aufhängen und wirten. 1843 wurde das Haus ausgebaut, denn in der Nähe war die Fähranlegestelle am Rhein, der rege Fährverkehr brachte Gäste. Danach kamen die Bahnarbeiter, die die Rheintalbahn erbauten. Versteckt an der Alten Weinstraße liegt die "Schulstube", im 17. Jahrhundert erbaut, die Wohnung des Lehrers war gleichzeitig Unterrichtsraum.