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17. August 2012 21:38 Uhr

Reizthema

Diakon fordert Nacktbadeverbot an den Isteiner Schwellen

Die Nacktbader am Rhein bei Istein und Kleinkems erregen die Gemüter. Diakon Roy Paraiso hat in einem Brief ein FKK-Verbot gefordert. Polizei und Ordnungsamt reagieren zurückhaltend.

  1. Im Sommer zieht es viele ans Wasser – offenbar aber nicht nur zum Schwimmen. Foto: dapd

Alle Jahre wieder sind sie ein Sommerthema, die Nacktbader am Rhein bei Istein und Kleinkems. Durch ihre bloße Anwesenheit oder durch anstößiges Verhalten einzelner stören sie, bisweilen auch durch Hinterlassenschaften wie Kondome – je nach von Badegästen Erlebtem mal mehr mal weniger. Diesmal ist es der Diakon der katholischen Seelsorgeeinheit Kandern-Istein Roy Paraiso, der öffentlich die Geschehnisse anprangert. Wobei ihn vor allem der Schwulentreffpunkt und die von einzelnen offen praktizierte Sexualität nervt.

Ärger wegen gebrauchter Kondome

"Mit den Kindern muss man nicht weit nach Süden fahren. Das hat man gedacht! Aber ausgerechnet da, wo der Rhein seinen natürlichsten und schönsten Sandstrand zeigt, da liegen, sitzen und laufen nackte Männer herum, entblößen sich vor den Augen der Kinder und gehen ihren sexuellen Geschäften nach ohne Schamgefühl", schreibt Roy Paraiso der BZ. Wer vom Rhein zum Parkplatz gelangen wolle, müsse erst durch gebrauchte Kondome marschieren. "Was wir hier erleben, ist überhaupt nicht familienfreundlich". Paraiso wünscht sich, dass die Behörden tätig werden und verweist auf eine Gruppe Gleichgesinnter, die sich im Internet unter dem Namen "Wie bekommen wir die Parkplatz-Besucher am Rhein endlich los?" austauschen. Der Diakon legt "den Gemeinderäte von Istein und Kleinkems" nahe, sich zusammenschließen, mit dem Ordnungsamt Nacktbadeverbotsschilder aufzustellen, damit die Polizei eine Handhabe bekomme. Es gebe andere FKK-Strände in der Nähe.

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Schwulen-Interessensgruppen sind über derlei Sticheleien allerdings alles andere als glücklich. Es seien keineswegs nur Homosexuelle, die sich dort entblößten und – im Einzelfall – anstößig verhielten, so ein Betroffener gegenüber der BZ. Er erinnert im Übrigen daran, dass Homosexuelle noch heute in der Öffentlichkeit kaum einen Raum haben, an dem sie Zärtlichkeiten austauschen könnten. Der Rheinstrand sei sozusagen als eine der Nischen gesucht und gefunden worden.

Ein Badegast, der aber nicht namentlich genannt sein wollte, berichtete der BZ, dass sich die Besuchergruppen "ganz natürlich" aufgeteilt hätten, weshalb er das Problem anders sah als der Diakon. Die Isteiner Schwellen selbst seien für Familien mit Kindern reserviert und seinem Eindruck nach von Nacktbadern frei. In einem anderen Uferabschnitt aber versammelten sich gern nackt badende Männer und Frauen. Ein weiterer Abschnitt sei der Schwulentreff. Diese Aufteilung sei weithin bekannt, weshalb sich die Besucher gut aus dem Weg gehen könnten.

Bleibt die Frage an Ordnungsamtsleiter Clemens Pfahler, ob sich nicht dennoch mit Schildern etwas dafür tun ließe, das ganze Ufer – wie Roy Paraiso es möchte – "familienfreundlich" zu halten? Pfahler macht jedoch klar, dass er von Schildern nichts hält. "Wohin sollte ich sie stellen, sollen wir das ganze Rheinufer zupflastern?", verweist er darauf, dass es mit einem einzigen Schild nicht getan wäre. Zudem kümmere sich keiner um Verbotsschilder ohne begleitende Kontrollen, die die Polizei aber nur eingeschränkt leisten könnten. Außerdem verlagere sich das Problem dann nur an eine andere Stelle.

Polizei: Wenn Verbote, dann auch Kontrollen

Bei der Polizei merkt man an, dass die allsommerlich und so auch diesmal zu hörenden Beschwerden insgesamt eher selten seien. Dennoch wolle der Posten Markgräflerland im Rahmen seiner Möglichkeiten verstärkt am Rhein kontrollieren. Ansonsten verweist die Polizei darauf, dass Nacktbaden bislang dort nicht verboten sei. Strafbar sei es jedoch, andere zu behelligen oder vor den Augen anderer sexuelle Handlungen an sich oder mit anderen auszuüben. Entscheidend sei aber immer das Empfinden des Betrachters. Wer sich gestört fühle, solle sich Details zum Aussehen der Person, die Autonummer notieren oder am besten ein Foto machen und die Polizei verständigen.

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Autor: vl