Ein Geotop mit 4500 Jahren Geschichte

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Di, 19. September 2017

Efringen-Kirchen

Viele Hobbyarchäologen wollen am Sonntag das steinzeitliche Jaspisbergwerk besichtigen.

KLEINKEMS (jut). Diesmal hatte über die französischen Lokalzeitungen eine große Gruppe aus dem Elsass vom Tag des Geotops gehört und stattete dem steinzeitlichen Jaspis-Bergwerk in Kleinkems einen Besuch ab. Rund 50 Erwachsene und zehn Kinder aus der näheren und weiteren Umgebung wollten sich zur Geschichte des Bergwerks, aber auch über die Zeit von 4500 vor Christus informieren, aus der viele Funde im Bergwerk stammen.

Dass es am Sonntag ab und zu regnete, machte gestandenen Hobbyarchäologen gar nichts aus – die meisten Besucher hatten sich für einen Ausflug ins Bergwerk entsprechend ausgerüstet. Auf die kleine Plattform vor dem ehemaligen Bergwerksgelände gelangte man nur durch die tatkräftige Unterstützung einer Gruppe der Bergwacht Istein, die von Andreas Scherer geleitet wurde.

Auf der Plattform angekommen, die vor dem Bahntrassenbau im Rheintal ursprünglich genauso wie das Bergwerk viel größer gewesen war, erfuhren die Besucher wissenswerte Details durch Joachim Gröbke, zweiter Vorsitzender des Förderkreises Museum Alte Schule. Der Archäologe Robert Lais aus Freiburg war 1939 der Erste, der nach Gleisbauarbeiten eine Höhle entdeckte und Funde machte, die auf das in Europa einzigartige steinzeitliche Bergwerk hinwiesen. Die Steinzeitmenschen lösten die Jaspisknollen durch Feuer oder schlugen sie aus dem Fels. Verwendung fand das harte Gestein vor allem für die Werkzeug- oder Pfeilspitzenherstellung. Nach dem Zweiten Weltkrieg war es dann die Professorin Elisabeth Schmid, die für die Universitäten Freiburg und Basel wissenschaftliche Grabungen durchführte und die Grabungsergebnisse auswertete. Finanziell unterstützt wurde sie dabei vom Bergbaumuseum in Bochum.

Danach wurde es ruhig um das Jaspisbergwerk, bis 2003 und 2004 eine Forschungsgrabung durch Professor Frank Siegmund von der Universität Basel und Grabungsleiter Felix Engel stattfand. Michael Kaiser, ebenfalls von der Universität Basel, fand dann 2008 Reste steinzeitlicher Hämmer.

Regelrecht "angefixt" durch das, was sie bei Gröbner gehört hatten, machten sich Kinder und Erwachsene am Rande des ehemaligen Bergwerksgeländes auf die Suche und wurden fündig: Stolz wurden bei Museumsleiterin Maren Siegmann Jaspisstücke und Jaspisknollen präsentiert. Siegmann hatte einen Infotisch aufgebaut und berichtete zur Verwendung von Jaspis in der Steinzeit und in der Neuzeit. Nebenbei konnte man lernen, wie man mit Jaspis Feuer schlägt und wie man in der Steinzeit mit einer Wurfverlängerung Speere, die mit Pfeilspitzen aus Jaspis bestückt waren, weit schleudern konnte. Insbesondere die Kinder hatten die Wurftechnik schnell verinnerlicht. "Gut, dass hier keine Wanderer herumlaufen", witzelte ein Vater.

Siegmann berichtete, dass es wirklich Wettbewerbe mit dieser Technik gebe – der Rekord stehe bei fast unglaublichen 180,90 Metern. "Die Abwurfgeschwindigkeit liegt bei 100 Kilometern pro Stunde – der Tod beim Jagen kam leise, denn ein Speer verursacht im Gegenzug zu einer sirrenden Sehne beim Bogenschießen kein Geräusch", gab sie weiter. Die Museumsleiterin hielt zudem viele laminierte Folien bereit, mit denen sie die Verwendung des Markgräfler Jaspis als Schmuckstein für Möbel, Vasen und andere Gefäße sowie für Halsschmuck erklärte.

Der Jaspis aus der Region war gesuchte Handels- und Schmuggelware. Bei der Verwendung taten sich Edelsteinschleifereien im deutschen Südwesten, in Prag und Florenz hervor. Die Steine wurden auch in Möbel eingearbeitet. "Den Markgräfler Jaspis erkennt man dabei an seinen leuchtenden Farben", so Siegmann.