Große Pläne fürs Museum

Victoria Langelott

Von Victoria Langelott

Sa, 03. März 2018

Efringen-Kirchen

Museumsleiterin Maren Siegmann ist dabei, die rund 25 Jahre alte Dauerausstellung im Museum Alte Schule neu zu konzipieren.

EFRINGEN-KIRCHEN. Auch Ausstellungen haben ein Verfallsdatum. Das gilt ebenso für die Dauerausstellung im Museum Alte Schule in Efringen-Kirchen. Sie ist in die Jahre gekommen, Museumsleiterin Maren Siegmann hat deshalb 2016 das Mammutwerk einer Neukonzeption angepackt, eine aufwändige Arbeit, auf deren Ergebnis man sich aber schon freuen kann.

Die Ausstellung von Verena Alborino
Die Dauerausstellung, die erste ihrer Art im Museum, stammt von Siegmanns Vorgängerin Verena Alborino. "Sie hat einen super Job gemacht", anerkennt die Museumsleiterin. "Sie saß keinem Modetrend auf, sondern hat die Ausstellung zeitlos gestaltet, sauber, sachlich, schlicht". So kann Siegmann die Neukonzeption nun auch ohne Zeitdruck angehen, für die sie als Fachfrau für Ur- und Frühgeschichte mit Ausbildung in Museumspädagogik gut gerüstet ist. Verschleißerscheinungen an den Ausstellungsstücken sind unübersehbar. Auch ging die Forschung weiter. Viele Beschreibungen seien nicht mehr auf dem aktuellen Stand, so Maren Siegmann. Unterstützt wird sie beim Erneuern vom Museumsförderkreis, der zum Beispiel das Jaspisbergbaumodell säubern und mit frischgrüner Moosdekoration ausstatten wird.

Schwerpunkt Ortschaften
Ausstellungen spiegeln stets den Zeitgeist. So war es bei der Konzeption für Verena Alborino damals wichtig, die Einheit der Gemeinde Efringen-Kirchen zu betonen. "Die Folge war, dass viele Besucher aus den Teilorten sich hier nicht wiederfinden," hat Siegmann festgestellt. Das zu ändern ist für sie nun eine zentrale Leitlinie bei der Neukonzeption. Jeder Ort habe seinen eigenen Charakter und natürlich – seine ureigene Geschichte. Das müsse abgebildet werden. Siegmann sammelt, sichtet und recherchiert dafür. Neue Schlaglichter sollen dabei auch auf das jüdische Leben in den Ortschaften geworfen werden. Sie hat eine Quelle aus dem Jahr 1576 gefunden, zwei jüdische Familien in Huttingen listet sie auf. Aus den Städten vertrieben in den Zeiten religiöser Kämpfe und Unruhen suchten jüdische Mitbürger auf dem Land Unterschlupf. Sie mussten sich die Bürgerrechte allerdings erkaufen, alle fünf Jahre neu.

Von Geschichten zur Geschichte
Maren Siegmann möchte Menschen für die eigene Geschichte begeistern. Unter anderem will sie Urkunden, Akten und Archivalien aus den Ortschaften zeigen. "Langweilig sind sie– bis man die Geschichte dazu kennt." Das ist zum Beispiel die Zeichnung, die sie im Basler Staatsarchiv aufspürte, 1646 bei einem Versicherungsfall entstanden. Ein Basler Kaufmann war bei Istein gekentert, nun ging es darum, wer schuld hat. Das Fundstück passt auch zu einem weiteren neuen Schwerpunkt: Landkarten. Sie zeigen zum einen die Veränderungen in der Landschaft über die Jahrhunderte und verdeutlichen zugleich, welche Rolle Straßen, Flussläufe, Furten, Fährverbindungen im Dreiländereck spielten. Es ist nicht erst seit heute ein Verkehrsknotenpunkt. Eine Neuentdeckung der Museumsleiterin: die Tarife der Fähre von Kleinkems aus dem 14. Jahrhundert. Siegmann möchte da auch Synergien herstellen. Wer ein Ausstellungsstück bewundert, soll Lust bekommen, draußen in der Landschaft nach historischen Spuren zu suchen. Und wer durch die Gemeinde spaziert, soll aufs Museum verwiesen werden. Und warum nicht Touristen ein Faltblatt mit Rundgangtipp mitgeben, mit QR-Codes, über die vor Ort interessante Hinweise abzurufen sind.

Wann die Ausstellung fertig ist
Wann die neue Dauerausstellung fertig sein wird, dazu wagt Siegmann lieber keine Prognose. Sie kennt Museen ähnlicher Größe, die mit mehreren Vollzeitkräften fünf Jahre zur Neugestaltung brauchten und ihre Stelle umfasst 60 Prozent. Was sie doch vorhat, ist eine Veranstaltung im April, bei der sie Interessierten vom Stand der Dinge im Museum berichtet. Und sie möchte den Raum mit den Kunstwerken, die nun zurückgegeben werden, weil die Leihverträge ausgelaufen sind, nach der Renovierung mit einer Art Ideenskizze für die neue Dauerausstellung ausstaffieren. Nicht zu vergessen – nebenbei ist sie noch in der Gemeinde auf vielerlei Art als Fachfrau gefragt. Etwa beim Erarbeiten der Infotafeln zum künftigen Huttinger Lehrpfad. Oder wenn ein Bürger auf seinem Dachboden etwas findet – wie jener Mappacher, der Pläne aus dem Jahr 1895 vom Basler Münster fand und sie fragte, was es damit auf sich hat. In solchen Fällen recherchiert sie gern – sie lernt dann ja auch selbst dazu.

Das Museum im Nikolaus-Däublin-Weg in Efringen-Kirchen ist sonntags und mittwochs von 14 bis 17 Uhr zu besichtigen