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18. April 2015

Rolf Disch: Atomenergie ist eine kriminelle Energie

Solararchitekt erläutert seine Vorstellungen für die Energiewende bei einem Vortrag in Efringen-Kirchen.

  1. Rolf Disch Foto: Sedlak

EFRINGEN-KIRCHEN (nos). Klimafreundliche Häuser sowie die Klimawende durch erneuerbare Energien waren die zentralen Themen beim Informationsabend von Gewerbeverein und Agendagruppe Umwelt in Efringen-Kirchen mit Solararchitekt Rolf Disch. Mit Zukunftsprojekten werde der Energiebedarf bei allen Energiearten reduziert und sogar ein Überschuss produziert, hieß es. Und: Die Bürger bringen es auf den Weg und nicht die Energieversorger, so Rolf Disch bei seinem Vortrag.

Dietmar Fischer, Vorsitzender des Gewerbevereins, war nur enttäuscht, dass lediglich knapp zwei Dutzend Zuhörer die Gelegenheit nutzten, sich über die Energieeffizienz, erneuerbare Energien und mögliche Sparmaßnahmen aus erster Hand zu informieren. Zu Beginn stellte Gewerbevereinsmitglied Helmut Vormann die Möglichkeiten von Photovoltaikanlagen auf dem Dach für private Verbraucher und Betriebe vor. Ein neuer Weg sei, den erzeugten Strom selbst zu nutzen und den Überschuss in einer Batterie zu speichern, erklärte er. Mit dem Solarstromspeicher könne Sonnenstrom bequem gespeichert und bei Bedarf abgerufen werden. Wichtig dabei sei, so Vormann, für jede Anwendung die richtige Batteriegröße zu verwenden. Zunächst solle jeder daher ein Verbrauchsgutachten darüber erstellen, wie, wann und wieviel Strom er benötige. Der gespeicherte Strom solle das Haus auf jeden Fall so lange versorgen können, wie die Photovoltaikanlage keinen Strom erzeuge, also vom Abend bis zum nächsten Morgen. Es sei so möglich, bis zu 80 Prozent der Stromkosten einzusparen, sich vom öffentlichen Netz unabhängig zu machen und sich seine eigene Energiewende zu gestalten, so sein Resümee.

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Gespannt lauschten die Anwesenden den Ausführungen des bekannten Solar-Architekten Rolf Disch. Durch die globale Erwärmung steige die Temperatur bis zum Jahr 2090 wohl um zwei bis vier Grad. Trotz vieler Klimakonferenzen steige der CO2-Ausstoß, und die fossilen Brennstoffe würden knapper, schmutziger und teurer, so Disch. Als Alternative hat er Plusenergiehäuser entwickelt, die mehr Energie produzieren als verbrauchen. Disch stellte das Heliotrop, ein Experimentierhaus vor, das 1994 von ihm gebaut wurde und sich mit der Sonne mitbewegt. An der Merzhauser Straße in Freiburg hat er eine Solarsiedlung sowie ein Büro und Ladengebäude erstellt. Mit der Sonne lasse sich bei einem Haus mehr Energie erzeugen, als die Menschen darin verbrauchen, so der Visionär. Auch informierte er über weitere geplante und mögliche Solarsiedlungen wie die in Grenza-cherhorn zwischen Hörnlifriedhof und Hochrheinbahn mit 170 Wohneinheiten. Dabei erzeugen nicht nur die Häuser Strom, sondern auch der Lärmschutz, der als Überdachung für Autos und Fahrräder diene. In Fußballstadien wären – auch in Efringen-Kirchen – Solar-Tribünen möglich, die Strom produzieren, so Disch. Sogar Volker Finke, Ex-Trainer des SC Freiburg, sei von dem Konzept überzeugt. Selbst eine Solar-Überdachung von Autobahnen, beispielsweise der A 5 zwischen Freiburg und Basel, wäre möglich. Als Mitte der 1970er-Jahre in Wyhl ein Atomkraftwerk gebaut werden sollte, wurde auch Disch dessen Gegner. Und genau deswegen baue er heute nur noch Plusenergiehäuser, schilderte er. Atomenergie sei eine kriminelle Energie, vertrat er, weil die Entsorgung nicht gelöst sei und die Atomkraft nur durch hohe Subventionen konkurrenzfähig sei.

Fünf Punkte stellte Disch für die Energiewende heraus: die Umstellung auf erneuerbare Energien, Plusenergiehäuser, Energiespeicher, intelligente Netze sowie intelligente Mobilität mit erneuerbarer Energie. Disch erhielt viel Applaus und hatte in der rund dreistündigen Veranstaltung noch eine Vielzahl von Fragen zu beantworten wie zur Dämmung von Häusern, zu Fernwärme, Dachbegrünung bei Photovoltaikanlagen oder zum Umbau bestehender Häuser.

Autor: nos