Wer dem Lockruf des Goldes folgte, riskierte das Leben

Marco Schopferer

Von Marco Schopferer

Do, 23. Februar 2017

Efringen-Kirchen

Der Zauber des Rheingolds wirkt bis heute / Beim Vortrag von Werner Störk über das Schürfen war der Museumssaal voll besetzt.

EFRINGEN-KIRCHEN (mfs). Gold, das magische Element, welches die Massen seit Jahrtausenden fasziniert, sorgte am Freitag auf Einladung des Museumsvereins für einen voll besetzten Museumssaal in Efringen-Kirchen. Kein Wunder, denn so mancher erhoffte sich wohl von Werner Störk auch konkrete Tipps, wie er an den Isteiner Schwellen zu Reichtum kommen kann.

Bekannt ist das Rheingold nicht erst seit Napoleon, der die Goldausbeute am Oberrhein dreier Jahre aufkaufen ließ, um seiner Tochter nach der Geburt ihres ersten Kindes ein gut 80-teiliges Badeservice gießen zu lassen. Auch die Nazis waren vom Goldrausch am Oberrhein erfasst, bauten bei Rastatt die größte Goldschürfmaschine der Welt – und scheiterten. 300 Gramm in drei Jahren wurden am Oberrhein geschürft, das reichte nachweislich für den gut 20 Gramm schweren Nibelungenring von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, der Rest verfloss irgendwo beim Untergang des sogenannten Tausendjährigen Reiches. Die Besucher bekamen einen außergewöhnlichen Vortrag vom pensionierten Lehrer Werner Störk geboten.

Dabei hatten schon die Kelten bei Istein mit Sieben und Waschbottichen aufwändig nach dem mystischen Metall gesucht. Auch die Römer verlangten von der örtlichen Bevölkerung, nach dem Rheingold zu suchen. Und auch später noch gehörten "die Goldler" zum Straßenbild von Istein. Meist waren es Bauern oder Fischer, die in der für sie ruhigen Jahreszeit nach dem glitzernden Edelmetall Gold den schwarzen Rheinsand durchwühlten – und haufenweise starben. Dies belegten historische Kirchenbücher, die Werner Störk in mühevoller Arbeit durchblätterte. Mindestens ein Dutzend Isteiner starb an den Symptomen einer Quecksilbervergiftung, die durch das Reinwaschen von Goldpartikeln entstand. Ganze Familien wurden in ihren Küchen dabei langsam vergiftet, als sie das mit Quecksilber vermischte Gold über dem Herd erhitzten, vermutet Goldsucher Störk. Die Dunkelziffer scheint viel höher zu sein, nicht immer war die Todesursache klar.

Die Goldgewinnung ist bis heute ein todbringendes Geschäft. Tagtäglich sterben in den großen Goldminen von Lateinamerika und Südafrika unzählige Menschen – tausende jedes Jahr, machte Störk deutlich. Und so romantisch, wie sich viele die Goldsuche an den Isteiner Schwellen vorstellen, ist sie auch nicht. Um ein paar Flitter auszusondern, muss man mit der Schaufel schon mal eine Tonne Erdreich mit Muskelkraft ausheben. Doch was sich mitunter im Sieb absondert, kann wie ein nächtlich glänzender Sternenhimmel sein. Magisch. Faszinierend.

Um ein Gramm Gold zu erhalten, braucht es 200 000 Goldflitterchen, für 20 Gramm schon vier Millionen dieser haardünnen Sprenkel. Die Chance auf einen Nugget (einen kleinen Goldklumpen) zu stoßen, ist verschwindet gering. Drei in 30 Jahren fand der umtriebige und weltweit aktive Goldsucher.

Es ist ein Hobby, das nicht zur Geldvermehrung taugt. Auch dies wurde an diesem Abend deutlich. Die badischen Revolutionäre Friedrich Hecker und Gustav Struve versuchten nach der missglückten Revolution in Kalifornien als Goldsucher ihr Glück. Der im 19. Jahrhundert aus Kandern während des Goldrausches ausgewanderte Johann August Sutter wurde zwar als "Kaiser von Kalifornien" und reichster Mann Amerikas verehrt, starb 1880 allerdings völlig verarmt.

Goldsucher am Altrhein von Istein werden es nie zu etwas bringen, "sie müssen an der Spitze der Wertschöpfungskette stehen", gab der passionierte Goldsucher den Besuchern mit. Diesen gut gemeinten Rat hörten nicht alle.