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12. September 2017

"Im August braucht keiner Neuen Wein"

Herbstversammlung der Markgräfler Bezirkskellerei in der Ehrenkirchener Kirchberghalle / Rückblick auf "aufregendes Winzerjahr".

  1. Bereits am 22. August hatte das Bio-Weingut Rieger in Betberg bei Buggingen mit der Solarisernte begonnen. Foto: privat

EHRENKIRCHEN/EFRINGEN-KIRCHEN (just). Mit einem Novum ging man bei der Markgräfler Bezirkskellerei heuer in die Herbstversammlung: Aufgrund des frühen Reifezustandes waren die Lesepläne für die drei Annahmestellen Ballrechten-Dottingen, Ehrenstetten und Efringen-Kirchen schon im Vorfeld der Zusammenkunft, die in diesem Jahr in der Ehrenkirchener Kirchberghalle stattfand, ausgegeben worden. Rück-, Aus- und Einblicke in Weinjahr und Weinwirtschaft gab es vom Geschäftsführenden Vorstand Hagen Rüdlin, Spielregeln zur Traubenabgabe von Kellermeister Günter Ehret.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickte Vorstand Rüdlin auf das Weinjahr 2017. Ernteausfälle bis zu 90 Prozent hätten die Frostnächte Mitte April einigen Winzern beschert. Weitgehend verschont geblieben sei man aber aufgrund des überwiegend heißen, trockenen Sommers von Peronospera und Kirschessigfliege, so dass insgesamt "ein guter Herbst" in Haus und Keller stünde. Dieser würde auch "ausreichende Erträge" versprechen, so dass man "marktkonform" anbieten könne, freute sich Hagen Rüdlin.

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Für die Sorte Solaris indes erwog er eine "eventuelle Trennung". "Im August braucht keiner Neuen Wein", urteilte Rüdlin über die Weißweinsorte mit extrem früher Reife. "Wir zirkulieren gerne Informationen", versprach er in Sachen Fördergelder bezüglich der Frostschäden.

Weinmarkt im Land durch Discounter bestimmt

Nachdenkliche Worte gab es zum Thema Weinmarkt. "Es gibt beim deutschen Wein mehr Wein als Durst", konstatierte der Geschäftsführende Vorstand. Deutscher Wein sei ohnehin kein Exportprodukt und den landesinternen Weinmarkt bestimmten mit einem Anteil von 50 Prozent die Discounter Aldi und Lidl.

"Hier wird ein deutscher Rosé für 1,69 Euro angeboten. Das ist für uns keine besonders angenehme Entwicklung", bedauerte Rüdlin. Ohnehin seien Rosé- wie Rotweine "unter Druck". Im Trend lägen "leichte, grazile und säurebetonte Weine mit leichtem Alkoholgehalt" gab er den Winzern mit auf den Weg.

"Ein aufregendes Winzerjahr 2017 neigt sich der Lese entgegen", fasste Kellermeister Günter Ehret die vergangenen Monate zusammen. Das Jahr sei zu Beginn nicht nur extrem kalt, sondern insgesamt auch sehr trocken gewesen. Bis August sei die Niederschlagsmenge im Vergleich zum Vorjahr nicht halb so groß ausgefallen, rechnete Ehret vor.

Der Regen Mitte August habe dann ein "extremes Beerenwachstum" mit sich gebracht, was wiederum zu "kompakten Trauben" und damit teils zu Fäulnis geführt habe. Insgesamt bescheinigte Günter Ehret den Reben im Gebiet der Bezirkskellerei jedoch einen "sehr guten Pflegezustand".

Bereits am 18. August habe die Solaris-Lese begonnen. "Ein absolutes Novum", so Ehret über den sehr frühen Zeitpunkt. Die Hauptlese startete am 8. September mit dem Müller-Thurgau, so der Kellermeister. Hier habe man bereits Mostgewichte von mehr als 80 Grad Oechsle gemessen und damit den Prädikatsweinbereich erreicht. In Sachen Weinannahme hatte Ehret den Winzern einige "erzieherische Maßnahmen" mitzuteilen. So wünschte er sich nicht nur, dass sich diese beim Abladen "aktiver beteiligten", sondern auch "sortenreine Anlieferung in sauberem Geschirr", "zeitnahes Abladen" nach dem Herbsten und – gerade bei der Handlese – abgedeckte Bütten.

"Bei Regen wird nicht geerntet", gab er zudem als Parole aus. Wie das funktionieren solle, wenn für eine Sorte nur ein Lesetag anberaumt sei, und es dann regne, wollte eine Winzerin wissen. Kellermeister Ehret versicherte, Lösungen für die Kluft zwischen Theorie und Praxis bei Regen zu finden. Der zweite Leseplan wird am Donnerstag, 14. September, ausgegeben.

Autor: just