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12. Juni 2013

Natur

Das nasskalte Frühjahr hat dem Wiedehopf arg zugesetzt

Nicht gut sieht es derzeit für den Wiedehopf aus: Das nasskalte Maiwetter hat dem braunschwarzen Vogel mit der markanten Federhaube stark zugesetzt.

  1. Engelbert Mayer mit einer eingegangenen Wiedehopfbrut aus einer der Kaiserstühler Rebhütten. Foto: andreas braun

EICHSTETTEN/BÖTZINGEN. Engelbert Mayer, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Kaiserstuhl, befürchtet die stärksten Bestandseinbrüche seit 25 Jahren. In Eichstetten und Bötzingen kam es gleich mehrfach zu Brutausfällen. Auch dem Bienenfresser, dem anderen Charaktervogel des Kaiserstuhls, bekam das nasse Frühjahr nur wenig.

"So schlimm war es noch nie", klagt der 62-jährige frühere Postbeamte, zugleich fürchtet er um sein Lebenswerk: Mayers Initiative ist es nämlich zu verdanken, dass der Mitte der 1980er Jahre in Baden-Württemberg nahezu ausgestorbene Wiedehopf am Kaiserstuhl in den letzten Jahren wieder mit rund 100 Brutpaaren vertreten war und sich von dort aus bis in die nördliche Ortenau ausbreiten konnte. Wichtigster Grund für diesen außergewöhnlichen Erfolg ist das seit 1987 praktizierte Anbringen von Nistkästen in alten Rebhütten, die als Ersatz-Brutquartiere für verloren gegangene Naturhöhlen dienen. "Ohne die Unterstützung vieler Winzer hätte das nicht funktioniert", betont der Naturschützer aus Eichstetten.

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Das Brutergebnis hängt indes stark vom Wetter ab: Bei Kälte und Regen gibt es nämlich wenige große Insekten wie etwa Maulwurfsgrillen, die Hauptnahrung des Wiedehopfs. Finden die Elterntiere aber wenig zum Fressen, kriegen sie kaum Junge durch. "Dieses Frühjahr waren die Verhältnisse katastrophal", sagt Mayer. Bei Nistkontrollen hat er unlängst gleich mehrere Totalausfälle vorgefunden: In einem Rebschuppen nahe Eichstetten waren alle Jungen noch vor dem Ausfliegen verendet, ebenso in einer Brutröhre auf der Nabu-Streuobstwiese bei Bötzingen. Ähnlich schlimm dürfte es im restlichen Kaiserstuhl aussehen.

Doch nicht nur das schlechte Wetter hat dem Wiedehopf zugesetzt: "In Ägypten wird ihm mit Netzen nachgestellt", weiß Mayer. Da die Weibchen ziemlich dicht am Boden fliegen, würden sie dieser Fangmethode häufiger zum Opfer fallen als Männchen, die ein anderes Flugverhalten zeigen. "Aus diesem Grund haben wir derzeit etliche unverpaarte Hähne", erläutert der Vogelfachmann.
Wegen der hohen Brutverluste geht der Kaiserstühler Nabu-Vorsitzende von Verlusten in bislang noch nicht dagewesener Höhe aus: Um mehr als die Hälfte, vielleicht sogar auf nur noch ein Drittel ihrer bisherigen Größe könnte die hiesige Population alsbald einbrechen. Zwar hofft Mayer, dass einige der erfolglosen Paare noch eine Ersatzbrut machen werden. "Dennoch wird es sicherlich Jahre brauchen, bis dieser Rückgang kompensiert sein wird", befürchtet er.

Zu kämpfen hat auch der Bienenfresser: Vor wenigen Tagen fand ein Winzer ein totes Exemplar dieser wärmeliebenden Art, die in Lösswänden brütet. "Ebenfalls ein Kälteopfer", meint Mayer, der sich trotz dieser Rückschläge nicht entmutigen lassen will.

Autor: Andreas Braun