Höhere Anforderungen ans Stromnetz

Herbert Geisler

Von Herbert Geisler

Fr, 07. Dezember 2018

Eichstetten

Ausbau des Umspannwerkes Eichstetten: Moderne Technik erfordert andere Masten – vier kommen neu, vier alte fallen weg.

EICHSTETTEN. Der Ausbau des Umspannwerkes bei Eichstetten steht an. In der jüngsten Gemeinderatssitzung gab es dazu aktuelle Informationen. Der Bau neuer Installationen und der Rückbau veralteter Anlagen wird sich bis ins Jahr 2025 erstrecken. Für den dafür wohl erforderlich werdenden Flächenbedarf will die Netzfirma Transnet BW, eine Tochter der EnBW, demnächst mit Grundstückseigentümern Kontakt aufnehmen.

Lukas Rosengrün und Bertram Bläschke von Transnet BW erläuterten, dass die Bau- und Umbaumaßnahmen erforderlich seien, um die bisherigen 220-kV- durch moderne 380-kV-Leitungen ersetzen zu können. Höhere Anforderungen an das Stromnetz und steigende Anteile an Strom, der aus erneuerbarer Energie erzeugt wird, seien dafür ursächlich.

Rosengrün sagte: "Wir können nicht irgendwo auf einer Fläche ein neues Werk bauen, sondern müssen die bestehenden nutzen. Das heißt, wir müssen im Bestand umbauen." Vorgesehen sei, um das bisherige Umspannwerk die neue Infrastruktur einschließlich zweier Gebäude zu errichten und anschließend den Altbestand zurückzubauen.

"Wir müssen die Versorgungssicherheit gewährleisten, daher wird alles in doppelter Ausfertigung errichtet." 2022 soll laut Planung das neue Werk in Betrieb gehen, das alte bis 2025 abgebaut sein.

Bläschke führte aus, neue Standmasten seien für die neue Technik erforderlich, "das bildet eine Herausforderung". Nicht allein baulogistisch – bestehende Leitungen werden abgebaut, neue Leitungen geschaffen –, sondern auch immobilienrechtlich: Neue Flächen werden in Anspruch genommen werden müssen, um die Funktionalität des Werkes sichern zu können. "Wir werden uns mit Grundstückseigentümern in Verbindung setzen, um frühzeitig die Zustimmung zu erzielen", ergänzte Rosengrün. Flächenstücke von acht mal acht bis zehn mal zehn Metern würden voraussichtlich benötigt, um die in der Höhe ausladenderen Strommasten errichten zu können.

Rosengrün stellte Eckpunkte einer Rahmenregelung vor, die Transnet etwa mit dem Kreisbauernverband Enzkreis vereinbart hatte und die auch hier zum Tragen kommen könnte. Demnach gäbe es eine Überspannungsentschädigung in Höhe von 20 Prozent des Bodenwerts der Schutzstreifenfläche als Einmalzahlung. Hoffnungen auf Verhandlungsoptionen dämpfte er sogleich: "Die Bundesnetzagentur macht strenge Vorgaben hinsichtlich der Gleichbehandlung." Aus diesem Grunde strebe das von ihm vertretene Unternehmen Absprachen mit Verbänden an. Rosengrün weiter: "Diese empfehlen meist ihren Mitgliedern, die Modalitäten anzunehmen."

Für eine "Mastentschädigung" ließen sich etwa 10 000 bis 11 000 Euro erwarten. Wer sich schnell – innerhalb von acht Wochen nach der Offerte – zum Verkauf entschließe, erhalte einen "Beschleunigungszuschlag" von 50 Cent je Quadratmeter. Zusätzlich erhielten alle Verkäufer eine Aufwandspauschale für Notar- und Grundbuchamtstermine von 200 Euro.Sollte es innerhalb von 15 Jahren zu einer Ausweisung dieser Flächen als Bau- gebiet oder Abbaufläche für Bodenschätze kommen, gebe es eine angemessene Nachentschädigung. Schließlich seien auch Kompensationen für Ernteausfälle berücksichtigt. "Wir wollen diese Informationen transparent an die Betroffenen herantragen", schloss Rosengrün.

"Wir sind durch die Trasse und das Umspannwerk sehr belastet", hob Bürgermeister Michael Bruder hervor, immerhin gehe es um fast zwölf Hektar Fläche. Michaela Rinklin (Freie Wähler) zeigte sich "entsetzt über das große Ausmaß" und meinte weiter: "Die Landwirte sind immer die Leidtragenden." Ihr Fraktionskollege Heinrich Meier wünschte sich eine Aussage von Transnet BW darüber, dass selbst "in einer fernen Zukunft das Land an uns zurückgegeben werden könnte", was Lukas Rosengrün jedoch als "fairerweise nicht sehr realistisch einzuschätzen" bezeichnete. Im kommenden Quartal soll es zu dem Vorhaben eine Informationsveranstaltung geben.