Ein Reich, in dem man sich verlieren kann

Felix Held

Von Felix Held

Do, 09. August 2018

Bad Säckingen

WALDGESCHICHTEN (2): Die Welt der Pilze fasziniert die Pilzcoaches Susanne Butz und Andrea Leithner / Sie vermitteln ihr Wissen unter anderem in Schulen.

BAD SÄCKINGEN/HOCHRHEIN. Für viele ist der Wald selbstverständlich. Er ist eben einfach da und war es auch schon immer. Doch der Wald birgt spannende Geschichten. Er ist nicht nur ein vielseitiger Lebensraum, sondern auch Naherholungsgebiet und Wirtschaftsfaktor. In der Serie "Waldgeschichten", stellt die Badische Zeitung die unterschiedlichen Seiten der grünen Lunge vor. Im zweiten Teil geht es um Pilze.

Steinpilze, Pfifferlinge, Maronen-Röhrlinge – von diesen Pilzarten hat vermutlich jeder schon einmal gehört – und sie vermutlich auch schon einmal gesammelt oder zumindest verspeist. Doch das sind natürlich längst nicht alle Pilzarten, die am Hochrhein wachsen. Zwei Frauen, die sich in der Welt der Mykologie, wie die Wissenschaft von den Pilzen heißt, bestens auskennen, sind Andrea Leithner aus Steinen und Susanne Butz aus Rickenbach. Sie sind geprüfte Pilzcoaches und vermitteln ihr Wissen an Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene.

"Heute finden wir vermutlich nicht viel. Es ist einfach zu trocken", dämpft Susanne Butz die Erwartungen an diesem Nachmittag im Wald nahe von Bad Säckingen. Wo die Stelle genau ist, darf natürlich nicht verraten werden, da sind Pilzsammler eigen.

Wobei Andrea Leithner und Susanne Butz das einschränken. "Manchmal nehmen wir auch jemanden mit, ganz so streng sind wir da nicht", sagen sie. Beide haben die Liebe zum Pilzsammeln schon früh entdeckt. Beide waren bereits als Kinder gerne im Wald und wurden auch schon von den Eltern mitgenommen zum Pilzesammeln. "Der Mensch ist einfach ein Jäger und Sammler", erklären sich die beiden, dass sich die Leidenschaft, durch den Wald zu streifen und auf Pilzejagd zu gehen, bei ihnen bis ins Erwachsenenalter gehalten hat.

Irgendwann hat es ihnen dann nicht mehr gereicht, einfach "nur so" in den Wald zu gehen. Sie wollten mehr wissen über die Welt der Pilze. Deswegen haben sie sich 2014 zum Kurs für Pilzcoaches der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) in Titisee-Neustadt angemeldet und den Kurs mit Bravour bestanden. Die Ausbildung dauert mindestens 60 Stunden und wird meist an drei Wochenenden angeboten, heißt es auf der Homepage der DGfM.

Pilzcoaches sollen hauptsächlich das Grundwissen über Pilze in Kindergärten, Schulen und andere Bildungseinrichtungen bringen. Die Coaches können also auch Veranstaltungen für Erwachsene anbieten.

Nicht zu verwechseln sind Pilzcoaches mit Pilzsachverständigen. "Während die Artenkenntnis und der Verzehr der Pilze Sache der Pilzsachverständigen ist, steht bei den Pilzcoaches das begeisternde und spielerische Vermitteln von umweltbezogenen Sachverhalten im Vordergrund", heißt es bei der DGfM. Die Ausbildungen sind deswegen auch nicht die gleichen.

Dass Pilzcoaches unheimlich viel über Pfifferling und Co. wissen, beweisen Andrea Leithner und Susanne Butz an diesem Tag im Wald. Denn obwohl es wirklich trocken ist, entdeckt Susanne Butz bereits nach wenigen Augenblicken einen Perlpilz.

"Den habe ich aber gestern hier schon gefunden", gibt sie zu. Dennoch muss man zunächst einmal wissen, wo man suchen muss. Das ist vermutlich etwas, was viele Laien vom Pilzesammeln abschreckt: Die Angst, stundenlang durch den Wald zu irren, und am Ende mit leeren Händen wieder abziehen zu müssen. Deswegen kann sich ein Waldspaziergang mit einem Pilzcoach lohnen, um einmal die grundlegenden Tricks und Kniffe für die Sammelleidenschaft zu erlernen.

Unter welchen Bäumen finde ich welche Pilze? Wie sollte der Boden beschaffen sein? Diese und ähnliche Fragen kann man so beantworten. Und wichtig: Immer einen Weidenkorb mitnehmen, bloß keine Plastiktüte. Denn Pilze müssen atmen und belüftet sein, damit sie nicht verderben, bis sie ihren Weg in die Pfanne gefunden haben.

Doch nicht nur zum Essen kann man Pilze gebrauchen. Susanne Butz färbt mit ihnen auch Stoffe und Wolle. Und auch als Stempel kann man gewisse Pilze benutzen. Das mache sie besonders gerne mit Kindern, erzählt Andrea Leithner. So wird schnell deutlich, dass die Welt der Pilze in der Tat ein Reich ist, in dem man sich verlieren kann.