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13. Juli 2012

Ein widerwärtiger Typ, aber mit Rückgrat

Thomas Gatzemeiers neuer Roman "Morgen, morgen wird alles zum guten Ende kommen!" erzählt vom Niedergang der Sachsen LB.

  1. Gatzemeier Foto: bz

Anderthalb Millionen Dollar hat der Goldman-Sachs-Aussteiger Greg Smith angeblich als Vorschuss für ein Buch bekommen, nur dafür, dass er sich erinnert – an seine Tätigkeiten als Banker. Einen Vorgeschmack davon gab es als Artikel in der New York Times: Kunden seien als Muppets verhöhnt worden, denen man die "Augäpfel rausreißen" werde. Von so einem Bonusgeschäft kann Thomas Gatzemeier nur träumen, obwohl in seinem Buch Ähnliches steht. Doch zum einen war er nicht dabei, zum anderen erscheint sein Buch "Morgen, morgen wird alles zum guten Ende kommen!" im Eigenverlag, wie schon sein Vorgänger "Der Sekretär" über einen Ex-Nazi und DDR-Karrieristen. Dass Gatzemeier in die Abgründe des Bankenwesens abgetaucht ist, kann ihm, dem Kunstmaler und Schriftsteller, nicht hoch genug angerechnet werden. Sein Roman spielt in Leipzig während der Finanzkrise und erzählt vom Niedergang der Sachsen LB.

"Hier, ich biete dir einen feinen, exklusiven Preis, bekommst du nicht wieder so was, du Arsch. Rück endlich die Kohle raus, du verfluchter, kleinlicher mieser Depp. Mach schon!" So hört es sich an, wenn Edgar Wünschel, Star der Bank in der Abteilung Eigenhandel, vor dem Computer sitzt und seine Deals abschließt. In diesem Fall muss er verkaufen. Von wegen Anonymität des Börsenhandels: Ohne ein Gegenüber, ein Ziel für Hohn und Spott, macht das Ganze viel weniger Spaß. Wünschel, die Hauptfigur der Finanzposse, studierte in der DDR Mathematik, nach der Vereinigung wurde er aus Verzweiflung Aktienhändler. Das macht ihn einerseits sympathisch, andererseits lassen sich an einem unverdächtigen Quereinsteiger die Verlockungen des Geldes, der Spaß am Zocken und die Gier nach mehr gut illustrieren. Da Wünschel Außenseiter bleibt, taugt er halbwegs zur Identifikationsfigur. Er verwandelt sich zwar wie viele seiner Kollegen in einen widerwärtigen Typen, aber in einen mit Rückgrat, der an der Leere seines Umfelds leidet. Die Betrügereien im großen Stil und die Verlogenheit bringen das Fass zum Überlaufen. Wünschel wird vom Saulus zum Paulus.

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Gatzemeier verzichtet auf psychologische Erklärungsversuche: Ein Funken Freiheit und Moral und das Gefühl, nie dazuzugehören, reichen schon, um zu (ver-)zweifeln. Verschiedene Szenarien, in der Galerie, die Beziehung mit der schönen Kollegin, der Segeltörn im Mittelmeer schildern den Dünkel zwischen Reichtum, Duckmäusertum, Ehrgeiz und Geschwätz. Ausnahmen bestätigen die Regel. Es wirkt authentisch und wäre kaum zu ertragen, wäre da nicht Gatzemeiers sehr bildnerische und intensive Sprache.
– Thomas Gatzemeier: Morgen, morgen wird alles zum guten Ende kommen! Soll und Haben Verlag, Karlsruhe 2012. 252 Seiten, 19,50 Euro.

Autor: Joachim Schneider


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