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16. Juni 2012
Eine Feier nach Art des Hauses
Bei der 125-Jahr-Feier lebte die Kaltenbach-Gemeinschaft das Bild des sozial und kulturell engagierten Unternehmens.
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Ingenieur Benjamin Rauschkolb, Museumsleiter Markus Moehring, OB Gudrun Heute-Bluhm, Valentin Kaltenbach und Moderator Matthias Zeller (von links) bei der Präsentation der Camera Obscura, die Kaltenbach zum Jubiläum der Stadt schenkt und die im Dachgeschoss des Museums eingebaut wird. Foto: Barbara Ruda
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Das Theater Tempus fugit stellte die Vorzüge des „Mostmax“ als Schattenspiel dar. Foto: Barbara Ruda
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Dorothea und Valentin Kaltenbach bei der Begrüßung der Gäste Foto: Barbara Ruda
LÖRRACH. Wie die Erfahrungen der Vergangenheit als ein Wegweiser in die Zukunft dienen können, war das zentrale Thema beim Festakt zum 125-jährigen bestehen der Firma Kaltenbach. Bei der Feier im Burghof ging es zunächst um ein Unternehmen, das als eines der ganz wenigen über vier Generationen in Familienhand ist. Ein wichtiges Thema war aber auch die enge Verflechtung von Betrieb, Stiftung, Familie und Mitarbeiter mit der Stadtgemeinschaft. Ausdruck dessen ist eine neue Attraktion für das Museum, die Kaltenbach der Stadt schenkt.
Im Alltag beschäftigt man sich bei Kaltenbach mit sperrigen Gütern, mit Stahl, der dank der Maschinen aus dem Betrieb gesägt, geschnitten und tonnenweise für logistische Prozesse vorbereitet werden kann. Dahinter steht eine erfinderische, sozial engagierte und kunstsinnige Eigentümerfamilie und eine Mitarbeiterschaft, die ausweislich der Rede des Betriebsratsvorsitzenden Klaus Braun selbst wie eine große Familie hinter dem Unternehmen steht. Ausdruck dieser Unternehmenskultur und dieser Mischung aus Verankerung und weltweiter Betätigung, die auch im Slogan "Aus Lörrach in die Welt" zum Tragen kommt, war am Donnerstagabend allein schon das Musikensemble, das für die Gäste aufspielte: das Raschèr Saxofon Quartet, das gewiss häufiger in den renommiertesten Konzertsälen der Metropolen gastiert als auf Betriebsfeiern.Werbung
Im Kreise der weit verzweigten Familie, von Kunden, Vertriebspartnern, Mitarbeitern und Vertretern des öffentlichen Lebens der Region nannte Firmenchef Valentin Kaltenbach anfangs einige Faktoren, die für ihn eine Art Vermächtnis der 125-jährigen Geschichte sind. Er sprach dabei von der geistigen Leistung, stets Neues zu wagen und Vertrautes immer wieder kritisch zu hinterfragen, vom rechtzeitigen Erkennen der Kundenbedürfnisse und von der Entwicklung immer neuer Ziele. Das verdeutlichte er an drei Produkten aus der Firmengeschichte. Der "Mostmax", entwickelt von seinem Urgroßvater, und die dazu gehörenden Produkte zur Süßmostherstellung und -aufbewahrung bezeichnete Kaltenbach als Beispiel für ein frühes Systemgeschäft, das sich – auch das eine erstaunlich moderne Sichtweise – genau entlang der Wertschöpfungskette der Kunden bewegt habe. Als weiteres Beispiel führte er den legendären "Rolli" an. Dieser 20 000-fach verkauf te Handwagen aus der Nachkriegszeit stehe für das Prinzip, aus einer Krise heraus Chancen wahrzunehmen. Und schließlich zeigte Kaltenbach am Beispiel einer Kreissäge, die eine zuvor jahrzehntelang herrschende Bandsägen-Tradition der Firma auf den Kopf gestellt hatte, wie wichtig es für ein Unternehmen manchmal sein kann, neue Wege einzuschlagen. "Unseren Weg aus Lörrach hinaus in die Welt werden wir weiter beschreiten", versprach Valentin Kaltenbach. Welchen Stellenwert dabei die Belegschaft spielt, zeigte allein die Tatsache, dass der Betriebsratsvorsitzende Klaus Braun gleich nach "unserem Chef" ans Rednerpult trat und die Firmengeschichte als eine "Geschichte, geschrieben von vieler Hände Arbeit" pries. Braun: "Wer Kaltenbach kennt, der weiß, welcher Einsatz dahinter steckt." Christoph Münzer, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Industrieller Unternehmer in Baden (WVIB) und sein Kollege Claudius Marx von der IHK lobten Kaltenbach als herausragendes Beispiel eines inhabergeführten Familienbetriebs.
Die sehr umfassende Bedeutung von Kaltenbach für Lörrach stellte Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm heraus. Kaltenbach sei ein Stück Stadtgeschichte. Die enge Verbundenheit machte sie vor allem an der Kooperation mit der Dieter-Kaltenbach-Stiftung fest. Dass Stiftung und Stadt nun ein gemeinsames Kindergartenprojekt angehen, bezeichnete Heute-Bluhm als "besonders schöne Abrundung des Jubiläumsjahrs".
Das gilt auch für das Jubiläumsgeschenk an die Stadt. Kaltenbach baut eine Camera Obscura für das Museumsdach. Mit dem altertümlichen Instrument lassen sich Bilder über Spiegel und Linsen einfangen. Die Idee kam von Valentin Kaltenbach, konstruiert wird das Gerät von Kaltenbach-Ingenieur Benjamin Rauschkolb und in die Fertigung sind Realschüler der FES eingebunden, die ihr Technikpraktikum im Betrieb machen. Ein Gemeinschaftswerk ganz im Stil des Hauses.
Autor: Willi Adam





