Eine gesunde Gemeinde

Thomas Biniossek

Von Thomas Biniossek

Fr, 14. September 2018

St. Märgen

Trotz des hohen Eigenkapitals ist der finanzielle Spielraum für St. Märgen nicht groß.

ST. MÄRGEN. Es ist für den Laien nicht ganz einfach, eine Bilanz, die sich in "Aktiva" und "Passiva" gliedert, zu verstehen. Dem Unterfangen, die "Eröffnungsbilanz der Gemeinde St. Märgen zum 1. Januar 2017" den Ratsvertretern näherzubringen, stellte sich Michael Faller, der für Finanzen zuständige Mitarbeiter der Verwaltung.

Um es vorweg zu nehmen: "Aktiva" und "Passiva" haben nichts mit aktiv und passiv noch mit Guthaben und Schulden zu tun. Das ist vielmehr eine Gegenüberstellung von Vermögensgegenständen der Gemeinde und des Kapitals, über das St. Märgen verfügt. Am Ende steht schließlich eine Bilanzsumme von rund 13,8 Millionen Euro, also das gemeindliche finanzielle Volumen in einem bestimmten Jahr, in diesem Fall dem von 2017.

"Die Bilanz dient der Darstellung der Vermögens- und Finanzsituation", erläuterte Michael Faller, der zusammen mit Praktikantin Pia Schule von der Fachhochschule Kehl die "Eröffnungsbilanz" erstellt hat. Das neue Kommunale Haushalts- und Rechnungswesen verlange die Erstellung einer solchen Bilanz zu Beginn eines Haushaltsjahres, die schließlich dem Landratsamt zu Prüfung vorgelegt werden müsse. Die Umstellung auf diese Bilanzierung sei nicht einfach gewesen, weil die Gemeinde alle ihre Vermögensgegenstände wie beispielsweise die Schulgebäude, die gemeindeeigenen Straßen, das Rathaus und selbst Quellzuleitungen, Maschinen oder Fahrzeuge (Feuerwehr, Bauhof, Verwaltung) neu bewerten musste.

Der Finanzfachmann machte das an einem Beispiel deutlich. "Um die Schule zu bewerten, gingen wir von der theoretischen Annahme aus, das Grundstück nach derzeit üblichen Grundstückspreisen zu verkaufen. Dies entspräche in etwa einem Betrag von rund 700 000 Euro. Das Gebäude selbst schätzten wir auf etwa 760 000 Euro, sodass auf der Aktivseite 1,4 Millionen Euro einzutragen waren." Insgesamt beträgt das Sachvermögen für 494 gemeindliche Anlagen rund 12,7 Millionen Euro. Hinzu kommen auf der Aktivseite das Finanzvermögen, unter anderem Forderungen und liquide Mittel (Bargeld und Bankbestände), in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro.

Dem stellte Michael Faller auf der Passivseite das Eigenkapital, Investitionszuschüsse und Verbindlichkeiten gegenüber. "Unser Basis-, also Eigenkapital beträgt 5,4 Millionen Euro", so der Fachmann. Das bedeutet nicht, dass St. Märgen diesen Betrag auf Bankkonten zur freien Verfügung liegen hat, sondern dass sie in dieser Höhe schuldenfrei im Besitz von Gebäuden und Grundstücken ist. Die Eigenkapitalquote betrage damit 39 Prozent. "Liegt diese Quote bei einem Betrieb bei etwa 30 Prozent, ist er als gesund zu bewerten", so Michael Faller weiter. Rechne man schließlich als Sonderposten die Investitionszuweisungen von rund 4,9 Millionen Euro hinzu, liege die Quote bei "soliden 74 Prozent". Eine hohe Eigenkapitalquote weise eine hohe finanzielle Stabilität und Unabhängigkeit gegenüber Fremdkapitalgebern aus. Will heißen: Die Gemeinde St. Märgen ist finanziell "gesund". Das auch, obwohl sie Verbindlichkeiten, also Schulden, in Höhe von 3,5 Millionen Euro hat. Davon sind aber fast zwei Millionen Euro in die Erschließung des Baugebietes "Hirschenhof" geflossen, die durch den Verkauf der Grundstücke wieder der Gemeinde zugeflossen sind oder noch zufließen. Somit verbleiben Verbindlichkeiten aus Kreditaufnahmen von rund 1,6 Millionen Euro.

"Diese Bilanz für das Jahr 2017 ist sicherlich erfreulich", sagte Bürgermeister Manfred Kreutz. Doch trotz des hohen Eigenkapitals sei der finanzielle Spielraum nicht groß. "Schließlich können wir weder unsere Schule noch die Straßen verkaufen." Hinzu komme, dass die sozialen Ausgaben explodierten, dass damit die Kreisumlage steige. "Die Zuschüsse des Landes aus dem Finanzausgleich, die vierteljährlich bei rund 100 000 Euro lagen, sind abzüglich der Kreisumlage auf 30 000 Euro gesunken", machte er deutlich. Damit müsse die Gemeinde auch zukünftig sehr sparsam mit ihrem Geld umgehen.