Eine Reise durch die jüdische Musik

Jürgen Schweizer

Von Jürgen Schweizer

Do, 28. Juni 2018

Wyhl

Kenzinger Vokalensemble Tonart begeistert bei seinem Konzert in der Wyhler Pfarrkirche St. Blasius.

WYHL. Mit kaum endendem Applaus wurden die Sängerinnen und Sänger des Vokalensemble Tonart Kenzingen für ihre a capella Chormusik aus verschiedenen Jahrhunderten am Sonntagabend von den Besuchern in der St. Blasius-Kirche in Wyhl belohnt.

Der musikalische Leiter Ekkehard Weber hatte zusammen mit dem Ensemble eine Auswahl an jüdischer Musik zusammengestellt für ein kleines Konzert mit Psalmen, Hohelied-Vertonungen, liturgischen Texten der Synagoge und mit ein paar jiddischen Liedern aus dem "galizischen Schtedtl". Die Auseinandersetzung mit diesem Umfeld, nicht zuletzt auch durch die Konzertreise nach Israel im Februar, habe einiges ausgelöst an Forschungs- und Lerneifer und dabei viel mehr zu Tage gefördert, als man je in einem Konzertprogramm von mehr als 90 Minuten unterbringen könnte.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem wichtigsten jüdischen Komponisten des italienischen Frühbarocks, Salomone Rossi mit "Keter yitnu lakh". Das Stück ist die Vertonung einer Kedusha für den Mussaf und entspricht in Teilen dem Sanctus im christlichen Ritus. Die große Kedusha beinhaltet den Anfang des "Sh’ma Yisrael, des zentralen jüdischen Bekenntnisses zum Monotheismus. Eindrucksvoll wurde vom Ensemble die Psalmen 80 und 128 sowie der Segensspruch "Barechu et adonai" vorgetragen. Eine besondere Stellung im Schaffen Rossis nimmt auch Psalm 137 ein: "Al naharot Bavel" ist eine Komposition jüdischer Verzweiflung im Exil, der Erinnerung an Zion und den Tempel zu Jerusalem, die Weigerung, für die Babylonier die Lieder des Herrn zu singen, der Drohung furchtbarer Rache und des Niedergangs Babylons und am Schluss ein gewaltiger Fluch. Das Ensemble beschloss die Rossi-Auswahl mit einem weiteren zentralen Gebet des Judentums, dem Kaddish. Das Ensemble widmete es dem kürzlich verstorbenen Klaus Teschemacher, Gründer der jüdischen Gemeinde Emmendingen.

Danach wandte man sich dem Hohelied Salomos zu, einer der eindrucksvollsten Sammlung früher Liebeslyrik.Für das Konzert hatte man sechs Vertonungen ausgesucht von Jehan Mouton, Giovanni Pierluigi da Palestrina, Thomas Morley, Johannes Schultz und Leonhard Lechner sowie Willem Verkalk. Es folgte neuere Musik mit jüdischen Verbindungen mit "Col Rinah" von Angelina Figus. Als nächstes Stück präsentierte das Ensemble "Lacrimosa" von Boaz Avni, ein Teil des mittelalterlichen Hymnus "Dies irae" über das Jüngste Gericht. Zwei Stücke von Avi Faintoch, den man auf der Konzertreise in Israel kennenlernte, durften bei diesem Konzert nicht fehlen. Mit dem Keloheinu – einem Heiligungs-Gebet von Paul Stetsenko – und einer Zugabe wurde das beeindruckende Konzert beendet.

Weber dankte den Besuchern, der Pfarrgemeinde für die Gelegenheit, die Kirche für das Konzert jüdisch-christlicher Verständigung nutzen zu dürfen, sowie dem Ensemble, dass es sich dieser Herausforderung gestellt habe.