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18. Februar 2017

"Eine sehr lebendige Chorkultur"

BZ-SERIE: Die Musikerin und Sängerin Kerstin Bögner aus Staufen leitet mehrere Chöre / Auftritte bei Liederabenden in der Region.

  1. Der Staufener Kammerchor ist einer von vielen Chören, die Kerstin Bögner leitet. Foto: Privat/Gabriele Hennicke

  2. Kerstin Bögner Foto: Gabriele Hennicke

STAUFEN. Sie leitet mehrere Chöre, eine Singschule und bis vor kurzem ein Orchester, sie gibt Gesangsunterricht und tritt in verschiedenen Konzertformationen auf: die Staufener Musikerin Kerstin Bögner. Im Gespräch mit der BZ erklärt sie, was ihr an ihrem Beruf besonders viel Freude macht und wie es sich so lebt als freiberufliche Chorleiterin, Sängerin und Blockflötistin.

"Ich arbeite mit Menschen jeden Alters, vom Kinderchor bis zum hohen Alter. Das macht es so faszinierend", sagt Kerstin Bögner. "Ich entwickle eine künstlerische Vision des Stücks und muss schauen, wie ich so viele verschiedene Stimmen in einem Chor klanglich zusammenbringe. Das ist jedes Mal ein spannender Balanceakt, der die Teilnehmer nicht überfordern, aber auch nicht unterfordern darf." Kerstin Bögner wuchs in Backnang auf, studierte Blockflöte und Ensembleleitung in Stuttgart, absolvierte ein Aufbaustudium für Blockflöte und Gesang in Utrecht in den Niederlanden und einen Aufbaustudiengang Orchesterleitung an der Musikhochschule in Freiburg.

1999 übernahm sie den Staufener Kammerchor, ein gemischtes Ensemble, das zurzeit aus etwa 50 Sängerinnen und Sängern besteht. Der ambitionierte Chor gibt jährlich zwei Konzerte, trifft sich zu wöchentlichen Proben und unternimmt Konzertreisen, zuletzt nach Dresden, aber auch schon nach Jordanien, Polen, Rumänien, die USA und Israel. "Der Kammerchor ist ein ganz wichtiges Standbein für mich. Wir singen große Werke wie 2016 den Elias von Mendelssohn, aber auch reine A-cappella-Programme. Ich entwickle gerne auch Programme, die nicht so oft gehört werden", sagt die Chorleiterin. Neben der Probenarbeit gehört auch Organisatorisches zum Dirigentenjob dazu: Da gilt es Probenräume zu organisieren, Solisten und ein Orchester zusammenzustellen, Noten zu bestellen, Flyer und anderes Werbematerial zu entwickeln, Spenden einzuwerben ... "Das geht nur, wenn viele im Chor mitmachen, zum Glück gibt es eine sehr lebendige Chorkultur beim Kammerchor", sagt die 45-Jährige. Zweites Standbein ist der Katholische Kirchenchor St. Martin, der die Gottesdienste an Feiertagen musikalisch gestaltet und auch ein Jahreskonzert gibt.

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Die Kirchenmusik ist Kerstin Bögner wichtig, immer wieder arbeitet sie auch mit dem Münstertäler Kirchenchor St. Trudpert und ihrer Leiterin Bezirkskantorin Karin Karle zusammen. So zum Beispiel bei den Firmgottesdiensten Ende Juni 2017, die die beiden Chorleiterinnen gemeinsam mit den Jugendchören der Pfarrgemeinden gestalten. "Das wird eine besonders schöne Zusammenarbeit werden, weil wir die Jugendlichen zu einem großen Chor formieren werden. Es ist unheimlich erfrischend, mit einem jungen Chor zu arbeiten, die Jugendlichen haben eine so unglaubliche Energie und einen großen Enthusiasmus", sagt Bögner. Die Musikerin ist Dozentin der Jugendmusikschule für Kinderchor und gründete 2008 unter dem Dach der Jugendmusikschule die Staufener Singschule in enger Zusammenarbeit mit den Kirchengemeinden. In diesem Rahmen leitet sie die "Spatzen", einen Kinderchor für Vorschulkinder und die "Nachtigallen", einen Chor für Erst- bis Viertklässler.

Die Kinderchöre treten nicht nur in Kinder- und Jugendgottesdiensten, sondern auch bei Veranstaltungen in Staufen auf sie machen Straßenmusik oder gestalten Musicals mit der Thaddäus-Rinderle-Grundschule. Bis vor einem Jahr leitete Bögner das 100-köpfige, aus Schülern, Eltern und Lehrern bestehende Faust-Orchester. "Das war eine ganz wichtige Arbeit, die ich 14 Jahre lang gemacht habe. Wir haben Carmen aufgeführt, Peer Gynt und den Karneval der Tiere." Weil die Beteiligung nachgelassen habe, habe man das Faust-Orchester erst mal auf Eis gelegt; mal sehen, was nachkomme.

Die ausgebildete Sängerin unterrichtet zudem erwachsene Gesangsschüler und tritt selbst als Solistin und in Ensembles auf. Reich wird Kerstin Bögner als freischaffende Musikerin nicht. Das Einkommen ist immer knapp, zumal sie seit der Geburt von Sohn David, der heute dreieinhalb ist, ihre Arbeit reduziert hat. Und trotzdem sei es gut, wie es ist. "Denn es ist eine Gnade, sich mit Leuten zusammen im Chor oder Orchester Musik zu erschließen und zu gestalten, gerade angesichts der heutigen Weltlage". Ihr Motto sei der Vers "Tobe, Welt, und springe, ich stehe hier und singe" aus dem Kirchenlied "Jesu, meine Freude" von Johann Franck. "Singen stärkt jeden, und deshalb wirken wir als Chor auch ein Stück weit politisch", ist sie überzeugt.

Info: Gemeinsam mit Wolfgang Thimm, Klavier, tritt Kerstin Bögner bei dem Liederabend "Wohin der Schlaf sich schlafen legt" am Sonntag, 12. März, um 18 Uhr in March, am Samstag, 27. Mai, 20 Uhr in der evangelischen Christuskirche Bad Krozingen und am Samstag, 23. Juni, um 20 Uhr im Winzerhof Linder in Endingen auf.

Autor: Gabriele Hennicke