Eine Zeit des Aufbruchs

Dorothee Soboll

Von Dorothee Soboll

Mi, 27. Juni 2018

Lörrach

Auftakt der länderübergreifenden Ausstellung "Le tournant – Zeitenwende 1918/19" im Dreiländermuseum.

LÖRRACH. Angliederung des Elsass, politische Extreme und künstlerischer Aufbruch: Das sind nur einige Aspekte der vielschichtigen Ausstellungsreihe "Le tournant – Zeitenwende 1918/19". Zahlreiche Museen beschäftigen sich 100 Jahre später mit dem Thema. Das Dreiländermuseum koordiniert die Reihe. Dort beginnt am Freitag die gleichnamige Sonderausstellung.

Plötzlich ist es vorbei mit den offenen Grenzen. Nach dem Ersten Weltkrieg müssen die Menschen am Oberrhein Kontrollen über sich ergehen lassen, wenn sie das Land wechseln wollen. Es stellt sich die Frage: Wollen wir in einem geeinten Europa leben oder abgeschottet in den Nationalstaaten? "Das zeigt, wie aktuell die Thematik auch 100 Jahre später noch ist", sagt Hubert Bernnat bei einem Presserundgang. Er hat die Ausstellung federführend als Historiker begleitet.

Es ist ein großes Projekt, das vier Jahre Vorlauf hatte. Beteiligt sind 29 weitere Museen in Frankreich, Deutschland und der Schweiz. "Die Initiative ging von uns aus", sagt Markus Moehring, Leiter des Projekts und des Dreiländermuseums. Den Ersten Weltkrieg hatte das Netzwerk Museen bereits 2014 thematisiert. Nun stehen das Ende und damit die Folgen des Krieges im Mittelpunkt. Wie beim vorigen Mal fanden regelmäßig Besprechungen statt. Das Lörracher Haus habe in dem Prozess die Moderatorenrolle eingenommen, so Moehring. "Es war anfangs nicht selbstverständlich, dass große Häuser nach Lörrach kamen. Aber mittlerweile wissen alle, dass sie hier den Kontakt zu den Kollegen aus den Nachbarländern bekommen." Die Zusammenarbeit sei nicht immer einfach gewesen, aber habe für alle neue Perspektiven eröffnet. So hätten die Franzosen zu Beginn die Reintegration der Elsässer nur vorsichtig angesprochen. Das habe sich mit der Zeit geändert und eine öffentliche Debatte im Elsass angeregt, so Moehring. "Die Ausstellung bei uns soll einen Überblick bieten und Themen anreißen, die in den anderen Häusern vertieft werden", sagt der Leiter. Ein Beispiel sei das Frauenwahlrecht, das im Historischen Museum in Frankfurt am Main ausführlicher behandelt werde. Anders als die übrigen Museen soll die Lörracher Sonderausstellung die Situationen am Oberrhein in der Schweiz, in Frankreich und Deutschland vergleichen. Die Besucher erfahren, wie die Menschen nach Orientierung und Halt gesucht haben. Die dunklen Seiten dieser Zeit sollen nicht verschwiegen werden, aber auch nicht dominieren. Der Fokus soll auf dem Aufbruch in eine moderne Gesellschaft liegen. Diesen neuen Strömungen widmet sich einer der sechs Räume im Dreiländermuseum. Neben einem Strohhut und einem Koffergrammophon hängt das Titelbild einer FKK-Zeitschrift; im Hintergrund laufen Schlager der 1920er-Jahre. Die Zeit nach dem Krieg hat in der Kunst und in der Art des Zusammenlebens neue Impulse gesetzt. Viele Originalexponate veranschaulichen die damalige Situation. Zur großen Ausstellungsreihe erscheint ein Katalog in deutscher und französischer Sprache, in dem die beteiligten Museen zu finden sind.

Info: Überblicksausstellung im Dreiländermuseum: 29. Juni 2018 bis 3. Februar 2019. Weitere Infos zu allen beteiligten Museen gibt es online unter: mehr.bz/zeitenwende