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07. September 2011

Schwere Zeiten überstanden

Die Eisenbacher Firma August Weckermann begeht am Wochenende ihr 125-jähriges Bestehen.

  1. Foto: Gert Brichta

  2. Mehrere An- und Neubauten hat die Firma August Weckermann erstellt. Foto: Gert Brichta

  3. Foto: Gert Brichta

EISENBACH. Die Firma August Weckermann blickt am kommenden Wochenende auf ihre 125-jährige Geschichte zurück. Eigentlich sind es 126 Jahre, doch weil 2009 Seniorchef Karl August Duttlinger II starb, wurde die Feier des Betriebsjubiläums verlegt.

Eisenbach war vor 125 Jahren dünn besiedelt, die meisten Einwohner lebten von der Landwirtschaft, die jedoch nicht immer auskömmlich war. Einige Menschen nutzten ihren Tüftlergeist, der als typisch für den Schwarzwälder gilt. Und so entstand die Schwarzwälder Uhr, damals wie heute ein Qualitätsbegriff. Die Uhrmachertradition geht im Schwarzwald auf das 17. Jahrhundert zurück. Auch August Weckermann durchlief eine Ausbildung zum Uhrmacher.

Als Sohn von Maria und Gregor Weckermann war er nicht auf Seide gebettet. Als Sechsjähriger musste er als Hütejunge auf den Josenhof. Während der Schulzeit musste er stets für das Lebensnotwendige mit sorgen. Nach der Schule und der Lehre arbeitete er in Furtwangen bei der Firma Furtwängler und Söhne. Nach dem Tod seines Vater (1881) und nach der schweren Erkrankung seiner Mutter (1885) kehrte Weckermann nach Eisenbach zurück und übernahm das elterliche Anwesen "’s Goldschmieds" im Untertal am Wiesbachweg. Wenig später begann er, in der Wohnstube und im Schopf sein gewerbliches Unternehmen und belieferte nach kurzer Zeit die Firma Furtwängler mit 600 Weckerfallen. Seine Frau Theresia unterstützte ihn. Die ersten Lehrbuben wurden 1892 eingestellt und ausgebildet. Sie erlernten das Uhrmacherhandwerk, mussten aber auch im Stall und auf dem Feld helfen. Benehmen und Tischsitten brachten ihnen Onkel und Tante (allseitige Bezeichnung von August und Theresia Weckermann) bei Tisch bei.

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Nach der Jahrhundertwende kam August Weckermanns Neffe, Karl August Duttlinger I., nach Eisenbach, ebenso Ferdinand Koch und Ida Koch (spätere Duttlinger). Weckermanns blieben kinderlos, eine große Familie waren sie dennoch. Nach dem Ersten Weltkrieg übergab August Weckermann seinen Betrieb an Karl August Duttlinger I. und Ferdinand Koch. I m Februar 1920 erfolgte der Umzug noch weit ins Untertal, dem heutigen Sitz, damals der Familie Reiner gehörig. In eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt, wurde das Unternehmen von beiden weitergeführt, 1926 schied Ferdinand Koch aus der Geschäftsleitung aus. Schwere Zeiten waren es, Reparationszahlungen, die Inflation sowie die Weltwirtschaftskrise 1929 erforderten hohen persönlichen Einsatz aller Beteiligten. Doch es kam ganz hart, denn Karl August Duttlinger I. starb 1932 und hinterließ seine Frau Ida mit ihren Kindern Maria, Ferdinand und Karl August II.

Mit wenig Erfahrung in wirtschaftlichen Dingen stand Ida Duttlinger oft vor Problemen. Unterstützt wurde sie von ihrem Sohn Ferdinand und ihrem späteren Schwiegersohn Stefan Willmann. Erschwernisse ergaben sich für sie in der NS-Zeit, da sie nicht Parteimitglied war und deshalb schleppende Belieferung mit Material oder ausbleibende Aufträge in Kauf nehmen musste. Stefan Willmann, der kurz vor dem Zweiten Weltkrieg die Tochter Maria geheiratet hatte und als Meister im Betrieb tätig war, konnte während des Kriegs im Unternehmen weiter wirken. Er war ein Glücksfall und hatte wesentliche Verdienste am Überleben des Unternehmens.

Eigentlich hätte Ferdinand Duttlinger das Unternehmen nach dem Krieg weiterführen sollen, doch er kehrte nicht heim. Stattdessen übernahm Karl August II. die Unternehmensleitung, obwohl er eigentlich Lehrer für Mathematik und Musik werden wollte. 1952 wurde eine Kommanditgesellschaft zusammen mit Karl August Duttlinger II und Maria Willmann gegründet. Karl August Duttlinger II heiratete Elfriede Dietsche, Sohn Karl Josef übernahm nach seinem Studium als Diplomwirtschaftsingenieur an der TU Karlsruhe und führt das Unternehmen seines Vaters fort. Vom reinen Uhrenzulieferer entwickelte sich das Unternehmen bis heute zum Spezialisten für Metallverarbeitung. Erfinderischer Geist und Ehrgeiz ließen es gewaltig anwachsen und allen Krisen trotzen. Kurzarbeit oder Entlassungen waren Fremdworte in der August Weckermann KG, die heute mehr als 150 Beschäftigte zählt.

Autor: Gert Brichta