Selbstgemachte Kultur

Gert Brichta

Von Gert Brichta

Di, 29. Oktober 2013

Eisenbach (Hochschw.)

Offene Bühne in Eisenbach großer Erfolg / Stehende Ovationen für Thomas Schwörer.

EISENBACH. "Die offene Bühne" lockte am Wochenende Interessenten nicht nur aus Eisenbach, sondern aus der ganzen Umgebung an. Viele fanden ihren Weg in das Bubenbacher Haus des Gastes. Der Zuschauersaal war voll, sehr zur Freude von Thomas Schwörer, der mit dem Förderkreis Kreatives Eisenbach die Idee für diese Veranstaltung entwickelt und organisiert hatte.

Es folgte ein Abend mit Laien, die freiwillig auf die Bühne gingen, musizierten, vorlasen oder selbstgeschriebene Vorträge zum Besten gaben. Den schwierigsten Part hatte wohl die erste Gruppe, die "MiniBand", die das Eis brechen musste. Rund zehn junge Menschen aus dem Eisenbacher Musikverein, die mit fetzigen Rhythmen die Zuhörer in ihren Bann zogen. Die talentierten jungen Menschen begeisterten mit selbst umgeschriebener Rock- und Popmusik.

Der erste Vortragskünstler war Paul Wangler, alteingesessener Eisenbacher, bekannt als früherer Narrenvater. Sein Humor und Esprit verzauberten schon bei vielen Veranstaltungen das Publikum. Er reflektierte über das Rentnerdasein in Verbindung mit den Medien. Er zeigte, wie der Alltag eines Rentners abläuft, der morgens aufsteht und unmittelbar seinem Freund per SMS mitteilt: "Bin jetzt uffg’stande. Gruß P."

Erst mailen, dann essen

So gehöre es zum Ritual, bereits vor dem Frühstück die E-Mails zu checken. Herzerfrischend beleuchtete er den Umgang mit iPod und Smartphones. "Wenn ich in d’Neustadt uf mim Handy die nette Toilette such, so zeigt mir min Handy d’ Weg nach Titisee".

Wer bei Joachim Hacker, Eisenbachs früherem Landarzt, dachte, dass der eher ernst und sachlich wirkende Doktor intellektuell schwere Kost darbieten würde, sah sich getäuscht. Hacker bestach mit heiteren Kurzgeschichten, die zum Teil in der Schreibwerkstatt eines Dorfschreibers entstanden sind, wie auch solchen aus eigener Feder. Ob es der "Yeti mit dem Blaubären" einer dezent erotischen Story war, Hacker sorgte mit seinen Geschichten für Lacher.

Annette Scherzinger, eine Musiktherapeutin, lud ein zum integrativen Singen. Ein einfacher Text, begleitet auf der Gitarre, das Publikum wurde zum Mitsingen aufgefordert. Ein musikalisches Mantra, das genussvoll vom Auditorium angenommen wurde.

Und dann war noch Maritta Maier, jene Bubenbacherin, die bei den Bunten Abenden des Elferrats für närrische Ausgelassenheit sorgt. Sie besann sich in ihrem Vortrag auf einen Leitgedanken mit dem Thema "Merkwürdiges". Die literarische Betrachtung dieses Wortes sei hochgeistig, leider sei Marcel Reich-Ranicki gestorben, "aber irgend epper mues selle Arbeit schließlich fortsetzen", meinte sie. Besonderes zu würdigen und sich zu merken, so die Literatin, dies sei merkwürdig.

Überzogene Tierwerbung

Überspanntes und Überzogenes aus der ernährungs- und unterhaltungstherapeutischen Tierwerbung schilderte sie in schillernden Farben, die Lachmuskeln der Zuhörer wurden in einem Höchstmaß strapaziert.

Musikalisch ging es mit Christian Echsle weiter, einem Vollblutmusiker aus dem Kleinen Wiesental, der vor zwei Jahrzehnten in Löffingen seine Wahlheimat gefunden hat. Aus der Rockgruppe "T-Ropes" ist er als Gitarrist bekannt, in Bubenbach trat er als alemannischer Liedermacher auf.

Musikalische Akzente

Den Abschluss setzten Petra Küfner und ihr Lebensgefährte Markus Wangler, der Sohn von Paul Wangler, der als Programmierer in Augsburg tätig ist und somit den längsten Anfahrtsweg hatte. Mit Gitarre, Ukulele, Flöte und Akkordeon spielten die beiden altes deutsches Liedgut, luden ein zu musikalischen Leckerbissen, in welchem poetische deutsche (Volks-) Lieder und lyrische Texte verfeinert wurden, dies mit Klängen ferner Länder und einem Hauch Sehnsucht angereichert. Fernsehreif war dieser Auftritt und ein perfekter Schlusspunkt für einen Abend, auf dessen Fortsetzung man sich heute schon freuen kann.

Beim großen Finale wurde Thomas Schwörer gewürdigt, dem dieser vierstündige Abend zu verdanken war. Er ließ seine Beziehungen spielen und hatte die Nase dafür, wer in diesen Rahmen hineinpasst. Rockmusiker Christian Echsle meinte, so etwas bekomme nur der "Schwö" hin, er sei der Bruce Springsteen vom Buebach. Das Publikum bedankte sich mit stehendem Applaus.