Tödliche Testfahrt

Mit Tempo 300 in den Tod

Moritz Lehmann

Von Moritz Lehmann

Di, 08. Mai 2018

Elsass

Der Elsässer "Raketen-Radler" François Gissy stirbt beim Testlauf für einen Weltrekordversuch.

FREIBURG. Der Extremsportler François Gissy ist im elsässischen Munchhouse bei Tempo 300 tödlich verunglückt. Seine Familie wurde Zeuge des tragischen Unfalls. Gissy hatte versucht, in einem raketenbetriebenen Dreirad eine Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern zu erreichen – und damit seinen eigenen Weltrekord zu brechen.

Der 36-jährige "Raketen-Radler" François Gissy wurde bekannt, weil er im Jahr 2014 sein eigens dafür angefertigtes Fahrrad mit aufmontiertem Raketenantrieb in 4,8 Sekunden auf 333 Stundenkilometer beschleunigt hatte – ein Weltrekord. Dabei ließ Gissy einen Ferrari F430 alt aussehen, der gegen ihn angetreten war. Drei Raketentriebwerke, die mit hochkonzentriertem Wasserstoffperoxid betrieben werden, machten die hohe Beschleunigung möglich.

Mit einem ebenfalls raketenbetriebenen Tribike, einem Dreirad, wollte Gissy eine Geschwindigkeit von 400 Stundenkilometern erreichen. Bei dem Testlauf für einen weiteren Rekordversuch auf einem alten Militärflugplatz in Munchhouse am Samstagmorgen verlor Gissy die Kontrolle über das Fahrzeug. Dies berichtet die französische Zeitung Dernières Nouvelles d’Alsace (DNA).

Mit einer Geschwindigkeit von etwa 300 Stundenkilometern raste Gissy einen Abhang hinunter und prallte gegen einen Erdwall. Auch die umgehend alarmierten Rettungskräfte, die ihn per Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus brachten, konnten den Raketenradler nicht mehr retten.

Mehrere Familienmitglieder Gissys waren bei dem missglückten Testlauf zugegen. Sie mussten mit ansehen, wie Gissy verunglückte. So auch Bernard Gissy, der Bruder des Verunglückten, der sich auf Facebook mit einem bewegenden Nachruf auf seinen kleinen Bruder zu Wort meldete. "Die Risiken waren enorm", schreibt Bernard Gissy in seinem Nachruf, "aber das war sein ganzes Leben."

François Gissy habe die letzten zehn Jahre seines Lebens ausschließlich der Entwicklung seiner Raketenmotoren gewidmet. "Nichts hätte ihn aufhalten können. Seine Leidenschaft war sein Tod."

Bernard Gissy verweist in seinem Facebook-Nachruf auch auf ein kurzes, auf der Plattform Youtube veröffentlichtes Video, welches den letzten Start seines Bruders zeigt – kurz bevor dieser tödlich verunglückte.

Warum der Raktenradler die Kontrolle verlor, ist derzeit noch unklar. Der Zeitung DNA zufolge wertet die Polizei noch Videomaterial aus. Gissy hatte auf seinem Fahrzeug offenbar mehrere Go-Pro Kameras angebracht. Freunde von Gissy waren dabei, einen Film über den Raketenradler zu drehen.