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26. Juni 2012

Der Schatz im eigenen Garten

In Preuschdorf im Elsass wurden vor sieben Jahren Münzen gefunden – nun kommt Licht in das Dunkel ihrer Herkunft.

  1. Unter der Kruste verbergen die Münzen ihr Geheimnis. Foto: NÜCKLES

PREUSCHDORF. Sieben Jahre nach dem Münzfund von Preuschdorf ist die Herkunft der meisten der 7270 Geldstücke aus dem 16. und 17. Jahrhundert geklärt. Unklar ist, weshalb sie vergraben wurden.

Als der Mann beim Aushub für einen Obstbaum im eigenen Garten am 15. Januar 2005 einen Tonkrug zu Tage förderte, wusste er sofort: Die Unmengen Fünf-Cent-großer Geldstücke in den Scherben des Krugs waren keine gewöhnliche Entdeckung.

Sieben Jahre später weiß Ulrich Klein, bis zu seinem Ruhestand vor vier Jahren drei Jahrzehnte lang am Münzkabinett im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart tätig, woher die 7270 Pfennige stammen. Klein hat im Auftrag der elsässischen Behörden die Stücke datiert. Dabei hat er sie 23 verschiedenen Herrschergeschlechtern und Hoheitsgebieten in Deutschland, Frankreich und der Schweiz zugeordnet.

Im voll besetzten Bürgersaal der 1000 Einwohner kleinen elsässischen Gemeinde erzählt er nun den Bürgern die Geschichte der Münzen, soweit er sie rekonstruieren konnte. Der Hauptteil, sagt er, stamme vom Oberrheingebiet – so zum Beispiel die Straßburger Lilienpfennige und die Münzen aus dem nahen Hagenau mit der eingestanzten Rose. Preuschdorf mit seinen großzügigen Bauernhäusern gehörte zu Beginn des 30-jährigen Krieges zum Herrschaftsgebiet der Grafen von Hanau-Lichtenberg und damit zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation. Auf zahlreichen der Schüsselpfennige – wie die einseitig geprägten und deshalb an eine flache Mulde erinnernden, zwischen 12 und 14 Millimeter kleinen Münzen, genannt werden – entdeckte er das "P" Phillips V. von Hanau-Lichtenberg. "Kleingeld" sagt er, "wie es im Barock tagtäglich gebraucht wurde." Kleingeld, wie es Johann Kasimir von der Pfalz, die Markgrafen von Baden, der Erzbischof von Köln, die Grafschaft Nassau, die Städte Mainz, Kaufbeuren, Ulm, Kempten, Nürnberg, Sachsen, Konstanz und Überlingen prägen ließen. Sie alle hat Klein im Münzschatz von Preuschdorf nachgewiesen, die jüngste Münze stammt aus dem Jahr 1621. Den Fund, der den weitesten Weg hinter sich hatte, ein Pfennig aus Danzig, datierte er auf 1590. Auch Hunderte gefälschter Münzen waren darunter, etwa aus dem schweizerischen Chur, die, sagt Klein, für den Export geprägt worden seien. Ulrich Klein hat im Preuschdorfer Fund auch Münzen entdeckt, die er in seiner Laufbahn niemals zuvor zu Gesicht bekommen hatte.

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Anfangs machte eine grüne Oxidationsschicht, Ausweis einer schlechten Qualität der Silber-Kupfer-Legierung, die Münzen unkenntlich. Bis heute wurde erst ein Zehntel der Stücke gereinigt, um unter der Kruste die Wappen, Initialen und Prägedaten aufzudecken. Alle wurden für eine Röntgenaufnahme nach Paris in das Labor des Louvre gefahren.

Warum ein Unbekannter um die Anfangsjahre des 30-jährigen Krieges ein Leinensäckchen voller Pfennige in einem Krug vergraben hat? "Um 1609 wurde die Pfennigprägung verboten", erwägt Klein. "Ab sofort war dieses Geld in zu großer Menge vorhanden." Mehr weiß man leider auch nach der Analyse nicht mit Sicherheit. Dafür umso mehr über das enthaltene Falschgeld. Im Falle der Preuschdorfer Schüsselpfennige, das haben französische Archäologen in einer Werkstatt für experimentelle Archäologie nachgewiesen, versuchten die Fälscher, eine silbrige Oberfläche zu imitieren und die Prägung bestimmter Münzen nachzuahmen. Der Finder von Preuschdorf allerdings wurde mit richtigem Geld entlohnt, mit einer Summe, heißt es, die voll und ganz dem Marktwert entsprochen habe.

Autor: Bärbel Nückles