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18. März 2014 08:31 Uhr

Protest

Greenpeace-Aktivisten besetzen AKW Fessenheim

Am Dienstag haben 60 Greenpeace-Aktivisten mit einem 19-Tonner-LKW die Absperrung des AKW Fessenheim durchbrochen. Mit einer Brückenkonstruktion gelangten sie dann über den Stacheldrahtzaun zum Reaktor. Die Polizei löste die Aktion am Mittag auf.

  1. Die Aktivisten von Greenpeace gelangen mit einfachsten Mitteln auf das Gelände des Atomkraftwerks in Fessenheim. Foto: Greenpeace.fr

  2. Die Aktivisten protestieren auf dem AKW-Gelände. Foto: Greenpeace.fr

  3. Das Greenpeace-Banner am Reaktorgebäude 1 Foto: AFP

  4. Ein Protestant am Eingang des Kernkraftwerks. Foto: AFP

  5. Ein Polizeihubschrauber kreist über Fessenheim Foto: AFP

  6. Im Morgengrauen gingen die Demonstranten über eine selbstgebaute Brücke aufs AKW-Gelände Foto: Bente Stachowske

Die Entwicklung zum Nachlesen

13.09 Uhr: Pressekonferenz mit Thierry Rosso, dem Direktor des AKW Fessenheim. Rosso nennt Details, wie die Aktivisten zum Reaktorgebäude vordringen konnten: Mit einem 19-Tonner brachen sie durch die erste Absperrung, bestehend aus Metalltoren. Der Laster hatte nicht nur die Aktivisten geladen, sondern auch den Container, der später den "Brückenkopf" bildete, um über den Stacheldraht zu kommen.
Die Polizei vor Ort – schwer bewaffnet – habe die Eindringlinge sofort registriert, jedoch nicht geschossen, da erkennbar war, dass es sich um friedliche Aktivisten handelte. Rosso behauptet, es habe zu keinem Zeitpunkt ein Sicherheitsrisiko bestanden. Die Demonstranten seien nur aufs Dach des Reaktorgebäudes geklettert, einen Zugang in die Räumlichkeiten hätten sie nicht gehabt.

Inzwischen hat die Polizei die Demonstranten auf dem Gelände festgenommen. Dabei wurden drei der Aktivisten verletzt. Sie hatten sich an einem Absperrgitter festgehalten. Ob die Aggression von der Polizei ausging, konnte noch nicht geklärt werden.

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"Die Sicherheitsleute haben unsere Aktion am Zaun nicht bemerkt." Greenpeace-Aktivist
12.45 Uhr: "Es ist überraschend zu sehen, wie leicht eine Anlage, die so viel radioaktives Inventar har, einzunehmen ist. Das ist erschreckend, wenn man es vor dem Hintergrund einer möglichen terroristischen Aktion sieht", sagt Greenpeace-Aktivistin Susanne Neubronner der Badischen Zeitung – und betont, dass die Besetzer gewaltfrei auf das Gelände des Kraftwerks eingedrungen seien.

Ein Aktivist, der am Morgen mit dabei war, berichtet der Badischen Zeitung: "Wir sind sehr leise unterwegs gewesen. Die Sicherheitsleute haben unsere Aktion am Zaun nicht bemerkt. Mit unserer Konstruktion konnten wir gleich mehrere Sicherheitszäune auf einmal überwinden könne. Letztlich waren wir schon überrascht, wie einfach es ging."

12.36: Aktuelle Fotos von der Greenpeace-Aktion im Atomkraftwerk Fessenheim.



12.30 Uhr: Der Twitter-Account von Greenpeace verkündet zurzeit keine neuen Entwicklungen. Die Umweltschützer sind damit schon seit mehr als sechs Stunden auf dem Areal der Atomanlage am Rhein.

12.12 Uhr: Schwimmbanner und Kletterer – die Kombination aus zwei Protest-Elementen hat die Greenpeace-Aktion zu einer logistischen Herausforderung gemacht. Auf dem Liveticker der Greenpeace-Homepage schwingt durchaus ein bisschen Stolz auf den gelungenen Coup mit.

11.53 Uhr: Vor knapp zwei Wochen erst hatten Greenpeace-Aktivisten das schweizerische Kernkraftwerk Beznau und weitere Meiler in Europa besetzt. Der Protest in Fessenheim ist wohl auch deshalb eine isolierte Aktion, weil das elsässische Kraftwerk als besonders störanfällig gilt.

11.35 Uhr: Für Gesprächsstoff sorgt bei Anti-AKW-Aktivisten nicht nur die Tatsache, dass 60 Greenpeace-Leute unbemerkt auf das Fessenheim-Gelände eindringen konnten. Sondern auch die Feststellung, dass Terroristen es wohl ähnlich leicht gehabt hätten.

11.12 Uhr: Die fünf Greenpeace-Schlauchboote sind auf dem Rheinseitenkanal am AKW Fessenheim angelangt. Zwölf Aktivisten befinden sich auf den Booten, darunter zwei Taucher, die nun ins Wasser springen. Zwischen zwei Booten entfalten die Taucher ein Anti-Atomkraft Banner. Die Polizei schaut sich die Aktion in passiver Haltung an. Es entsteht der Eindruck, dass sie nicht in der Lage ist, einzugreifen.

11.10 Uhr: Während die Pressevertreter die Greenpeace-Aktion beobachten, hält sich die französische Polizei dezent zurück. Sie kontrollieren die Ausweise der Journalisten, beobachten das Geschehen auf dem Gelände und sorgen dafür, dass niemand in den Rhein fällt. Auskunft über den Einsatz will uns vor Ort aber keiner der Beamten geben.

11.06 Uhr: Fünf Schlauchboote von Greenpeace nähern sich in hoher Geschwindigkeit auf dem Rheinseitenkanal, von Süden kommend. Ein Schlauchboot der Polizei fährt den Demonstranten entgegen. Ein Polizeihubschrauber kreist über dem Areal. Auch Greenpeace hat einen Hubschrauber im Einsatz.

10.50 Uhr: Die sorgfältig geplante Aktion startete um 6 Uhr. Offenbar hatte das Wachpersonal die 60 Eindringlinge nicht bemerkt. Dies wirft die Frage auf, ob überhaupt eine Videoüberwachung existiert. Die Greenpeace-Demonstranten gehen davon aus, dass sie wegen Hausfriedensbruchs angezeigt werden. Das Protestbanner ist inzwischen eingerollt worden, die beiden Demonstranten am Banner haben sich abgeseilt.

9.52 Uhr: Etwa sechs Mitarbeiter der Électricité de France stehen auf dem Reaktorgebäude. Ein Polizeihubschrauber hat eine weitere Person über eine Rettungsleine auf das Reaktorgebäude 1 hinabgelassen. Die Mitarbeiter versuchen, das 14 mal 15 Meter große Protestbanner abzunehmen. Das können sie aber nicht, da sich zwei Greenpeace-Aktivisten am Banner festgezurrt haben. Die beiden Demonstranten hängen in Klettergurten zwei Meter unter dem Transparent – und zirka 20 Meter über dem Boden.

Vor dem Atomkraftwerk haben sich etwa 30 Schaulustige versammelt, dazu fünf Kamerateams. Zehn Polizisten sind vor Ort, vier Aktivisten stehen vor dem Eingang. Die Lage ist entspannt.

Ein französischer Greenpeace-Aktivist berichtet, er sei darüber erschreckt gewesen, wie einfach es war, den Stacheldraht zu überwinden und das Atomkraftwerk zu besetzen.

Aktion begann am Dienstagfrüh

Seit Dienstagmorgen demonstrieren rund 60 Aktivisten von Greenpeace aus 14 Nationen auf dem Gelände des Atomkraftwerks Fessenheim. 20 von ihnen sind auf das Reaktorgebäude geklettert. Die in gelb gekleideten Demonstranten gelangten im Morgengrauen mit einer selbstgebauten Brücke von einem Container aus über den Stacheldrahtzaun auf das Gelände des Atomkraftwerks.



Die Aktivisten haben ein Banner mit der Aufschrift " Stop risking Europe " neben dem Reaktorgebäude 1 aufgehängt. Ein Foto zeigt die Stelle, außerdem sind etwa fünf bis sechs Aktivisten auf einer Plattform neben dem Gebäude zu sehen. Weitere Demonstranten hätten sich zum Zwischenlager in einem Wasserbassin in dem Reaktor begeben, teilte Greenpeace mit. Wie schon bei der Besetzung des AKW Beznau am 5. März verwundert es, wie leicht es den Aktivisten möglich war, die verschiedenen Bereiche des Atomkraftwerks zu entern.

Adressaten beim europäischen Energiegipfel

Zwei Tage vor dem europäischen Energiegipfel am 20. März verlangen die Besetzer vom französischen Staatspräsidenten François Hollande und Bundeskanzlerin Angela Merkel, sich für eine wirkliche Energiewende in Europa einzusetzen und sich vom nuklearen Risiko zu verabschieden. Beide sollten sich dafür stark machen, dass bis 2030 rund 45 Prozent der erzeugten Energie in Europa aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.

Die Aktion richte sich besonders gegen die alternden Atomkraftwerke in Frankreich, sagte Greenpeace-Sprecherin Cyrille Cormier. Ziel sei aber auch, die Kohlekraftwerke in Deutschland und in Osteuropa abzuschalten und endlich eine kräftige Entwicklung der erneuerbaren Energien in ganz Europa ins Auge zu fassen. Dies sei die einzige Alternative, die nebenbei auch dabei helfe, Arbeitsplätze zu schaffen und die Wirtschaft zu beleben.

"Das Werk in Fessenheim ist ein Symbol ", sagte Cyrille Cormier. Die in Aussicht gestellte Schließung des AKW Fessenheim bis Ende 2016 dürfe nur die erste in einer ganzen Reihe von AKW-Stilllegungen in ganz Europa sein; damit könnten die Unfallrisiken und die finanziellen Risiken, die mit dem Altern der Atomkraftwerke einhergehen, begrenzt und die Energiewende endlich angeschoben werden.

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Autor: Rainer Ruther, Oliver Huber, David Weigend, Karl Heidegger, aktualisiert um 13.09 Uhr