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19. Dezember 2009 00:23 Uhr

Zehnjahresinspektion

Im leeren Herzen des Atomreaktors Fessenheim

Im Atomkraftwerk Fessenheim findet die Zehnjahresinspektion statt – die dritte seit Bestehen der Anlage. Diese Überprüfung des 32 Jahre alten Kraftwerks ist in der entscheidenden Phase.

Der Zustand des Druckbehälters wird von einem Roboter zehn Tage lang untersucht. Läuft alles planmäßig, geht Block eins Ende Januar vorläufig wieder ans Netz. Erst 2011 geben die Atomaufsicht und das französische Industrieministerium ihr Votum über die Laufzeitverlängerung des Reaktors in Frankreichs ältestem Kernkraftwerk ab.

"Zone Orange": In dieser nuklearen Zone des fessenheimer Atomkraftwerks reibt sich niemand die Nase. Jede Bewegung, die radioaktiven Staub verteilen könnte, ist zu unterlassen. Der Weg nach drinnen ist eine Abfolge vorgeschriebener Einzelschritte. Sicherheitsschuhe sind anzuziehen, drei Kontrollschranken müssen passiert werden – und das Dosimeter muss in der Brusttasche des weißen Overalls verstaut sein. Durch die Stöpsel im Ohr dringen nur noch leises Brummen und die Stimme des Inspektionsleiters. Olivier Costes sieht vom Etagengitter in 20 Meter Höhe hinab in die Tiefe und erklärt: "Der Druckbehälter ist jetzt geöffnet." 10,33 Meter Höhe auf vier Meter Durchmesser misst das Druckgefäß, das Herzstück des Reaktors, in dem normalerweise radioaktives Material Energie erzeugt. Millimeter für Millimeter suchen die Greifarme des Roboters MIS – die Abkürzung steht für die französische Entsprechung von "Inspektionsmaschine" – die Wand aus Inox und schwarzem Stahl ab. Allein drei Tage braucht es, bis MS aufgebaut ist. Auf den Etagen im Reaktorgebäude und zwischen den zusätzlich aufgebauten Gerüsten (Gesamtgewicht 6000 Tonnen) herrscht betriebsame Ruhe trotz der mehr als 2000 Menschen, die im abgeschalteten Kraftwerk und auf dem Gelände unterwegs sind.

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Seit dem 17. Oktober steht Block eins wegen der Inspektion still. Ingenieure, Techniker und Arbeiter folgen bei der Überprüfung der Sicherheit des Atomkraftwerks genauen Vorgaben. Und seit Dienstag hat die Revision ihre zweite entscheidende Etappe erreicht. Zuvor hatte der Primärkreislauf mit den drei Dampfgeneratoren samt Zuleitungen einen Drucktest mit 207 statt der normalen 155 Bar standhalten müssen. "Wir haben nur wenige Tage Rückstand im Zeitplan", sagt AKW-Direktor Philippe Bainier über die Arbeiten der vergangenen zwei Monate. 64 Millionen Euro investiert sein Arbeitgeber, der Energiekonzern Electricité de France, in die Modernisierung der Anlage.

Im Inneren des 55 Meter hohen Reaktorturms liefern Spezialkameras an den Greifarmen des Roboters exakte Bilder der Oberfläche, dazu werden Schallwellen durch den 20 Zentimeter dicken Stahl geschickt und die Schweißnähte durchleuchtet. Auf diese Weise wird der Zustand der Bauten und Installationen dokumentiert. Durch den Vergleich mit den Ergebnissen vor zehn und 20 Jahren geben die Daten Aufschluss über die Alterung des Materials. "Die Ingenieurtechnik hat immense Fortschritte gemacht", sagt Bainier. Durch neue, hoch entwickelte Geräte und verfeinerte Methoden erhoffen sich die Ingenieure bessere Prognosen.

Irreparable Schäden wie vergrößerte Risse in den Wänden des Druckgefäßes könnten die Stilllegung des AKW bedeuten. Denn dieses Herz des Meilers kann nicht ausgetauscht werden. Draußen in der Winterkälte sitzt Horst Ellmer im mobilen Kontrollraum und steuert die Operation im Inneren des geleerten Druckbehälters. Sechs Bildschirme hat er im Blick und sagt: "Was wir hier tun? Wir versuchen herauszufinden, welche Grenzen die Belastbarkeit des Materials hat."

Inspektion in Fessenheim

Zum dritten Mal wird Block eins des Kernkraftwerks Fessenheim in diesen Wochen einer grundlegenden Überprüfung unterzogen. Vom Rhein aus gesehen handelt es sich um den linken der beiden Türme. An die zweite wichtige Etappe, die Kontrolle des Druckbehälters, schließt sich ein Drucktest des Reaktorgebäudes an. Unter vierfachem atmosphärischem Druck soll dabei dessen Stabilität nachgewiesen werden. Insgesamt müssen zwischen Mitte Oktober und Ende Januar 17 000 Einzeltests abgearbeitet und dokumentiert werden. In der zweiten Jahreshälfte 2010 beginnt die Inspektion des zweiten Reaktorblocks.

Autor: Bärbel Nückles