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16. Dezember 2011

Delphine Wespiser

Miss Frankreich redet sich um Kopf und Krönchen

Delphine Wespiser spricht auf Wunsch gern Elsässisch, was den Rest des Landes weniger erfreut / Manipulationsvorwürfe bei der Wahl zur Miss Oberelsass.

  1. Delphine Wespiser Foto: afp

STRASSBURG. Wenige Tage, bevor die vor zwei Wochen gekrönte Miss France 2012 in ihrer Heimatregion Elsass zurück erwartet wird, sorgt die Schönheit aus dem Sundgau, die 19-jährige Delphine Wespiser gleich aus zweierlei Gründen für Schlagzeilen.

Nun ist es für eine Elsässerin ihrer Generation nicht mehr selbstverständlich, dass sie ihren heimischen Dialekt beherrscht. Delphine Wespiser kann das aber und bei jedem ihrer Auftritte in den französischen – zumal Pariser Medien – fordern die Journalisten sie auf, ein paar Mundartsätze kundzutun. Sie quittiert die Aufforderungen mit einem charmanten Lächeln, rückt das Krönchen zurecht und plaudert drauflos. Bei dem einen oder anderen französischen Komiker hat so viel Unbefangenheit prompt hämische Kommentare provoziert.

Bis auf den Dialekt sei sie ja reizend anzusehen, aber nein, das sei zu deutsch. Im Internet geriet die Tonart der Reaktionen bösartiger. Auch im Elsass gibt es durchaus kritische Stimmen. "Was soll das überhaupt, im Fernsehen Elsässisch zu sprechen?", ereiferte sich Robert Grossmann, früherer Straßburger Stadtgemeinschaftspräsident und Gemeinderat, barsch.

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Justin Vogel hingegen, Präsident des Amtes für die elsässische Sprache und Kultur sowie Vizepräsident des Regionalrates, gehört zu jenen, die vielmehr große Hoffnungen in die Dialekt sprechende Miss France setzten. Für ihn ist sie die ideale Botschafterin für die – wie man in Frankreich die Dialekte gerne tituliert – Regionalsprache. Wespiser, die aus Magstatt-le-Bas im Sundgau stammt, ist nicht nur jung und hübsch, sie absolviert auch einen trinationalen Managementstudiengang, ist zweisprachig, karrierebewusst,verkörpert also genau das, was Vogel und andere Verfechter der zweisprachigen Kultur im Elsass fördern wollen.

Doch bislang kam die Botschaft von Delphine Wespiser – wie Vogel sie versandt haben möchte – bei den Empfängern noch nicht so richtig an. Dass ein paar Sätze Elsässisch so viele Empfindlichkeiten zu Tage bringen, zeigt, dass die französisch-elsässischen Wunden der Vergangenheit zweifelsohne noch nicht verheilt sind, und man muss weit zurückblicken, um das zu verstehen.

Das Elsass hat über die Jahrhunderte eine sehr wechselhafte Entwicklung durchmachen müssen. Immer wieder war es zwischen Deutschen und Franzosen umkämpft. Gleich mehrfach mussten die Elsässer deswegen die Nationalität wechseln, mal waren sie deutsch, mal französisch. 1940 besetzten die Nationalsozialisten das Elsass, erst nach dem Krieg wurden die Elsässer endgültig zu Franzosen. Dennoch hatten selbst die im Zweiten Weltkrieg ins französische Inland geflohenen Elsässer Mühe, als Franzosen akzeptiert und aufgenommen zu werden. Später rangen die elsässischen zwangseingezogenen Soldaten um ihre Anerkennung als Kriegsopfer der Nazis.

Die französische Sprach- und Kulturpolitik unterdrückte nach dem Zweiten Weltkrieg alles, was an den ehemaligen Kriegsgegner erinnern konnte – auch den elsässischen Dialekt als teil des Alemannischen.

Dem öffentlichen Bild der rothaarigen Miss France 2012 könnte allerdings eine andere Nachricht mehr schaden. Die Straßburger Zeitung Dernières Nouvelles d’Alsace berichtet von Manipulationsvorwürfen im Zusammenhang mit der Wahl zur Miss Haut-Rhin (Oberelsass), aus der Wespiser siegreich hervorging.

Bereits kurz nach der nationalen Wahl im bretonischen Brest vor knapp zwei Wochen klagte eine andere junge Elsässerin, die Wespiser beim Entscheid zur Miss Haut-Rhin unterlegen war, an, die Wahl sei beeinflusst worden. Nun behauptet das elsässische Miss-Wahlen-Komitee, seine Vorsitzende habe Druck gemacht, um ein Votum zugunsten von Delphine Wespiser zu erwirken. Ein Jury-Mitglied bestätigt die Vorwürfe. Wespisers Konkurrentin sei durch ein Veto der Jury-Präsidentin ausgeknockt worden, weil sie das Kleid eines Sponsors anfangs nicht habe tragen wollen. Nicht bekannt ist bislang, ob Miss France deswegen der Entzug ihres Titels droht.

Autor: Bärbel Nückles