Bau des Nahwärmenetzes kann beginnen

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Sa, 05. November 2016

Elzach

Spatenstich in Elzach / Versorgung der Kernstadt als Ziel / Anerkennung vom Landesumweltministerium für das "Musterprojekt" / Drei Jahre für Netzverlegung.

ELZACH. Die dick isolierten, zwei Leitungen umschließenden Röhren lagen in der Freiburger Straße schon bereit. Davor versammelt hatten sich etwa 100 Bürgerinnen und Bürger, unter ihnen viele anschlusswillige Anlieger. Sie alle waren gekommen, um dem Spatenstich beizuwohnen, mit dem die Verlegearbeiten am Elzacher Nahwärmenetz nun beginnen. Einer der Ehrengäste war Helmfried Meinel, Ministerialdirektor und Amtschef des Landesumweltministeriums, der Elzach zu diesem "Musterprojekt" und dem "Mut zur Innovation" beglückwünschte.

Bürgermeister Roland Tibi hob das "ehrenamtliche Engagement" des vierköpfigen Vorstands der Nahwärmegenossenschaft (NGE) hervor. Durch deren Arbeit sei aus dem ursprünglichen Quartierskonzept der Stadt "die große Idee einer Stadtversorgung" geworden, die jetzt Realität werde. Die Stadt habe hohes Interesse an dieser Wärmeversorgung mit dem eigenen Rohstoff Holz. Man leiste einen Beitrag zur Energiewende. Es werde erreicht, dass der Energiepreis für Wärme künftig in Elzach von den Mitgliedern der Genossenschaft bestimmt werde. "Dies ist ein Novum", sagte der Bürgermeister, der auch Vorsitzender des Aufsichtsrats der NGE ist.

Ministerialdirektor Meinel sprach über das klimapolitisch gesetzte Ziel der Dekarbonisierung, der nachhaltigen Versorgung ohne fossile Energieträger bis 2050. Um das umzusetzen, müsse zwingend auch im Bereich der Wärmeerzeugung angesetzt werden, die allein für rund 50 Prozent des derzeitigen deutschen Endenergieverbrauchs verantwortlich sei. "Ein Drittel der deutschen Treibhausgasemissionen kommt aus dem Wärmesektor", sagte der Ministerialdirektor. Daher gebe es ohne Wärmewende auch keine wirkliche Energiewende.

Regenerativ und effizient – beides ist wichtig

Er verwies in diesem Zusammenhang auf die baden-württembergische Novelle des Erneuerbare Wärmegesetzes, mit dem man im Gebäudebestand den Anteil regenerativer Energieträger, wie Biomasse oder Solarthermie, erhöhen und die effiziente Nutzung verbessern möchte. Ein besonders geeignetes Instrument, Quellen wie auch Verbrauch großflächig umzustellen, sind Wärmenetze. Sie werden deshalb seit Februar auch über ein neues Landesförderprogramm unterstützt. Meinel teilte mit, dass das Projekt in Elzach darin einbezogen werden kann. Die effiziente Nutzung der Biomasse, das heißt der niedrige Wärmeverlust, ist dafür eine Bedingung. Er appellierte an die Anlieger, durch viele Anschlüsse den ökologischen Nutzen der Netzversorgung zu erhöhen. Anders als etwa in Dänemark, wo ein Anschlusszwang besteht, vertraue man hier auf die Freiwilligkeit.

Diplomingenieur Arnold Berghoff, Projektleiter und Berater der NGE, skizzierte die Ziele und den geplanten Bauablauf in Elzach. Die NGE wird im Endzustand eine fünfmal höhere Leistung erbringen wie ihre Keimzelle, die jetzige HEB (Holzwärme Elzach-Biederbach) mit ihrer Holzhackschnitzelanlage. Die Kernstadt wird von einem Röhrennetz durchzogen sein, in dem erhitztes Wasser zu den Nutzern hin- und abgekühlt zurückfließt. Im März wird dafür nahe der Kläranlage mit dem Neubau einer Heizzentrale begonnen. Dieser werde so dimensioniert sein, dass er die schrittweise Erweiterung der Erzeugungsanlagen aufnehmen kann. Die mit Biomasse betriebenen Anlagen sollen in Elzach einmal die Verfeuerung von 1,2 Millionen Liter Heizöl pro Jahr ersetzen, sagte Berghoff. Für den ersten Netzabschnitt von der Siedlung bis zur Kirche werde dazu zunächst der Betrieb mit einem Holzpelletsvergaser ausreichen. Mit dem in ihm erzeugten Gas wird ein Verbrennungsmotor angetrieben, der etwa 110 Haushalte mit Wärme und 400 mit Strom versorgen wird. Für die beiden folgenden Bauabschnitte ist die Errichtung von zwei Hackschnitzelkesseln, also einer zweiten und dritten Erzeugungsanlage, vorgesehen, mit denen am Ende 300 Neuanschlüsse und die 60 Abschlüsse der HEB bedient werden sollen. (BZ berichtete im September)

Nach den drei Ansprachen griffen Bürgermeister, Ministerialdirektor, die Vorstände und Aufsichtsräte der NGE sowie Vertreter der an der Finanzierung beteiligten Volksbank und Sparkasse zum Spaten und gaben so symbolisch die Bauarbeiten frei. Begleitet wurde der Akt von einer Gruppe Elzacher Blasmusiker mit NGE-Vorstand Nikolaus Dufner an der Tuba.

Für den Landkreis sprach der erste Landesbeamte Hinrich Olenroth. Er bezeichnete das künftige Nahwärmenetz – nach Freiamt – als zweites energiepolitisches "Vorzeigeprojekt im Landkreis". Elzach sei unter Einsatz eigener Ressourcen "auf dem Weg zur autarken Wärmeversorgung". Für Peter Haiss, Vorstand in der NGE, zeigte der Besuch aus dem Ministerium, dass das Elzacher Wärmenetz als zukunftsweisend anerkannt werde. "Dies ist Motivation, weiter voranzugehen", sagte er. Gerechnet wird mit mindestens dreijährigen Verlegungsarbeiten. Haiss versprach eine zügige Durchführung, bat aber auch um Verständnis bei auftretenden Behinderungen.