Durchs Chaos zum glücklichen Ende

Helmut Häringer

Von Helmut Häringer

Sa, 12. Januar 2019

Elzach

Die Theatergruppe des Musikvereins Katzenmoos spielte "Alles, was das Herz begehrt".

ELZACH-KATZENMOOS. Ein Jahreswechsel ohne Theater im "Großen Saal" vom Bürgerhaus Katzenmoos? Unvorstellbar! Auch dieses Jahr hatte die Theatergruppe des Musikvereins ein neues Stück einstudiert und sorgte für beste Unterhaltung mit dem Dreiakter "Alles, was das Herz begehrt" von Beate Irmisch.

Darin geht es um die Familie Schmoller. Im Lauf der Zeit spielte es sich ein, dass Hausfrau Maria (Silvia Singler) die ganze Hausarbeit macht und sich die Mitbewohner nur um ihre eigenen Interessen kümmern. Oma Else (Carina Burger) geht zum Yoga, Tochter Betty (Selina Lupfer) ist mit Joggen, Friseur und Einkaufen ausgelastet, Opa Viktor (Hubert Moser) mit seinen Rentnerdasein und Ehemann Heinz (Raphael Schneider) mit seiner Schreinerei.

Zu Beginn, beim Frühstück, vermisst Oma Else ihr Gebiss, Opa Karl seine Hausschuhe und Betty wartet auf die Milch zum Müsli und wer bringt das ganze in Ordnung? Natürlich Maria. Sie weiß gar nicht mehr, wo ihr der Kopf steht, denn ihr Mann braucht auch noch sofort Schinken und Lachs für ein geheimnisvolles Arbeitsfrühstück. Und Opa Viktor flirtet gern mit der jungen, biederen Sekretärin Luise (Nadine Moser). Der immer fröhliche Geselle Hannes (Jan Krummer) sagt Betty die Meinung wegen ihrem Egoismus, besorgt ihr aber trotzdem einen Termin beim neuen Superfriseur.

Ein Problem aber schwebt über allem: Die Schreinerei läuft schlecht. Deshalb will Heinz Schmoller auf Bestattungen umstellen, dafür braucht er die Unterschrift seiner Frau. Weil die sich weigert und Mithilfe im Haushalt fordert, bietet er einen Rollentausch an: Zwei Wochen führt er "das bisschen Haushalt"und seine Frau die Schreinerei. Damit beginnt zumindest im Haushalt das Chaos und Hilfe der anderen Familienmitglieder ist nicht zu erwarten. Aber Heinz mogelt sich durch. In der Schreinerei läuft es dafür wieder besser: Die neue Chefin ersetzt das billige Glas durch beste Qualität, geliefert von Glasermeister Kasimir (Klaus Lang), ihrem früheren Verehrer. So ist die Schreinerei Schmoller wieder bestens im Geschäft mit dem Elztalhotel und zieht außerdem sieben neue Aufträge an Land. Bei Hannes und Sekretärin Luise ist die ehemalige Hausfrau eindeutig der "große Boss". Statt bügeln geht sie im Businesskostüm mit Geschäftspartner Kasimir zum Brunch. Hausmann Heinz hält derweil nur durch Tricks die Illusion eines sauberen Haushalts aufrecht und ist trotzdem von sich überzeugt: "Eine Hausfrau braucht dafür de ganze Vormittag, ich schaff’s in zehn Minuten". Aber es kommt auch Bewegung in den ehemaligen Egoistenhaushalt: Opa Viktor lässt sich zum Einkaufen schicken und kehrt sogar die Werkstatt. Und Oma lässt sich überreden, wieder einmal ihre Spezial-Gulasch zu kochen. Wegen eines neuen Auftrags im Elztalhotel muss die neue Chefin in die Schreinerkluft schlüpfen, weil jeder für die neuen Aufträge gebraucht wird, eigentlich auch ihr Mann. Der legt dann die Schürze gerne beiseite. So bahnt sich das Happy End an: Maria und Heinz führen die Schreinerei fortan gemeinsam, im Haushalt helfen Opa und Oma, sogar Betty. Auch Sekretärin Luise blüht auf – sie und Glasermeister Kasimir haben sich gefunden. Und Hannes besteht seine Gesellenprüfung mit Bravour.

Die acht Akteure auf der kleinen Bühne haben eine schöne Familienkomödie, die mit Chaos und Streit begann, viel Abwechslung und Wortwitz bot, meisterhaft gespielt zu einem glücklichen Ende gebracht. Für die Besucher gab es viel zu lachen, egal ob Opa Viktor "über sexuelle Praktiken im Alter nicht reden" oder Schreiner Heinz zum Loch in der Jogginghose nur naiv sagen kann: "Des Loch war uf einmal da". Belohnt wurde das Theaterteam mit viel Lachen und viel Applaus. Alle haben ihre Rollen perfekt umgesetzt, von Opa Moser in seinem 31. Stück als auch Neuling Selina Lupfer als verwöhnte Betty. Zum Erfolg des Stückes haben natürlich auch Carina Wölfle (Soufleuse), Angelika Rissler, Carina Wisser (Maske), Patrick Weis (Technik) und Bühnenmaler Klemens Schneider beigetragen. Bei der Vorstellung aller Akteure am Ende des Theaterabends hatte Musikchef Jürgen Wölfle für Silvia Singler noch ein Sondergeschenk: Sie stand an diesem Abend nämlich beim 20. Theaterstück in Katzenmoos auf der Bühne.