Elzacher Nahwärmenetz wächst

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Mi, 07. November 2018

Elzach

Verlegungen erreichen das Vorstädtle / Heizzentrale voll in Betrieb / Kernstadt wird flächendeckend einbezogen.

Abschnitt für Abschnitt arbeiten sich Straßenbauer und Rohrverleger derzeit durch Straßen und Gassen der Elzacher Innenstadt. Fräsen schneiden Anschlussmuster in den Asphalt, Bagger heben lange Gräben aus, schwarz isolierte Röhren mit Vor- und Rücklauf werden eingefügt, mit Kernbohrungen Fundamente durchstoßen, Anschlüsse mit der Hauptleitung verschweißt, alles wieder zugedeckt, mit drei Schichten asphaltiert – und schon geht’s weiter. Seit November 2016, dem Spatenstich für das Elzacher Nahwärmenetz, wiederholt sich dieser Vorgang immer neu. Baulärm, Staub und Ampeln sind unvermeidlich. Fußgängerbrücken liegen über Gräben. Aber alles lief bisher mit viel Verständnis der Anwohner ab.

230 Genossen, also Mitglieder, haben sich bis jetzt in der im Sommer 2015 gegründeten Nahwärmegenossenschaft (NGE) verbunden oder später angeschlossen. Sie sind Eigentümer von dem, was bisher entstanden ist. Auch dürfen sie eine preiswerte neue Wärmeversorgung erwarten, die zudem umweltfreundlich, sicher, bequem und platzsparend ist. Diese Ankündigung der NGE hat viele überzeugt, ihr mit dem einmaligen Genossenschaftsbeitrag von 2000 Euro beizutreten.

Mit rund 3,5 Kilometer Hauptleitungen ist gut die Hälfte des Wärmenetzes bereits verlegt. Viele Genossen beziehen die Wärme schon aus der Heizzentrale, die die Versorgung im Dezember aufgenommen hat und vor drei Wochen auch der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Ein erster Hackschnitzelofen sowie ein Blockheizkraftwerk mit Pelletsvergaser, das zugleich Strom für 360 Haushalte liefert, sind in Betrieb. Ein Pufferspeicher sorgt für konstante Abdeckung täglicher Bedarfsspitzen. Feinstaub wird von einem Elektrofilter zurückgehalten. Und die Biomasse, Holz und Pellets, wird von der regionalen Waldgenossenschaft angeliefert, um später als Asche wieder in den Wald zur Anreicherung des Bodens zurückzukehren.

Nach heutigen Berechnungen sollen mit dem Wärmenetz einmal 1,2 Millionen Liter Heizöl jährlich durch regenerative Energie ersetzt werden. Für die Abnehmer entfällt damit auch der häufige Blick auf den Ölpreis, der seit 2016 wieder gestiegen ist. Für ihre "neue Heizung" zahlen sie – je nach Nähe zur Hauptleitung und Länge der Hausleitung – nur noch einen KfW-geförderten Anschlussbetrag von knapp 10000 Euro. Der eigene Heizkessel wird durch eine kleine Übergabestation ersetzt. Abgasmessungen und Heizstrom entfallen. Und auch über den Wärmepreis bestimmen künftig nicht mehr fremde Unternehmen, sondern die Verbraucher in ihrer Genossenschaftsversammlung selbst.

Im Frühjahr startet der dritte Bauabschnitt

Immer dann, wenn ein Stück des Netzes realisiert und mit einem Schieber versehen ist, wird in den Häusern auch die Bezugsanlage installiert und die Wärme kann fließen. Auch dieser Vorgang wiederholte sich inzwischen vielfach. Eine erste Zwischenetappe wurde dabei Ende 2017 erreicht. Unter Einbeziehung von Schulzentrum, Kirchen und mehreren Großabnehmern wurde der erste Bauabschnitt beim Netzausbau abgeschlossen. Die südliche Kernstadt war einbezogen.

Inzwischen ist auch die Hälfte des zweiten Bauabschnitts realisiert. Im Sommer haben die Bautrupps über den Schießgraben die Stadtmitte erreicht. 170 Häuser waren da – seit Spatenstich – voll angeschlossen und 35 für einen späteren Anschluss vorbereitet. In der Hauptstraße wurde gerade das erste Stück wieder asphaltiert. Und der Tross zieht weiter.

Bis spätestens Ende November soll die Leitung durch die Hauptstraße bis zur Ladhofbrücke verlegt sein. Zumindest bis zum ehemaligen Edeka-Areal möchte die NGE auch die Anschlüsse installiert haben. Auch im Wendelinusweg laufen erste Verlegungen an, bevor auf die Kanalsanierung gewartet werden muss. Zudem tut sich etwas in der Schmiedgasse hinter dem Rathaus. Wie Vorstandsmitglied Karl Weber mitteilte, wollte man schneller vorankommen. Insbesondere Nachzügler, die sich erst spät entschieden, hätten jedoch nicht eingeplante Zusatzarbeiten erfordert.

Anfang 2019 wird die NGE dann mit dem dritten Bauabschnitt beginnen. Dieser umfasst die Wörthstraße und den Brühl. Vorab wird der Vorstand eine Besprechung mit den Anliegern abhalten. Noch etwas in der Zukunft liegt der vierte Bauabschnitt, in den das künftige Neubaugebiet Sauter-Areal und danach die Wohngebiete Wittenbach und Finkenacker einbezogen sein werden. Mit mindestens 400 Anschlüssen wird bis dahin gerechnet. Dafür ist in der Heizzentrale noch ein zweiter Hackschnitzelofen eingeplant.