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15. November 2017

Jugendliche gestalten Gedenkfeier

Volkstrauertag in Elzach / Projekt des Schulzentrums Oberes Elztal / Kriege weltweit wirken auch auf Europa zurück .

  1. Bei der Vorbesprechung zum Volkstrauertag: Susanne Heidegger, die Klassensprecher Carmen Ringwald und Jonas Nothals, Nicole Bündtner, Roland Tibi, Meinrad Seebacher, Gabriele Starke (v.li.). Foto: Nikolaus Bayer

ELZACH. Am Volkstrauertag wird der Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft gedacht. Der Tag soll zum Frieden und zur Völkerverständigung mahnen. Die Gedenkfeier auf dem Elzacher Friedhof am 19. November wird in diesem Jahr einmal anders ablaufen: Statt von einem Hauptredner wird sie erstmals von Jugendlichen gestaltet. 23 Schüler der Abschlussklasse 10b des Schulzentrums Oberes Elztal haben sich darauf vorbereitet. Mehrere Sprecher werden ihre Gedanken zur heutigen Bedeutung des Volkstrauertages und zur Friedensarbeit vortragen.

Die Gestaltung der Feier entspringt einem Projekt, das von den Studienrätinnen Susanne Heidegger und Gabriele Starke geleitet und von Pfarrerin Barbara Müller-Gärtner theologisch begleitet wurde. Vier Schülergruppen haben sich darin mit jeweils einem Thema befasst. Als künstlerischer Beitrag wurde eine Collage in Form eines Triptychons geschaffen, anhand dessen Aussagen zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft im Zusammenleben von Menschen und Völkern gemacht werden. Eindrücke vom Besuch der KZ-Gedenkstätte Struthof, Beobachtungen von Gleichgültigkeit gegenüber Leid sowie die Hoffnung auf Lernfähigkeit und Einsicht wurden in Worte gefasst. Dabei wollen die Schüler immer auch persönlich Position beziehen.

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Bürgermeister Roland Tibi lobt die Schüler und Lehrer für die Übernahme dieser Aufgabe. Die Gestaltung einer Gedenkfeier zum Volkstrauertag durch Jugendliche habe es im Elztal so noch nicht gegeben. Man folge damit einer Initiative des Bezirksvorsitzenden des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge, Sven von Ungern-Sternberg, den Tag aus seinem Schattendasein herauszuholen. Gegen abnehmende Teilnehmerzahlen und Verdrängen seines Themas soll etwas getan werden.

Angesichts vieler Kriegsdrohungen und Kriegsereignisse in der Welt, die mit Flüchtlingsströmen auch bei uns ankommen, erfährt der Tag weiter oder erneut Aktualität. In Elzach, sagte Tibi, habe man schon in den Vorjahren versucht, durch Reden eines Gastes aus dem Elsass, eines Geschichtsprofessors und einer Pfarrerin die Gedenkfeier neu zu beleben. Dass es jetzt gelungen sei, Jugendliche mit dieser Aufgabe zu befassen, empfindet er als nochmalige Steigerung.

Meinrad Seebacher, Leiter des Schulzentrums Oberes Elztal, stellt ebenfalls fest, dass mit dem Ableben der Kriegsgenerationen und zeitlicher Ferne der Geschehnisse eine Abnahme des öffentlichen Interesses an den Gedenkfeiern zum Volkstrauertag einhergeht. Dem Vergessen wirke man an der Schule jedoch entgegen, durch Projekte zur Zeitgeschichte oder durch die häufige Einbindung von Professor Heiko Haumann in den Unterricht. Es gibt jährlich eine Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Struthof. Und auch in den "Flüchtlingsklassen" werde dem Thema Friedensarbeit große Beachtung geschenkt. Die Gedenkfeier zum Volkstrauertag in Elzach findet am 19. November um 11.30 Uhr am Ehrenmal hinter der Friedhofskapelle statt.

Autor: Nikolaus Bayer