Sie wollen noch "das halbe Städtli" umgraben

Bernd Fackler

Von Bernd Fackler

Do, 08. Juni 2017

Elzach

Mitgliederversammlung der Nahwärmegenossenschaft eG zieht eine positive Zwischenbilanz / Im August ist Richtfest für die neue Heizzentrale bei der Kläranlage.

ELZACH. In Elzach wird gegraben, und zwar seit Monaten. Nicht nach Gold, Öl oder sonstigen Bodenschätzen, sondern die Leitungen für die Nahwärme wurden und werden gelegt. Vor etwa 130 Anwesenden wurde nun in der Jahreshauptversammlung der Nahwärmegenossenschaft eG im Haus des Gastes Rechenschaft über das Geschäftsjahr 2016 abgelegt und über den aktuellen Stand und die Zukunft informiert. Dabei wurde deutlich, was auch jeder bei den Verlegearbeiten in den Straßen sehen kann: Das Projekt geht schnell voran.

"Wärme verantwortungsvoll in Bürgerhand" heißt der Leitspruch der Nahwärmegenossenschaft. Aufsichtsratsvorsitzender und Bürgermeister Roland Tibi begrüßte in der Versammlung die 119 stimmberechtigten Mitglieder und weitere Interessenten. Dann berichtete der ehrenamtliche Vorstand – Nikolaus Dufner, Peter Haiß, Karl Weber und Martin Wisser – über das vergangene Geschäftsjahr und das weitere Vorgehen. 59 Mitglieder hatte die Genossenschaft, die am 31. Juli 2015 gegründet worden war. Im November 2016 begann mit dem Spatenstich die Verlegung der ersten Rohrleitungen bis in die Häuser im ersten Bauabschnitt in der Freiburgerstraße, gefolgt von der Brand-, Schwarzenberg-, Sonner- und Häberlinstraße. Es folgten oder sind noch im Gang die Georg-Rapp- und die Franz-Xaver-Stenzel-Straße (diese soll Anfang September fertig werden) sowie der "untere" Schießgraben und – wenn der Paracycling-Weltcup vorbei ist – auch am Stadtwäldele. Karl Weber: "Wir können nicht an zu vielen Stellen gleichzeitig anfangen. Das Stadtwäldele kommt gleich nach den Bauferien dran und kann dann auch umgehend angeschlossen werden".

Inzwischen sind die Leitungen im ersten Bauabschnitt zu 75 Prozent verlegt (bis auf Nikolaus-, Kreuz- und Teile der Franz-Xaver-Stenzel-Straße, in welcher gleichzeitig durch die Stadt Ver- und Entsorgungsleitungen verlegt werden), Kirchplatz und Stadtwäldele. Die Arbeiten werden vom Schießgraben in Richtung Nikolausstraße fortgeführt (statt von der "Siedlung" her Richtung Städtli) wegen der vielen Veranstaltungen rund um Schul- und Kirchplatz (Schwarzwald-Heimatmarkt und Oberbadisches Blasmusikjubiläum sind schon vorbei, es folgen Kirchturmfest am 17./18. Juni, Paracycling-Europa-Cup vom 14. bis 16. Juli und Stadtmurefest vom 21. bis 23. Juli). In den Osterferien wurden die Tiefbauarbeiten rund um die Schule vorgenommen.

Gerade eben wurde der Aushub für den Hackschnitzelbunker der neuen Heizzentrale (zwischen Autohaus Hin und Kläranlage) fertig. Die alte Heizzentrale ist nach wie vor beim Aldi und wurde von der Holzwärme Elzach-Biederbach GmbH & Co. KG (HEB) übernommen, die seit Jahresbeginn 2017 in der Nahwärmegenossenschaft aufgegangen ist. "Sollte eine Heizzentrale ausfallen, haben wir somit noch die zweite", sagte dazu Karl Weber. Das Richtfest für die neue Zentrale ist Mitte August vorgesehen. Die erste Nahwärme kann demnächst bezogen werden: Dazu muss die Biederbacher Straße gequert werden, um an die bestehende Versorgungsleitung der Sonnhalde anschließen zu können. Insgesamt soll die Querung dreimal erfolgen, jeweils in Fortführung der entsprechenden Querstraßen.

"Der erste Bauabschnitt soll im Herbst fertig sein, dann folgt nahtlos und Schritt für Schritt der zweite"

Nikolaus Dufner vom Vorstand

Finanziert wird das alles "mit Darlehen, je 20 Jahre Laufzeit. Für den Bauabschnitt II (Mittelstädtle) ist der Förderantrag gestellt", so Martin Wisser, danach folgen III und IV – die Gesamtinvestition beträgt etwa 13 Millionen Euro, die Gesamt-Bauzeit fünf bis sieben Jahre. Die Bilanzsumme der Genossenschaft für 2016 beträgt 1 596 565 Euro, davon der größte Teil (1,467 Millionen) Anlagevermögen, etwa für die Übernahme der HEB und andere Investitionen. Der Jahresverlust von 19 773 Euro sei, so Roland Tibi, vorhersehbar gewesen und erklärbar, "es gab bei der Prüfung keine Beanstandungen." Das hob auch Berthold Meier hervor, der aus der Versammlung die Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand beantragte. Er betonte: "Wir haben einen kleinen Eindruck bekommen, was in den letzten Monaten an Arbeit geleistet wurde." Dafür gab es Beifall; der Jahresabschluss und die Ergebnisverwendung wurden einstimmig genehmigt.

Nikolaus Dufner zum aktuellen Stand: "Der erste Bauabschnitt soll im Herbst fertig sein, dann folgt nahtlos und Schritt für Schritt der zweite; über ihn gibt es derzeit Info-Veranstaltungen für die Anlieger: Das Interesse ist rege". Die Übergabestationen werden montiert, zunächst in der Brandstraße. Bis die Heizperiode beginnt, wird Bauabschnitt I komplett mit Wärme versorgt (über 80 Neuanschlüsse). Dufner: "Und den zugesagten Wärmepreis werden wir halten können."

Es gab dann reges Interesse vom Publikum, vor allem, wann welche Straße an die Reihe kommt. Oder auch daran, ob das Breitband gleich mit verlegt wird. Roland Tibi: "Wir sorgen aktuell für ein schnelles Internet, können jedoch im Zug der Nahwärme kein flächendeckendes Glasfasernetz verlegen, weil das den Kostenrahmen der Stadt sprengen würde".

Und wenn mal was nicht funktioniert mit der Wärmeversorgung? Dann wird’s schnellstmöglich repariert, verspricht der Genossenschaftsvorstand: "Bestimmte Punkte des Netzes werden permanent elektronisch überwacht, Störungen kriegt man also schnell mit", so Peter Haiß. Aber das Risiko sei sehr überschaubar: "In St. Peter – mit ähnlichem Netz – läuft es seit 2007 und es gab seither einen Ausfall von insgesamt drei Stunden", weiß Karl Weber. Und Roland Tibi: "Seit 1996 haben wir Erfahrung mit der HEB. Ich denke, da kann man gut schlafen."

Die Versammlung schloss mit einem Dank vom Aufsichtsrat an die vier Vorstände: "Viel Zeitaufwand, geballte Kompetenz, riesiges Engagement und alles ehrenamtlich", so Tibi: "Regional und selbstbestimmt ist ja die Devise – machen Sie alle ruhig Werbung für die Nahwärmegenossenschaft!"
Weitere Informationen: Über die neu eingerichtete Homepage http://www.nahwaerme-elzach.de können die Hauseigentümer des zweiten Bauabschnitts in einem online-Fragebogen ihr Interesse bekunden und den jährlichen Wärmebedarf an die Genossenschaft übermitteln: http://www.nahwaerme-elzach.de Zwei Informationsabende werden noch angeboten: Am Montag, 19. Juni, 20 Uhr,und Freitag, 23. Juni, 19 Uhr jeweils im Haus des Gastes