Viel Interesse an einer Nahwärmegesellschaft

Kurt Meier

Von Kurt Meier

Mi, 20. Mai 2015

Elzach

Sie soll spätetens im Herbst 2017 gegründet werden / Jetzt fand eine Informationsveranstaltung unter dem Motto: "Wärme verantwortungsvoll in Bürgerhand" statt.

ELZACH. Elzach bekommt eine Nahwärmeversorgung, spätestens im Herbst 2017. Betrieben wird diese von einer Genossenschaft, die in den nächsten Wochen gegründet wird. Dies ist das Ergebnis einer Bürgerinformationsveranstaltung, in der über zwei Drittel der anwesenden rund 80 Zuhörer ihr Interesse an einem Beitritt zu dieser Genossenschaft und damit einem Anschluss an ein Nahwärmenetz schriftlich bekundeten.

"Wärme verantwortungsvoll in Bürgerhand": Unter diesem Motto will sich in Elzach eine Genossenschaft mit dem Namen "Elzacher Nahwärme" gründen. Die Vorbereitungen dazu laufen seit einigen Wochen. Federführend beteiligt sind Stadtrat Dr. Peter Haiss, Karl Weber, Martin Wisser und Nikolaus Dufner (Geschäftsführer der Holzwärme Elzach/Biederbach, HEB). Ziel ist es, im südlichen Bereich der Kernstadt Elzach ein Nahwärmenetz aufzubauen und zu betreiben. In einem ersten Schritt sind dafür Investitionskosten von rund 2,2 Millionen Euro nötig. Geplant ist, dass noch vor den Sommerferien die Gründungsversammlung der "Elzacher Nahwärme-Genossenschaft" stattfindet. Danach sollen die Einzelberatungsgespräche mit den an einem Anschluss interessierten Hauseigentümer stattfinden und Anschlussverträge abgeschlossen werden. Im Herbst 2017 soll die Nahwärmeversorgung starten.

WARUM GENOSSENSCHAFT?
"Das Genossenschaftsmodell macht Sinn, weil es ökologisch sinnvoll, förderfähig und nutzerfreundlich ist", erläuterte Peter Haiß. Zudem entfalle für den einzelnen Hauseigentümer die neue gesetzliche Regelung der Energiesparverordnung (beim Einbau einer neuen Heizungsanlage müssen mindestens 15 Prozent durch regenerative Energie kommen). Man habe durchaus auch weitere Alternativen geprüft, so Haiß. Eine davon war, die Stadt als Betreiber zu gewinnen. Die müsse jedoch alle Investitionen öffentlich ausschreiben, unterliegt also dem EU-Wettbewerbsrecht und müsste sich auch personell neu aufstellen. Zudem wäre die Installation der Hausanschlüsse nicht förderfähig. So wäre diese Variante teurer.

Nahwärmeversorgung durch einen Privatinvestor unterliege zwangsläufig der Gewinnerwartung und der Gefahr, dass die Gesellschaft bei nicht eintretenden Gewinnen insolvent wird. Der Nutzer habe daher wenig Möglichkeiten der Einflussnahme auf Geschäftsgebaren und Preisgestaltung. Eine Genossenschaft arbeite zum Selbstkostenpreis, da sie keine Gewinne erwirtschaften darf. Sie habe zwar anfangs höheren Eigenkapitalbedarf (erbracht durch die Einlagen der Genossen), könne die Kosten aber durch Eigeninitiativen der Genossen senken. Jedes Mitglied habe Mitsprache- und Stimmrecht in der mindestens einmal jährlich tagenden Genossenschaftsversammlung. Geführt wird diese durch eine Vorstandschaft, dazu gibt es einen Aufsichtsrat als Kontrollgremium. Dass dies das Modell der Zukunft sei, bekräftigte auch Bürgermeister Roland Tibi: "Wir stehen hinter diesem Projekt" bekräftigte er. Die Zustimmung des Gemeinderates vorausgesetzt, werde auch die Stadt Elzach Mitglied der Genossenschaft werden.

TECHNIK-VORAUSSETZUNGEN
Konrad Nübel vom Ingenieurbüro Schuler in Bietigheim-Bissingen skizzierte die technische Seite: Die Nahwärme Elzach stützt sich auf drei Säulen: Primär nutzt man die vorhandene Holzhackschnitzelanlage der Holzwärme Elzach/Biederbach. Angeschlossen ist ein Ölbrenner, der sich bei Spitzenbelastungen automatisch zuschaltet. Zweites Standbein wird ein Blockheizkraftwerk, das zum Einen aus der Abwärme der Kläranlage, zum Anderen mit Flüssiggas betrieben wird und einen Pufferspeicher bekommt. Drittes Standbein ist der Bau eines zweiten Heizkessels für Holzhackschnitzel. Zunächst soll ein rund 3,8 Kilometer Leitungsnetz verlegt werden. Dies führt (grob ausgeführt) durch die Freiburger- und Franz-Xaver-Stenzelstraße bis zum Kirchplatz. Welche Straßen erst angeschlossen werden liegt an der Zahl der Nutzer: Wo die meisten an einem Strang liegen, geht's los. Wer beim ersten Zug noch nicht dran kommt, bekomme später den Anschluss. "Der Heizkessel in ihrem Keller wird durch eine Wärmeübergabestation ersetzt", so Nübel. Noch vorhandenes Heizöl werde die Gesellschaft aufkaufen, sodass die Entsorgung der alten Anlage umweltgerecht erfolgen kann.

WAS KOSTET DAS ALLES?
Projektberater Rolf Pfeifer von endura kommunal erläuterte die Kostenstruktur. Grundsätzlich gilt: Mitglied der Genossenschaft kann jeder werden, auch wenn er nicht direkt von der Wärmeversorgung betroffen ist. Wer sich jedoch ans Nahwärmenetz anschließen will, muss Mitglied werden. Die einmalige Genossenschaftseinlage beträgt 2000 Euro. Die Anschlusskosten belaufen sich für ein durchschnittliches Ein- bis Zweifamilienhaus auf rund 8 700 Euro. Für diese Kosten gibt es öffentliche Fördergelder, sodass man alles in allem mit rund 10 000 Euro einmaligen Investitionskosten rechnen muss. Der Wärmeverbrauch bestimmt den Arbeitspreis. Der wird einmal jährlich abgerechnet. Im Leistungspaket der Gesellschaft ist ab dem ersten Liefertag auch alles drin, was mit Wartung, Pflege und Unterhalt der Anlagen zu tun hat. Die Investitionskosten (rund 2,2, Millionen Euro) will die Genossenschaft etwa zur Hälfte aus Eigenmitteln (Einlage, Anschlussgebühr), den Rest über zinsgünstige Kredite finanzieren. Die Preisberechnung beruhe auf rund 80 Kunden, die in einer Umfrage ihr Interesse am Anschluss bekundet haben. Außerdem hoffe man, die bereits bestehenden Kunden der HEB (derzeit circa 55) gewinnen zu können. "Je mehr mitmachen, umso preisgünstiger wird es für den Einzelnen", so Pfeifer.

WER MACHT MIT?

"Jetzt liegt es an Ihnen", so Rolf Pfeifer und läutete damit die rund einstündige Fragerunde ein. Da kristallisierte sich heraus, dass vor allem die Alt-Kunden der HEB noch Informationsbedarf haben. Ihnen bot Geschäftsführer Nikolaus Dufner eine eigene Veranstaltung an. Erst einmal ändere sich für sie nichts. Die HEB bleibe bestehen und komme ihren Lieferverpflichtungen nach. Mittelfristig sei jedoch geplant, die HEB in der Genossenschaft aufgehen zu lassen. Das Gros der künftigen "Neukunden" zeigte sich von den skizzierten Konzepten überzeugt. Per schriftlicher Umfrage bezeugten rund zwei Drittel der Anwesenden ihre Bereitschaft, der Genossenschaft beizutreten. "Das ist ein eindeutiger Auftrag, weiterzumachen", freute sich Peter Haiss, dem sich Bürgermeister Tibi anschloss. Er versprach, dass die gesamte Präsentation dieses Abends ins Internet gestellt wird.

Alles zum Thema "Nahwärmekonzept Elzach" Im Internet unter http://www.elzach.de auf der Startseite in der rechten Spalte auf "Download" gehen. Ansprechpartner für telefonische Nachfragen ist Stephan Fix, kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Elzach, Tel. 07682/804-39.