Wärme – regenerativ, effizient, sicher

Nikolaus Bayer

Von Nikolaus Bayer

Fr, 19. Oktober 2018

Elzach

Tag der offenen Tür in der neuen Heizzentrale der Nahwärmegenossenschaft Elzach / Vorstellung ihrer technischen Anlagen.

ELZACH. Am Sonntag wurde die neue Heizzentrale der Nahwärmegenossenschaft Elzach (NGE) in der Telfer Straße 15 der Bevölkerung vorgestellt. Erstmals konnten dort auch ihre 230 Mitglieder sehen, was ihnen als Miteigentümer gehört. Viele kamen. Im Gebäude und im Zelt davor, wo bewirtet wurde, herrschte bis 17 Uhr guter Besuch. Zwei Bürgermeister und der Umweltbeauftragte des Landkreises zeigten ebenfalls Interesse. Vorstände, Anlagenhersteller und der leitende Ingenieur informierten.

Umrahmt von der Baggerband, einem Ensemble der Stadtmusik, eröffneten Bürgermeister Roland Tibi als Aufsichtsratsvorsitzender sowie Vorstandsmitglied Peter Haiß den Tag der offenen Tür. Dabei gingen sie nochmals auf die Entstehung der Genossenschaft ein und betonten den energie- und umweltpolitischen Vorzeigecharakter des Projekts. Das ursprünglich nur für die "Siedlung" gedachte Quartierskonzept von 2015 wurde zu einem Nahwärmenetz für die Kernstadt fortentwickelt. Dafür wurde eine Genossenschaft als Investor nötig, da es über den städtischen Haushalt nicht machbar gewesen wäre. Tibi dankte deshalb ihrem Vorstand mit Nikolaus Dufner, Peter Haiß, Karl Weber und Martin Wisser, die ehrenamtlich alles vorangebracht haben. Regenerativ und mitbestimmt von Elzacher Bürgern versorge sich die Stadt künftig zu einem großen Teil selbst. Auch bei niedrigerem Ölpreis werde die neue Versorgung wettbewerbsfähig sein, stellte Tibi in einem Vergleich zu 2016 fest. Vorstand Haiß erwähnte das Büro Endura Kommunal, dem die Ausarbeitung der Betriebsform oblag, und das Vörstettener Ingenieurbüro Berghoff/Hölken, das für die NGE das Gesamtprojekt geplant und "in maßgeblicher Verantwortung" begleitet hat. Dem anfänglichen Rat Arnold Berghoffs, dass nur eine Netzausweitung energetisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, sei man gefolgt. Mit rund 400 Anschlüssen, so Haiß, werde das im Endausbau nun dazu führen, dass etwa 1,2 Millionen Liter Heizöl ersetzt und CO2-Immissionen von 4200 Tonnen pro Jahr vermieden werden.

Ingenieur Berghoff erläuterte den Besuchern danach in zwei Rundgängen die technischen Anlagen. Dabei stellte er voran, dass künftig nahezu die ganze Netzwärme allein mit Holz, also Biomasse, erzeugt wird. Hauptaggregat – ausreichend für die ersten zwei Netzabschnitte – ist der acht Meter hohe, 2000 Kilowatt (Kw) leistende Hackschnitzelofen mit integriertem Kessel. Er wird die gesamte Mittellast tragen. Verfeuern lässt sich in ihm auch nicht veredelter Brennstoff, der über eine Förderanlage automatisch nachgeführt wird.

Die Hackschnitzel werden in einem 350 m³ fassenden Keller gelagert, allein eine Füllung reicht für 200 Megawattstunden. Von dort werden sie durch einen Hacker gelassen und auf das durchlaufende Förderband geschoben. Da dem Ofen auch Nässe, Rinde oder Rotfäule nichts ausmachen, konnte auf eine teure Trockenanlage verzichtet werden. Dafür wird die oben im Maschinenraum anfallende Wärme nach unten ventiliert und so indirekt auch zum Wasserentzug genutzt.

Wärmeversorgung, selbstbestimmt in Bürgerhand

Mit dem großen Ofen gekoppelt ist – als zweite Erzeugungsanlage – ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Pelletsvergaser. In diesem wird die Biomasse in ein Gas-Luft-Gemisch überführt, komprimiert und dann im Sechszylindermotor des BHKW verbrannt, zu dessen Zündung noch Rapsöl eingespritzt wird. Die Genossenschaft erzeugt so in mindestens 7000 Stunden pro Jahr auch 180 Kilowatt Strom, der für etwa 360 Vierpersonenhaushalte ausreicht. Seine Abwärme von 270 Kw pro Stunde, wofür 110 Kilogramm Pellets genügen, wird ebenfalls dem Netz zugeführt. Die Anlage läuft das ganze Jahr durch und liefert die Grundlast, mit der die Warmwasserbereitung größtenteils abgedeckt wird. In den heißen Sommermonaten reicht die Anlage auch ohne den großen Ofen zur Netzversorgung aus. Die Hackschnitzelfeuerung geht erst ab einer Außentemperatur unter 15 Grad Celsius in Betrieb.

Umweltschonend arbeitet die neue Heizzentrale auch bei der Abluft. Ein Elektrofilter mit 25000 Volt zieht nahezu alle Feinstaubpartikel an und hält sie zurück. Die Immission liegt bei gerade noch fünf bis zehn Milligramm/m³. Das ist weit unter dem gesetzlichen Richtwert. "Jeder häusliche Kaminofen liegt da drüber", sagte Berghoff. Auch der Stickoxidausstoß wird durch Verbrennung mit niedrigem Sauerstoffanteil gering gehalten. Am Ende geht fast reiner Wasserdampf durch den 25 Meter hohen Schlot, so der Ingenieur.

Vornehmlich für den schwankenden Bedarf im Tagesverlauf wurden in der Zentrale außerdem zwei riesige Pufferspeicher mit 90 000 Liter Fassungsvermögen installiert. Nach Abschaltung nachts lassen sich mit ihnen die hohen "Morgenspitzen" über das ganze Netz abdecken. Die – mittels einer 20 Zentimeter dicken Dämmung – gespeicherte Wärmemenge ist doppelt so hoch wie der Ofen in den ersten zwei Stunden morgens erzeugen könnte. Damit tragen die energiesparenden Puffer zu einer konstanten Versorgung bei.

Mit der Technik in der Zentrale wird erreicht, dass jeder Bezieher im Netz durchgehend mit einer Temperatur von üblichen 75 Grad Celsius versorgt wird. Unterstützt von einer starken – und doch sparsamen – Pumpe verlässt die Wärme mit 90 Grad die Zentrale und kommt mit etwa 60 Grad zurück. Die Spreizung wird niedrig gehalten. "Etwa 15 Prozent Wärmeverlust werden selbst nach Vollendung des Netzes nur bleiben. Das ist ein hervorragender Wert", sagte Berghoff, ganz überzeugt vom Erfolg seiner Arbeit. Das Elzacher Projekt fand schon frühzeitig auch beim Land Anerkennung. Die NGE wurde aus dem 2016 aufgelegten Landesprogramm "Effiziente Wärmenetze" unterstützt. Ihren in der Investitionsphase hohen Kreditbedarf hat dies zumindest etwas gemindert. Bis zum Ende des Netzausbaus rechnet der Vorstand mit Kosten von rund 13 Millionen Euro. Davon wurden bis zur Jahresmitte bereits 7,5 Millionen Euro ausgegeben.