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18. Juli 2017

Warias dominiert Rennen in Elzach

Beim Europacup der Radsportler mit Handicap werden die Favoriten ihrem Ruf gerecht und sorgen für einen Hauch von Rio.

  1. Paracycling Europacup 2017 Foto: Benjamin Resetz

  2. Paracycling Europacup 2017 Foto: Benjamin Resetz

RADSPORT. Tribike, Handbike, Tandem, Rennrad: Anlässlich des Paracycling-Europacups in Elzach gaben sich 65 der besten Radsportler mit Handicap im Elztal die Ehre. Wenngleich der Termin im Jahr nach den Paralympics und rund zwei Wochen nach dem Weltcup in Emmen/Niederlande nicht jene Attraktivität ausstrahlte, wie es noch 2015 beim damaligen Weltcup der Fall gewesen war, fand dennoch ein großer Teil der Weltspitze den Weg ins Elztal. Überraschungen blieben in sportlicher Hinsicht aus. Es siegten dafür zwei waschechte Goldmedaillengewinner.

Die Straßen gesperrt, die Menschen im Rennfieber und einige der besten Radsportler mit körperlicher Beeinträchtigung auf der Strecke: Es ging rasant zu in der beschaulichen Elztal-Gemeinde, die – nach einem Jahr Pause – 2017 wieder einmal für ein Wochenende zum Zentrum des internationalen Paracycling-Zirkus avancierte. Grund war der diesjährige Europacup, anlässlich dessen sich, trotz des ungünstigen Termins fernab jeglicher Wettkampfroutine, zahlreiche Spitzenathleten nicht lumpen ließen und den Asphalt und das Pflaster in Elzach unter ihre Räder machten.

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"Der Termin ist wahrhaft nicht der günstigste. Nachdem wir aber schon im Vorjahr pausiert hatten, mussten wir 2017 wieder einen internationalen Wettbewerb austragen", erläutert Klaus Holzer, Vereinschef des ausrichtenden Radvereins Concordia Prechtal. "Zwei Jahre auszusetzen ist kaum möglich. Zu schnell scheidet man als Ausrichter aus dem Rennkalender aus." Die Vorbereitung habe Verein und Helfer an Grenzen geführt, so Holzer. "Nun, da all die bekannten Gesichter, die Sportler und Betreuer, wieder da sind, bin ich aber froh, dass wir uns für den Europacup entschieden haben." Erst zwei Tage vor dem Start des internationalen Wettkampfes seien die Straßenbauarbeiten auf der Strecke zu Ende gebracht worden. "Das war ganz schön auf Kante gearbeitet und hat mir einige schlaflose Nächte bereitet, aber am Ende ging alles gut", so Holzer.

Sportlich sei der Europacup trotz alledem die richtige Entscheidung gewesen, glaubt der Vereinsvorstand. "Jedes Jahr freuen sich die Athleten, hier in Elzach dabei zu sein." Gerade die anspruchsvollen Streckenführungen seien für viele der Sportler Anreiz genug, den oft nicht gerade kurzen Weg in den Breisgau auf sich zu nehmen. "Was Alpe d’Huez für die Tour de France ist, das ist Elzach fürs Paracycling", erzählt Holzer grinsend. "Dieses Rennwochenende sehen viele der Fahrer in gewisser Weise als Maßstab für sich selbst."

Die Messlatte gewohnt hoch legte auch im Südwesten einer, der das Radfahren nur wenige Kilometer entfernt perfektionierte. Der 31-Jährige Olympiasieger von Rio de Janeiro, Steffen Warias, ging in der Rennradklasse an den Start und entschied sowohl das Einzelzeitfahren am Samstag als auch das sonntägliche Rennen auf dem Elzacher Stadtrundkurs für sich. Warias (BSV München), der einst für den RVC Reute aufs Rad stieg, setzte sich gemeinsam mit Vereinskollege Tobias Vetter bereits früh im Rennen ab und blieb im Zielsprint Sieger. Im Einzelzeitfahren nahm der Olympionike der Konkurrenz gar über eine Minute ab (35:24,59 Minuten). Fabian Döring vom RVC Reute wurde Zehnter. Bei den Handbikern – jenen Fahrern, die ihre Räder alleinig mit den Armen bewegen – siegte der Niederländer Mitch Valiza vor seinem Landsmann Johann Reekers und Heinz Frei aus der Schweiz. Valiza, der erstmals in Elzach an den Start ging, zeigte sich begeistert ob der anspruchsvollen Rundstrecke: "Die vielen Kurven liegen mir. Ich bin ein Racer und die Strecke kam mir entgegen."

Den emotionalsten Moment des Wochenendes erlebte Paralympics-Siegerin Dorothee Vieth. Die Handbike-Pilotin aus Hamburg beendete in Elzach ihre aktive Nationalmannschaftskarriere und fuhr in ihrem letzten internationalen Rennen noch einmal zum Sieg. "Eine tolle Zeit liegt hinter mir – gerade hier in Elzach", so die Athletin. "Hier wird man mich aber auch in Zukunft wieder treffen können. Mir gefällt es hier gut – wenn ich künftig auch nur für einen schnöden Urlaub vorbei komme." Bei den Tandems siegte das deutsche Duo Tim Kleinwächter/Peter Renner im Zeitfahren und im Rennen. Bei den Dreirädern (Tribike) siegte der US-Amerikaner Steven Peace. Beim Zeitfahren war Jana Majunke, die Drittplatzierte der Paralympics von Rio, erfolgreich.

Auch beim Publikum kam der Europacup wieder einmal bestens an. Das Herz der Elzacher schlägt ganz offenkundig für den Behindertensport. Volksfestatmosphäre herrschte am Rennsonntag im Start-Ziel-Bereich am Elzacher Rathaus. Und auch auf dem Hof der Heinrich-Hansjakob-Realschule, wo die Sieger des Wochenendes geehrt wurden, sorgten mehrere hundert Zuschauer für Stimmung.

Autor: Benjamin Resetz