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03. Januar 2014

Streichquartett

Antonio Pellegrini feiert 25-jähriges Jubiläum

Vor 25 Jahren gründete Antonio Pellegrini das Streichquartett, das seinen Namen trägt / An die 35 Auftritte pro Jahr.

  1. Antonio Pellegrini ist der Primarius des Pellegrini-Quartetts, das jetzt, 2014, 25 Jahre alt wird. Foto: Sylvia-Karina Jahn

EMMENDINGEN. Seit 25 Jahren steht das Pellegrini-Quartett für ein abwechslungsreiches Spektrum der Kammermusik. Klassisch-romantische Literatur steht ebenso auf dem Programm wie Musik der Gegenwart, Traditionelles wird mit Neuem, ja auch Experimentellem kombiniert. Ganz zu dieser Linie passt das Neujahrskonzert, mit dem das Quartett sein Jubiläumsjahr in der Festhalle des Zentrums für Psychiatrie eröffnet.

Schon immer haben die vier Kammermusiklehrer gerne traditionelle und experimentelle Werke gemischt. Auf dem Programm stehen zwei Streichquartette Ludwig van Beethovens sowie Artur Schnabels Quintett für Klavier, zwei Violinen, Viola und Violincello. Das monumentale, rund 55 Minuten dauernde Stück wurde 1915/16 komponiert und 1918 uraufgeführt. Das Quartett wird es am 10. Januar in Zürich spielen und wollte es zuvor eigentlich als Hauskonzert in Pellegrinis eigenem Studio geben. Aber dann fragte Pellegrini beim Psychiatriezentrum wegen der Festhalle nach. "Als der Saal zur Verfügung stand, haben wir gesagt ’wunderbar – dann machen wir ein richtiges Konzert draus’", erklärt Pellegrini.

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Die Gründung und Entwicklung
Der aus dem Tessin stammende Pellegrini hatte 1979 mit Michael Uhde das Schumann-Duo gegründet. Zehn Jahre später kam die Emmendinger Wehrle-Werk-Stiftung auf den in der Stadt lebenden und in bekannten Ensembles mitwirkenden Geiger zu und bot ihm an, ein Projekt in Emmendingen zu finanzieren. Pellegrini machte zwei Vorschläge: Ein Kammerensemble nach dem Vorbild der Gruppo Musica Insieme di Cremona, das allerdings teils ausgefallene Instrumente voraussetzte, und ein Streichquartett. Die Stiftung entschied sich für Letzteres, stellte Probenräume an der Hochburgerstraße zur Verfügung und die Proben begannen. Neben Primarius Pellegrini wirkte Helmut Menzler mit, der gerade nach Emmendingen gezogen war, Charlotte Geselbracht (Bratsche) und Peter Rundel als zweiter Geiger. Der Musiker aus Frankfurt beendete sein Engagement aber nach vier Monaten; dafür kam Thomas Hofer, der noch heute mitwirkt. Nach mehreren Jahren hörte auch Charlotte Geselbracht auf; für sie kam Fabio Marano. Seit 2012 komplettiert Michael Kasper das Quartett; Helmut Menzler musste krankheitshalber aufhören.

Nicht immer ist es leicht, Mitglieder zu finden. Schließlich sind alle als Musiker in anderen Ensembles oder Engagements tätig; allein von einem solchen Quartett könnte niemand leben, es absolviert zwischen 30 und 35 Auftritte im Jahr, wie Pellegrini sagt. Und alle sollten auf einer Linie liegen, das gleiche musikalische Niveau haben, die gleiche Art zu denken – das, sagt Pellegrini, macht den Wert eines solchen Kammermusikensembles aus.

Die musikalische Linie
Im Falle des Pellegrini-Quartetts hieß das, sich nicht auf einen Stil einzugrenzen, sondern offen zu sein für alle Richtungen von Heinrich Isaac bis Schönberg und Weber. Ganz alte und ganz neue Musik also – was es, bilanziert Pellegrini, nicht so leicht mache, Auftrittsmöglichkeiten zu finden, weil die meisten Veranstalter eine klare Richtung bevorzugten. Und auch die beliebte historisierende Version auf alten Instrumenten wollte Pellegrini nicht: "Wir sind immer von der Musik ausgegangen und wie man sie heute spielt."

Diese Offenheit führte zur Zusammenarbeit mit Komponisten wie Helmut Lachenmann, Klaus Huber und Jakob Ullmann. Und es gab Konzertreisen: Das Quartett trat in Japan auf, war im Libanon und in Südamerika (Argentinien, Chile, Uruguay). Eine Tournee führte nach Dänemark, wo Pellegrini als Mitglied im Ensemble 13 und Auftritte mit Michael Uhde Kontakte geknüpft und in Esbjerg einen Lehrauftrag hatte.

Die Zukunft
Und wie sieht die Zukunft aus? Lukrative Auftrittsmöglichkeiten für Streichquartette, die eher unkonventionell arbeiten, sind so dicht gesät nicht. Für 2014 stehen neben den Neujahrskonzerten Konzerte in Hall in Tirol, in St. Moritz und ein Kurs für Kammermusiker in Weickersheim an; eventuell eine weitere Konzertreise nach Argentinien. Pellegrini, Jahrgang 1951, fühlt sich nach einer längeren Krankheit wieder fit; auf seinem Instrument ist er das sowieso. Er ist seit 1994 Dozent an der Musikakademie Basel. 1992 erhielt er den Kulturpreis der Stadt Emmendingen.

Autor: Sylvia-Karina Jahn